Technik, die begeistert, ersetzt Kreidedidaktik

09.08.2016 -  

Technikdidaktiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg testen ab Schuljahresbeginn bundesweit erstmals eine innovative Lehr- und Lernplattform für einen zeitgemäßen Technikunterricht. Das multimediale Lernkonzept COGNITO wurde unter der Leitung von Prof. Frank Bünning vom Lehrstuhl Technische Bildung und ihre Didaktik speziell für den Lehrplan an den Sekundarschulen des Landes Sachsen-Anhalts entwickelt.

Gemeinsam mit Techniklehrerinnen und –lehrern werden die Wissenschaftler in den kommenden Monaten an über 20 Sekundarschulen des Landes einen Prototypen des neuen Mediums testen. Die Ergebnisse werden anschließend ausgewertet und sollen in Empfehlungen für das Bildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt einfließen.

Ziel des dreijährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF mit über 800.000 Euro unterstütztem Forschungsvorhabens ist es, durch neue Ansätze und Instrumente den Sekundarschülerinnen und –schülern ein verbessertes grundlegendes Technikverständnis zu vermitteln und sie für Technik sowie technische Ausbildungsberufe zu begeistern.

„Für rund 40.000 Sekundarschülerinnen und –schüler startet jetzt das neue Schuljahr und auch der Technikunterricht“, so Prof. Frank Bünning. „Ein wichtiges Unterrichtsfach, aber bisher leider oft negativ besetzt! Die fehlende Begeisterung einer großen Anzahl von Schülern können wir uns aber immer weniger leisten, da sie einen enormen Einfluss auf die Berufswahlentscheidung für oder gegen einen Beruf in einem technischen Bereich hat und damit den Fachkräftemangel entweder ver- oder entschärfen kann.“

Neue multimediale Lehr-Lernplattform

Das Team um den Technikdidaktiker griff bei der Entwicklung der multimedialen Lehr-Lernplattform COGNITO erstmals bundesweit das didaktische Konzept des so genannten situierten Lernens auf. Dabei werden theoretische und technische Lerninhalte miteinander verknüpft und in für den Technikunterricht des Landes relevanten multimedialen Lernszenarien dargestellt. Realistische, den Schülern bekannte Alltagsprobleme sind in zusammenhängende Geschichten eingebettet und können aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

Auf unserer Lernplattform geht es um reale Probleme: Mein Mofa ist kaputt, worauf achte ich beim Fahrradkauf oder wo und wie plane ich Steckdosen, wenn ich ein Haus baue? Die Schülerinnen und Schüler erkennen klar den Nutzen des erworbenen Wissens und steigern so erwiesenermaßen ihre Fähigkeiten.“ Die Auswahl der lebensnahen Szenarien wurde gemeinsam mit Studierenden des Lehramts Technik an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg getroffen und erprobt.

Der Ansatz des situierten Lernens fände in Deutschland leider bislang nur wenig Beachtung, so Didaktiker Bünning. Bisher existiere keine Plattform, um diese Theorie, insbesondere im Technikunterricht, umzusetzen und zu evaluieren.

Wir versuchen bisher vergeblich, mit Kreidedidaktik und Frontalunterricht die mit Smartphones heranwachsenden Digital Natives für Technik zu interessieren. Wie gut das funktioniert, können wir nicht zuletzt an den vielen unbesetzten Lehrstellen beispielsweise für Mechatronik oder Chemielaboranten und –laborantinnen sehen. Wir wissen, dass Schülerinnen und Schüler insbesondere mit innovativen didaktischen Ansätzen moderne Technik besser durchdringen und so etwas wie Technikbegeisterung entwickeln können.

Seit 2009 werden am Lehrstuhl Technische Bildung und ihre Didaktik der Universität Magdeburg Techniklehrerinnen und –lehrer für Sekundarschulen und für Gymnasien ausgebildet.

Letzte Änderung: 03.04.2017 - Ansprechpartner:

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