Oft entstehen Wege beim Gehen

13.08.2019 -  

Vor Julius Brinken hat noch niemand in seinem Büro gearbeitet. Gemeinsam mit einer Initiative hatte er sich für die Gründung engagiert: Aus einem studentischen Projekt wurde ein Testlauf mit zwei Hiwi-Stellen und schließlich eine Stelle plus zwei Hiwis mit eigenem Budget und zahlreichen eigenen Projekten das Nachhaltigkeitsbüro.

2014 befindet sich Julius Brinken gerade im Masterstudium. „Dann hat Dr. Hartwig Haase Leute gesucht, die an der Uni Ökosoziale Hochschultage organisieren“, erzählt der studierte Logistiker. „Das hat gut gepasst, einige Kommilitonen und ich waren sofort begeistert von der Idee.“ Bei der ersten Veranstaltung wird auf dem Campus die Frage gestellt: „Wie sieht eine Stadt ohne Öl aus?“ Alternative Versorgungsketten gehören zu Julius Brinkens Schwerpunktthemen. Aber neben Lösungsansätzen für Mobilität und Logistik, thematisiert die Veranstaltung auch Fragen zu Kultur und Gesellschaft. Und die Rolle der Universität dabei.

Das erste Green Office der Uni Magdeburg

Das war’s mit seinem Vorsatz: Im Master hatte er sich voll und ganz auf Seminare und Vorlesungen konzentrieren wollen. Doch Julius Brinken beschäftigt sich näher mit der Idee der „Green Offices“, die es schon an niederländischen Hochschulen gibt. An einem „Runden Tisch“ versammeln er und sein Team Mitarbeitende aus dem Energiemanagement, aus dem Gleichstellungsbüro, Studierende, Lehrende, Forschende, darunter Dr. Hartwig Haase, die Prorektorin für Studium und Lehre, Prof. Franziska Scheffler, und den Rektor, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. Im Prinzip alle Menschen, die ihn dabei unterstützen können und wollen, die Uni nachhaltiger zu gestalten.

Unterstützen kann ihn Professor Strackeljan mit zwei Hiwi-Projektstellen. Die Mission: ein Nachhaltigkeitsbericht für die OVGU! In einem kleinen dunklen Büro im Gebäude 18 geht es los. Auf einem „Green Office Summit“ in Rotterdam findet Julius Brinken auch sein Master-Thema: Er entwickelt eine Art Blaupause für Nachhaltigkeitsberichte. So verbindet er Theorie im Studium mit Praxis in der Arbeit.

Grüner Daumen hoch für Nachhaltigkeitsprojekte an der OVGU

Nach 10 Monaten Arbeit präsentiert er den Bericht. „Es hätte noch viel mehr reingekonnt“, sagt er selbst heute. Aus der Runde kam damals der Kommentar: „Naja. Haben ja auch nur Studierende geschrieben.“ Julius Brinken lacht ein bisschen bitter: „Natürlich waren wir nur Studis. Aber wir haben diesen Prozess angestoßen und überhaupt erstmal den ersten Bericht geschrieben. Niemand sonst ist auf die Idee gekommen!

Gemeinsam mit den Kolleginnen hatte Julius Brinken schon geplant, den Schritt vom Bericht zur Strategie zu tun. Dafür wurde dann eine Mitarbeiterstelle ausgeschrieben er bewarb sich. Das Ergebnis: Seit 2019 hat die Uni Magdeburg eine Nachhaltigkeitsstrategie und gemeinsam mit zwei Hiwis organisiert Julius Brinken als Leiter des Nachhaltigkeitsbüros zahlreiche Projekte. Umgezogen ist er auch: Unterm Dach im Rektoratsgebäude bekommen die zahlreichen Pflanzen des Teams nun ausreichend Sonnenlicht.

Julius Brinken ist seinen Visionen gefolgt und hat viel angestoßen, um das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln an der Uni zu stärken. Jetzt gibt er den Staffelstab weiter, um sich der Forschung zu widmen. Aber der Anfang ist gemacht.

 

von Julia Heundorf