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Universität Magdeburg plant Internationale Tagung zum Reformationsjubiläum

2017 werden die 95. Thesen von Martin Luther 500 Jahre alt. Weltweit wird mit Veranstaltungen und Ausstellungen gefeiert. Grund genug für die Historikerin und Genderforscherin Prof. Dr. Eva Labouvie von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg die internationale Tagung „Glaube und Geschlecht - Gender Reformation“ als offiziellen Beitrag der Magdeburger Universität zum Reformationsjubiläum 2017 zu organisieren.

Portrait Prof. LabouvieProf. Dr. Eva Labouvie

Über 100 Gäste aus Deutschland, der Schweiz, England und Österreich werden auf der Tagung der Universität Magdeburg erwartet, um der Frage nach der Bedeutung der Reformation für eine zum Teil noch heute gültige Geschlechterordnung nachzugehen. Experten und Expertinnen aus Kirchen- und Rechtsgeschichte, Geschichtswissenschaft, den Sozial- und Islamwissenschaften, Philosophie und des Kirchenrechts widmen sich diesem wenig beachteten und doch prägenden Aspekt der Reformationsgeschichte.

Vor Martin Luther galt durch die Kirche das Bild von Adam und Eva als klassische Rollenverteilung. Die Rollen von Mann und Frau waren aber noch nicht diejenigen von heute. So übten Männer den Beruf des Strumpfstrickers aus, während Frauen Bauarbeiten erledigten. Erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts findet die Einteilung der Geschlechterrollen, wie wir sie heute kennen, statt. Aber schon zuvor entstand im 16. Jahrhundert durch die Reformation und erstmals durch die Ehelehre Luthers ein ganz neues Konzept der Geschlechterordnung: Die Ehe wird zum Ideal. Unehelichen Beziehungen, wilden Ehen, Keuschheit oder dem Zölibat begegnete Luther mit Ablehnung. Erstmals soll die Frau zu Hause bleiben und die Kinder erziehen, während der Mann berufstätig ist.

Glaube und Geschlecht früher und heute

„Als Genderforscherin liegt das Thema „Glaube und Geschlecht“ für mich auf der Hand. Die Ehelehre Luthers hat damals für eine Neuordnung der Geschlechterrollen gesorgt, die bis heute in Europa wirkt. Aber die Tagung untersucht keineswegs nur die Vergangenheit, sondern verfolgt die Entwicklung bis in die Gegenwart. Wir thematisieren, wie die Rollen von Mann und Frau innerhalb der verschiedenen Religionen bis hin zu Judentum, Buddhismus und Islam konzipiert sind und umgekehrt, was die Religionen für das Alltagsleben von Mann und Frau vorgeben. Dabei beziehen wir aktuelle Probleme ein“, erzählt die wissenschaftliche Leiterin und Organisatorin der Tagung, Prof. Dr. Eva Labouvie.

Die Tagung setzt sich intensiv mit den bis heute wirkenden Wechselbeziehungen zwischen Glaube und Geschlecht auseinander und hinterfragt die durch Religion begründeten und zugewiesenen Tätigkeiten, Räume und Verhaltensweisen von Männern und Frauen, ihre gesellschaftlichen Aufgaben und Lebenswege.

 

WAS: Tagung „Glaube und Geschlecht – Gender Reformation“
WANN:

29. Juni 17.00 Uhr, Auftaktveranstaltung im Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums
30. Juni und 1. Juli im Senatssaal der Universität Magdeburg

 

Prof. Eva Labouvie, Historikerin und Geschlechterforscherin der Uni Magdeburg, und Andrea Jozwiak von der Pressestelle im Gespräch in der Magdeburger Wallonerkircher. Dort predigte Martin Luther, der - so Prof. Labouvie - nicht nur die Kirche reformierte, sondern auch Gendergeschichte schrieb.

 

Die Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Vereinbarkeit vor allem nicht christlicher mit den Gesellschafts- und Geschlechterordnungen christlich geprägter europäischer Länder, dürfte vor dem Hintergrund der jüngsten Migrationsbewegungen zu den aktuellsten Fragen der Gegenwart zählen und erlaubt zudem möglicherweise Einsichten zur Förderung eines toleranteren und respektvolleren Miteinanders verschiedener Religionen“, betont Prof. Labouvie die Bedeutung der Tagung „Glaube und Geschlecht“ und den Blick auf die durch Religionen vorgegebenen Geschlechterordnungen.

 

von Viktoria Koch 

Letzte Änderung: 08.11.2017 - Ansprechpartner:

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