Mathematische Stochastik

Fragen der Anwendung betrachten

Die Qualifikation von Absolventen der Mathematik beruht auf der Fähigkeit, sich schnell in komplexe Fragestellungen einzuarbeiten und vollständige Lösungsansätze zu liefern. Die hierfür erforderlichen, fundierten Grundkenntnisse aus der Mathematik werden im Studium ausreichend vermittelt. Für die spätere, praktische Umsetzung im Berufsleben muss darüber hinaus Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit mit "Klienten" - Ökonomen, Naturwissenschaftler, Ingenieure, Mediziner - sowie die Bereitschaft zu "pragmatischen Lösungen" erworben werden. Daher ist es wichtig, dass Studierende der Mathematik möglichst frühzeitig an die Diskussion von Fragestellungen aus den potentiellen Anwendungen, etwa im Rahmen von Beratungstätigkeiten, herangeführt werden.

Einsatz neuer Medien

Diese These formuliert Prof. Dr. Rainer Schwabe, der zum vergangenen Sommersemester auf die Professur Mathematische Stochastik am Institut für Mathematische Stochastik berufen worden ist. Mittel für eine derartige Qualifikation der Studierenden kann der Einsatz neuer Medien in der Lehre sein. Professor Schwabe orientiert da vor allem auf die Einführung und Verwendung von Statistiksoftware in seinen Lehrveranstaltungen in den Mathematik-Studiengängen sowie in einem computergestütztem Statistik-Praktikum. Ebenso sollen computeranimierte Präsentationen und im Internet verfügbare Lehrmaterialien für seine Vorlesungen genutzt werden, die er beispielsweise auch im englischsprachigen Bachelor-Studiengang "Economics" und im Hauptstudiengang "Neurobiologie/Neurowissenschaften" anbietet. Aus Erfahrungen in der Ausbildung von Medizinern in Tübingen weiß Rainer Schwabe, wie wichtig es, vor allem für Nachwuchswissenschaftler, ist, ein Verständnis für die Grundkonzepte zu entwickeln, aber auch die Fähigkeit, einfache Fragestellungen selbst zu lösen und die Einsicht, sich bei komplexen Fragestellungen der Hilfe eines Experten zu versichern muss gefördert werden.

Bevor Rainer Schwabe nach Magdeburg wechselte war er außerplanmäßiger Professor an der Freien Universität Berlin und stellvertretender Leiter am Institut für Medizinische Biometrie des Universitätsklinikums Tübingen. Er hatte Lehraufträge für Versicherungsmathematik und Vertretungen an der TH Darmstadt und der Universität Mainz, war wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt "Effizientes Experimentieren in der Industrie" und Gastdozent an der Universität Uppsala, Schweden. Rainer Schwabe studierte Mathematik an der Universität Marburg und der Freien Universität Berlin. Promoviert hat er zu stochastischer Approximation und über optimale statistische Versuchsplanung habilitierte er sich.

Der neuberufene Professor beschäftigt sich in seinen Forschungsarbeiten u.a. mit der optimalen und effizienten Planung statistischer Experimente und deren Anwendung, mit der Qualitätskontrolle, -sicherung und -verbesserung in der industriellen Produktion und mit der Conjoint-Analyse zur Konsumentenbefragung (DFG-Projekt mit dem Institut für Psychologie der Universität Münster) in der Marktforschung. Seine Forschungen sind aber auch angesiedelt in der Psychologie, z.B. psychophysische und sensorische Experimente, oder der medizinischen Diagnostik, wie "Effiziente biometrische Methoden in der Gesichtsfeldmessung", also statistische Verfahren zur Frühdiagnostik, Verlaufskontrolle und Visualisierung perimetrisch fassbarer Sehbahnläsionen (Projekt mit der Universitätsaugenklinik Tübingen). Zudem beschäftigen den Mathematiker u.a. sequenzielle und adaptive, d.h. lernende Verfahren, in der Statistik, sequenzielle Versuchsplanung und Wirkungsoptimierung, "On-line"-Generierung und -Anpassung elektronischer Fragebögen bei computergestützten Interviews sowie Echtzeitsteuerung computergestützter, medizinischer Untersuchungen. In Planung ist der Aufbau eines lokalen Schwerpunkts "Effiziente Versuchsplanung".

Noch ein Wort zu Magdeburg: "An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg schätze ich den fast familiären Rahmen, die Kontakte zwischen den Fakultäten, die technische Ausstattung und nicht zuletzt das Engagement der Studierenden", meint Professor Schwabe.
Ines Perl