In verschiedene Richtungen denken

10.09.2018 -  

Lucy Weber gehört zu den ersten Studierenden, die sich im vergangenen Oktober im neuen Bachelor-Studiengang Cultural Engineering immatrikuliert haben. Die 25-Jährige gibt uns einen Rückblick auf die ersten zwei Semester und erzählt von ihren Zukunftsplänen.

Nancy Weber studiert an der Uni Magdeburg Cultural Engineering 

Wie bist du dazu gekommen Cultural Engineering an der OVGU zu studieren?

Ich komme aus Dresden und habe dort angefangen Lehramt zu studieren. Dabei habe ich gemerkt, dass das nicht zu hundert Prozent meins ist, weil es ziemlich einschränkend ist in dem, was man später damit machen kann. Damals habe ich nebenbei im Theater gearbeitet und in vielen kulturellen Vereinigungen Praktika gemacht und dabei festgestellt, dass ich gern in der Kultur arbeiten würde. Ein rein kulturwissenschaftliches Studium wäre nichts für mich gewesen, da ich gern in verschiedene Richtungen denke und mich ausprobiere. Als ich dann den Cultural Engineering-Studiengang an der Universität Magdeburg entdeckt habe dachte ich: Ja, genau das will ich machen.

Eure Studieninhalte sind sehr breit gefächert: IT, Stadtsoziologie, Wirtschaftswissenschaften und auch Kulturwissenschaften – muss man wirklich alles können?

Man muss sich nicht für alles interessieren. Zu Beginn gibt es eine Einführung in die Wirtschaftsinformatik, in die technische Logistik und in die Wirtschaft. Da muss man durch. Das gibt aber, denke ich, auch ein ganz gutes Bild, was später so von einem verlangt wird. Aus dem Bereich Kulturwissenschaften durften wir schon im zweiten Semester die Kurse selbst wählen, die sind zum Großteil auf Englisch – wer das umgehen möchte kann zum Beispiel die von den Geschichtswissenschaftlern wählen, die sind auf Deutsch. Später kommen dann Wahlpflichtveranstaltungen wie Stadtsoziologie oder andere Sachen, die man sich nach seinen Wünschen auswählen kann. Man kann sich nach seinen Interessen oder seinem Profil, was man später entwickeln möchte, Kurse aussuchen.

Wie gut sollten denn die Englischkenntnisse für das Studium sein? Reicht das Abiturenglisch aus?

Wir haben einige, die direkt vom Abitur kommen. Die Klausur war für sie glaube ich leichter, weil die Klausur ähnlich einer Englisch-Abiturprüfung aufgebaut war. Für mich war das schwieriger, weil mein Abitur schon etwas länger her ist. Dafür war ich aber schon ein Jahr in den USA, daher ist Englisch für mich recht geläufig. Ich denke, man muss sich ein bisschen reinfuchsen, aber wenn man sich jeden zweiten Tag mit diesen englischen Texten beschäftigt, wird es mit der Zeit auch leichter. Und wenn man merkt, man hat damit große Probleme, kann man den Kurs auch ein oder zwei Semester schieben und nochmal einen Englischkurs an der Uni belegen. Für das spätere Leben sind gute Englischkenntnisse auf jeden Fall eine gute Kompetenz, die überall gebraucht wird.

Was macht die thematische Abwechslung mit deinem Unialltag?

Für mich ist es super, wenn ich zwei Stunden lang für ein kulturwissenschaftliches Fach Texte auf Englisch gelesen habe, dann könnte ich nicht nochmal zwei Stunden lang Texte für ein anderes Fach lesen. Dann ist mein Kopf damit voll. Aber Mathe zum Beispiel geht, weil das zwei so unterschiedliche Denkrichtungen sind. Der Studiengang macht einen schönen, abwechslungsreichen Unialltag. Inzwischen stellt man auch schon Verbindungen her – gerade zwischen Wirtschaft und Wirtschaftsinformatik, aber auch in Richtung Logistik.

Weißt du schon, wo du dein Auslandssemester im vierten Semester verbringen möchtest?

Ich habe schon nach Universitäten geschaut, wo ich gerne hinwollen würde. Am liebsten würde ich nach Schweden. Ich mag das Land und die Sprache, es gäbe eine Universität in Karlstad, die Kurse in European Studies und Media Studies haben, die mich interessieren würden. Außerdem kann man dort auch Schwedisch lernen. Das ist mir wichtig, denn wenn ich schon in einem anderen Land bin, möchte ich auch die Sprache lernen.

Von Dresden nach Magdeburg – wie war die Umstellung für dich?

Ich bin ganz froh, dass Magdeburg kleiner ist, als Dresden. Gerade bei Cultural Engeneering hat man die Möglichkeit neben dem Studium so viele Dinge auszuprobieren, die zum Studium passen, dass es für mich gut ist, dass die Auswahl hier kleiner ist – aber immer noch groß genug. In Dresden wäre ich wahrscheinlich gar nicht mehr zum Studieren gekommen, weil ich nebenbei nur gearbeitet hätte. Magdeburg ist sehr niedlich und man gewöhnt sich schnell an die kurzen Wege. Ich laufe fünf Minuten zur Uni und kann zwischen zwei Vorlesungen immer nach Hause, wenn ich möchte. Ich bin froh, dass es die Stadt geworden ist.

Wo engagierst du dich neben dem Studium?

Teil des Studiengangs ist eine Projektarbeit, mit der ich schon angefangen habe. Dabei habe ich teilweise das Projektmanagement der „Compangnie Augenmusik“ übernommen. Diese macht Theater für hörende und gehörlose Kinder und Erwachsene. Dafür habe ich einen neuen Internetauftritt samt Corporate Design erstellt, jetzt geht es ans Anträge für Fördergelder stellen und Konzepte entwickeln. Der Kontakt besteht noch aus meiner Zeit aus Dresden, meine Arbeit für das Projekt erledige ich zum Großteil aus Magdeburg.

Deine Pläne nach dem Studium?

Vor Studienbeginn habe ich in Dresden verschiedene Praktika gemacht, beim Filmfest Dresden, im Medienkulturzentrum und am Theater. Ich könnte mir gut vorstellen wieder in diese Richtung zu gehen, also zum Beispiel beim Filmfest Dresden zu arbeiten. Das Studium lässt mir ja viele Positionen offen.

Ich möchte nicht in großen Firmen wo ich mit dem, was ich gelernt habe, super viel Geld verdienen kann, arbeiten. Ich möchte etwas, wo ich hinter der Philosophie stehe. Es ist noch offen, aber tendenziell geht es für mich in die Kulturrichtung. Ich mag Sachen, die flexibel sind und – so wie das Studium – in verschiedene Richtungen gehen.

Dein Studiengang in einem Wort?

Interdisziplinär.

 

Friederike Steemann

Letzte Änderung: 19.11.2018 - Ansprechpartner: Webmaster