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Vom MINT-Praktikanten zum Studenten

20.11.2017 -  

Mohamad Hadi Khalifa ist ein junger Mann, der schüchterner ist, als sein Erscheinungsbild vermuten lässt. Der kräftig gewachsene 21-jährige Syrer ist vor zwei Jahren mit seinem Bruder aus Aleppo geflohen und nach Magdeburg gekommen. Die Eltern und ein Großteil der Familie leben immer noch im Kriegsgebiet.

Hadi hat bereits ein Jahr an der Universität in Aleppo Maschinenbau studiert und wollte in Deutschland seine akademische Laufbahn wiederaufnehmen, denn Bildung ist für ihn der Schlüssel zur Integration. „Ohne Bildung wird es sehr schwer", erklärt er und schaut recht ernst dabei. An der Universität Magdeburg belegte er drei Sprachkurse, um dem Ziel näher zu kommen, ein Studium in einem technischen Fach aufnehmen zu können. Während seiner Recherchen dazu ist er zufällig auf das MINT-Praktikum der Universität-Magdeburg gestoßen, welches Schülerinnen und Schülern dabei helfen soll, in den Sommerferien oder nach dem Abitur, Studienrichtungen in den MINT-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik kennenzulernen. Hadi meldete sich an und entschied sich für ein Praktikum der Medizintechnik bei „INKA – Intelligente Katheter“. Das MINT-Praktikum soll Studieninteressierten zeigen woran die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität forschen sowie einen praktischen Einblick in die verschiedenen Einrichtungen ermöglichen.

Portrait Mohamad Hadi Khalifa (c) Harald KriegMohamad Hadi Khalifa (Foto: Harald Krieg / Universität Magdeburg)

Bereits zu Schulzeiten machten Hadi Fächer wie Physik und Mathematik besonders Spaß, Gedichte auswendig lernen, war dagegen eine Qual für ihn. Nachdem Hadi sich in der letzten Zeit nur mit dem Deutsch lernen beschäftigte, wollte er endlich wieder etwas mit Zahlen und komplexen Vorgängen machen. So war die Vorfreude auf das Praktikum besonders groß. Hadis Aufgabe für die zwei Monate bestand darin, ein Hauptvenen-Modell zu erstellen, welches Bestandteil der Forschung zur Katheterplatzierung dienen sollte. Bevor es jedoch an das Modellieren oder Bearbeiten ging, musste Hadi sich erst einmal mit der Anatomie des Menschen beschäftigen. Der Studiengang Medizintechnik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verbindet die Fachbereiche Mathematik, Physik, Elektrotechnik und Informatik. Zudem werden hierbei medizinische Grundlagen in Anatomie und Biochemie vermittelt, um technische Lösungen zu entwickeln. Der Weg zum ersten Modell war mit einigen langen Diskussionen gepflastert, so Dr.-Ing. Boese, welcher Hadi bei INKA begleitete. Mithilfe des Programm Solidworks konnte Hadi dann mit seinem angeeigneten Wissen über Hauptvenen ein erstes virtuelles Modell erstellen. Dies wurde mithilfe eines 3D-Druckers realisiert, womit anschließend ein erster Prototyp produziert wurde.

Die Arbeit von Hadi lohnte sich, denn das Modell wird nun für die weitere Forschung zur sicheren Platzierung und Sichtbarkeit der Katheter genutzt, so Dr.-Ing. Boese. „Eigentlich wollte ich meine Deutschkenntnisse während des Praktikums verbessern, jetzt ist auch mein Englisch viel besser geworden“, erzählt Hadi mit leuchtenden Augen. Schließlich ist das Team bei INKA sehr international und auch die Programmiersprache ist Englisch. Dass es so gut klappt war auch für Hadi überraschend und konnte ihm die Angst vor einem Studium an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg nehmen. Mit Beginn des Wintersemesters 2017/18 hat er ein Studium in Medizintechnik aufgenommen. Das MINT-Praktikum würde Hadi immer wieder machen und hat dies auch schon seinen Freunden als Einstieg für eine universitäre Laufbahn ans Herz gelegt. „Wer in die Wissenschaft will, sollte so ein Praktikum besuchen. Das ist sehr wichtig“, sagte Hadi zum Schluss und lächelte dabei zufrieden.

Letzte Änderung: 20.12.2017 - Ansprechpartner:

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