Die Frau mit dem Knochenjob

Auf dem Tisch im Büro von Maria Crackau steht eine Plastikkiste voll prallgefüllter Umschläge. Darin befinden sich Explantate – also Implantate, die den Patienten wieder entnommen werden mussten. Sie stammen aus dem Universitätsklinikum und sind die Grundlage der Forschung der 28-Jährigen. Sie ist Doktorandin im interdisziplinären Promotionsprogramm „MEMoRIAL“ – einer internationalen Graduiertenschule an der OVGU.

Seit zwei Jahren ist die gebürtige Ingerslebenerin in der Landeshauptstadt. Eigentlich wollte sie hier nur ihre Masterarbeit schreiben. Während sie auf der Suche nach einem spannenden Projekt war, bekam ihr Großvater im Uniklinikum gerade eine inverse Schulterprothese. „Da hat mein Opa gesagt: ‚Komm doch nach Magdeburg. Die haben ein super Forschungsteam und machen was in Richtung Biomechanik‘“, erzählt die Ingenieurin. Nach dem Abi war sie für ein Duales Studium nach Baden-Württemberg gegangen, dann mit dem Bachelor of Engineering in der Tasche nach Bayern für einen Job in der Automobilindustrie. Nach zwei Jahren als Technische Vertriebs­ingenieurin und Internationale Entwicklungskoordinatorin wollte sie wieder an die Uni: „Ich glaube, mein Chef hat nicht verstanden, warum ich noch einen Master machen wollte.“

Sie entschied sich für Medizintechnik in Erlangen, nebenbei Praktika und Jobs in der dortigen Orthopädischen Universitätsklinik und dem Fraunhofer-Institut sowie ein Forschungspraktikum in Indien. Dann die Masterarbeit in Magdeburg. Es scheint, als wäre es die Abwechslung, die im Arbeitsleben gefehlt hat, aber es ging um etwas Anderes: „Ich war schon immer wissbegierig. Ich habe im Job viel gelernt, aber ich wollte immer tiefer graben“, sagt die 28-Jährige.

Memorial_MariaCrackauMaria Crackau an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Harald Krieg

Sie hat sich auf Biomechanik und Orthopädietechnik spezialisiert. Im Forschungslabor des Uniklinikums Magdeburg untersuchte sie für die Masterarbeit Pferdeknorpel, um die Eigenschaften zu charakterisieren und bionische Konzepte abzuleiten. Für ihre Doktorarbeit sind es nun Explantate vom Menschen. Wissenschaftlich betreut durch die Leiterin des Forschungslabors der Orthopädischen Universitätsklinik, Prof. Dr. Jessica Bertrand, und den Leiter des Instituts für Werkstoff- und Fügetechnik, Prof. Dr.-Ing. Thorsten Halle, arbeitet sie an der Schnittstelle von Materialwissenschaften / Werkstofftechnik und Medizintechnik. „Man muss sagen, dass Primärimplantationen eigentlich sehr erfolgreich sind“, betont die Doktorandin. Umso wichtiger ist es zu untersuchen, was schiefläuft, wenn man doch mal ein Implantat erneuern muss – denn für jedes neue Implantat muss ein Stück Knochensubstanz weichen.

Vor ihr liegt ein kleines Primärimplantat aus der Hüfte. Die Komponenten passen fast gemeinsam in eine Hand. Dann holt sie eine große Tüte aus dem Schrank. „So sieht es aus, wenn man ein Hüft-Implantat schon zum zweiten Mal erneuern musste“, sagt sie und hält das unterarmlange Objekt hoch. Dass es in Zukunft noch öfter mit dem ersten, kleinen Implantat funktioniert, dazu wird die Forschung von Maria Crackau beitragen.

 

Julia Heundorf

Letzte Änderung: 06.12.2018 - Ansprechpartner: Webmaster