Unterrichten in Zeiten von Corona

Unterrichten in Zeiten von Corona.
Phasenübergreifender Workshop in der Fachdidaktik Deutsch


Übergänge zu gestalten und phasenübergreifend die Lehramtsausbildung in Nord-Sachsen-Anhalt im Fach Deutsch voranzutreiben sind Ziele des Verbundprojektes PHÜLA (Phasenübergreifende Lehramtsausbildung) zwischen Schule, Fachseminaren (LISA, Staatliches Schulamt), Bildungsministerium und Universität, das von Juniorprofessorin Dr. phil. habil. Karina Becker (Fachdidaktik Deutsch) ins Leben gerufen wurde.

In Teamsitzungen mit Fach- und Hauptseminarleiter*innen, Schulleiter*innen, Lehrer*innen und Vertreter*innen des Bildungsministeriums werden Themen und neue Herausforderungen für gemeinsame Workshops und Weiterbildungsangebote eruiert. Zu einem solchen, inzwischen zweiten, phasenübergreifenden Teamtreffen in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Lehrerbildung in der OvGU, hatte die Professur für Fachdidaktik Deutsch am 24. März 2021 interessierte Akteure aus den verschiedenen an der Lehramtsausbildung im Fach Deutsch beteiligten Phasen in Sachsen-Anhalt eingeladen.

Teilgenommen haben Fachleiterinnen für das Gymnasium und die berufsbildenden Schulen, die die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst ausbilden, sowie Deutschlehrkräfte von örtlichen Schulen (Internationales Stiftungsgymnasium, Hermann-Beims-Berufsschule). Für die erste Ausbildungsphase waren neben den Mitarbeiter*innen und Student*innen der Professur für Fachdidaktik Deutsch Frau Susanne Lüders als Vertreterin des Bildungsministeriums (Referentin für Angelegenheiten der ersten Phase der Lehrkräftebildung) sowie Herr Dr. Albrecht Lonzig als Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung der OvGU Magdeburg anwesend.

Ziel des Treffens war ein Austausch über die Herausforderungen in der Lehre und Ausbildung durch die Corona-Pandemie und über Möglichkeiten, welche positiven Effekte aus dem Digitalisierungsschub langfristig mit Blick auf eine digitale Unterrichtsdidaktik gezogen werden können.

Die Erfahrungen mit dem Distanzunterricht seit dem letzten Jahr stellten sich in der gemeinsamen Diskussion als sehr heterogen dar: Während es einigen Schulen an technischer Infrastruktur fehlt, so dass synchroner Distanzunterricht nicht möglich ist und es an einer E-Learning-Umgebung fehlt, gelingt es anderen Schulen problemlos Wechselunterricht sogar hybrid durchzuführen. Doch Distanzunterricht ersetzt natürlich kein präsentes Lernen, darüber waren sich alle Beteiligten einig: Das soziale und gemeinsame Lernen fehlt derzeit, die Lernenden haben Schwierigkeiten, sich zu Hause selbst zu organisieren und sich für längere Zeit zu konzentrieren. Gerade mit Blick auf den Deutschunterricht zeigt sich insbesondere aber auch, dass die Sprachentwicklung der Lernenden leidet.

Wie durch digitale Lehr-Lern-Arrangements im Distanzunterricht selbstgesteuertes Lernen ermöglicht und den Lernenden differenziertes und motivierendes Lernmaterial bereitgestellt werden kann, zeigten Frau Juliane Behrendt (Internationales Stiftungsgymnasium Magdeburg) und Frau Lisa Meewes (Studentin im Master Lehramt für berufsbildende Schulen) an zwei Good-Practice-Beispielen. Wie eine digitale Unterrichtsdidaktik im Wechsel- und Distanzunterricht im Fach Deutsch zu konzipieren ist, damit einerseits alle Lernenden die Unterstützung und Förderung bekommen, die sie benötigen, aber andererseits synchrone und asynchrone Unterrichtsphasen didaktisch sinnvoll aufeinander aufzubauen sind, erläuterte Juniorprofessorin Becker am Lehr-Lern-Konzept „Interaktive Lernstifte im Flipped Classroom“.

Nach diesem Austausch über Herausforderungen im Deutschunterricht und über Möglichkeiten für eine zukunftsgerichtete Deutschdidaktik sollen beim phasenübergreifenden Fachtag Deutsch am 29.6.2021 Workshops für Lehramtsstudierende mit dem Unterrichtsfach Deutsch, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst und im Schuldienst der allgemein- und berufsbildenden Schule angeboten werden zum Thema „Medien im Deutschunterricht fachdidaktisch sinnvoll einsetzen“.

Im Rahmen des Verbundprojekts PHÜLA werden nicht nur Teamsitzungen und Workshops organisiert, sondern auch in Zusammenarbeit mit dem LISA und dem ZWW der OvGU Weiterbildungen für Deutschlehrkräfte und Mentor*innen, die die Studierenden in den Praxisphasen während des Studiums betreuen, angeboten. Im April bietet Juniorprofessorin Becker beispielsweise eine Weiterbildung zum Thema „beschreiben – erläutern – bewerten. Fächerübergreifende Operatoren konzeptualisieren“ auf dem Fachtag „Durchgängige Sprachbildung – Theorie und Praxis sprachlicher Bildung in allen Fächern“, organisiert durch das LISA, an.

Ein weiterer Bestandteil des Verbundprojekts PHÜLA ist die Initiative „Studis@School“: Damit Studierende frühestmöglich Praxiserfahrung im Unterrichtsfach Deutsch und Softskills im pädagogischen Bereich erwerben können, hat die Professur für Fachdidaktik Deutsch an der OvGU die Initiative „Studis@School“ gegründet, bei der Studierende Schüler*innen bei Hausaufgaben und Projekten im Ganztagsangebot sowie Lehrkräfte in besonders heterogenen Lerngruppen, insbesondere auch im DaZ-Unterricht, unterstützen. Denn die Studierenden an der OvGU haben die Möglichkeit, studienbegleitend ein DaZ/DaF-Zertifikat zu erwerben, das sie befähigt, als DaZ/DaF-Lehrkraft im In- und Ausland tätig zu werden. Die Professur „matcht“ interessierte Schulen und Studierende. Kooperationsschulen sind derzeit das Editha-Gymnasium, das Internationale Stiftungsgymnasium, die Willy-Brandt-Gesamtschule und die Hermann-Beims-Berufsschule.

Zum Forschungsgebiet der Professur Fachdidaktik Deutsch gehört die diversitätsorientierte Deutschdidaktik: Entwickelt werden Konzeptionalisierungen für das interkulturelle und subjektivationsorientierte Lernen im Fach Deutsch, am Gegenstand mehrsprachig literarischer Texte werden Konzepte und Methoden erforscht, die neue Wege für eine dominanzkritische Mehrsprachigkeitsdidaktik eröffnen, und digitale Lehr-Lern-Konzepte für das literarische und grammatische Lernen auch im DaZ/DaF-Unterricht entwickelt. Dazu werden auch mit Studierenden und Lehrkräften an Kooperationsschulen Unterrichtsmaterialien und –konzepte entwickelt, erprobt und weiterentwickelt sowie im Open-Access-Format veröffentlicht.

Letzte Änderung: 07.04.2021 - Ansprechpartner: Webmaster