Spanisch lernen über Zoom

06.07.2020 -  

Merritt Fedzin lebt und studiert an der Uni Magdeburg, Micaela Varela in Bahía Blanca, Argentinien. Beide möchten die Muttersprache der jeweils anderen lernen. Dafür hat Christina Bolívar, Bereichsleiterin für Spanisch im Sprachenzentrum der Uni Magdeburg, das „Distanz-Tandem“ ins Leben gerufen und „verbindet“ argentinische und deutsche Studierende.

Die Sprache nicht nur lernen, sondern sprechen

„Die spanische Redewendung ‚Tienes una cabeza como un termo‘ heißt auf Deutsch, wörtlich übersetzt, so viel wie: ´Du hast ein Gesicht wie eine Thermoskanne´“, erzählt Merritt Fedzin, „als Micaela mir das beibrachte, musste ich erstmal lachen“. Merritt Fedzin studiert European Studies an der Uni Magdeburg und lernt in ihrer Freizeit Spanisch – mittlerweile als Fortgeschrittene. Um die gelernte Grammatik und vielen Vokabeln auch anwenden zu können, fährt sie quasi Tandem. Wie bei dem Fahrrad mit zwei Sätteln und vier Pedalen, sorgen bei der Tandem-Lernmethode zwei Lernende für den Antrieb und kommen gemeinsam an das gleiche Ziel: Merritt Fedzin ist deutsche Muttersprachlerin und möchte ihr Spanisch perfektionieren, während die Studentin Micaela Varela aus Argentinien Deutsch lernen möchte. Micaela studiert an der Partneruniversität in Bahía Blanca Lehramt und hat sich ebenfalls für das Programm gemeldet. Nachdem die beiden Fragen über persönliche Interessen und Hobbies beantwortet hatten, vermittelte Michelle Bosse, eine studentische Hilfskraft im Sprachenzentrum der Uni Magdeburg, die beiden zueinander. „Das hat wunderbar geklappt“, sagt die European Studies-Studentin Merritt Fedzin, „wir verstehen uns richtig gut.“

Portrait Merritt Fedzin (c) Jana Dünnhaupt Uni MagdeburgPortrait Merritt Fedzin (Foto: Jana Dünnhaupt / Uni Magdeburg)

Eine Woche Spanisch, eine Woche Deutsch

Zwar sind die Beiden knapp 12.300 km voneinander entfernt, aber die Kommunikation funktioniert trotzdem: Einmal wöchentlich treffen sie sich via Zoom-Konferenz, um miteinander zu sprechen und täglich schreiben sie sich Nachrichten per WhatsApp. „In der einen Woche unterhalten wir uns auf Spanisch und in der darauffolgenden wieder auf Deutsch“, erzählt Merritt Fedzin, „wir tauschen oft Filmempfehlungen oder Redewendungen aus. Manchmal verwechselt Micaela noch das Verb ‚schicken‘ mit ‚Schinken‘. Das bringt mich dann schon zum Schmunzeln.“

Damit beide Teilnehmerinnen gemeinsam vorankommen, belegen sie neben dem Tandem-Projekt noch einen parallel stattfindenden Sprachkurs. So besitzen sie bereits Kenntnisse, die sie dann beim Sprechen und Schreiben mit der Tandem-Partnerin anwenden können. Der entsprechende Sprachkurs sei allgemein empfehlenswert, um eine grundlegende Verständigung möglich zu machen, empfiehlt Bolívar.

Die Spanischkurse des Sprachenzentrums der Uni Magdeburg finden derzeit als Online-Seminare statt. „Bei der Zoom-Konferenz unterhalten sich die Studierenden natürlich viel weniger, als wenn wir gemeinsam im Raum sitzen“, sagt Merritt Fedzin, „doch das ist alles sehr gut und übersichtlich organisiert.“

Merritt Fedzin war schon immer sprachaffin. Ob Spanisch, Latein oder Englisch – sie habe bereits in der Schule erkannt, dass Sprachen sie auch im Studium weiter begleiten sollen. Im Studiengang European Studies steht das Lernen von zwei neuen Sprachen sogar mit auf dem Plan. Italienisch, Schwedisch, Französisch, Spanisch oder Russisch: Das können die Studierenden selbst auswählen.

Sprachenzentrum organisiert erstmals Tandem auf Distanz

Normalerweise fand das Tandem bisher nicht auf Distanz, sondern persönlich in Magdeburg statt. Das Sprachenzentrum der Universität Magdeburg vermittelte dafür ausländische Studierende, die hier in Magdeburg studieren, mit deutschen Studierenden, die eine jeweils fremde Sprache lernen wollten.

Auf diese Art wurden seit dem Beginn des Tandemprogramms im Jahr 2002 schon fast 10.000 Studierende miteinander „verbunden“. Als die Ausgangssperre in Argentinien am 20. März 2020 ausgerufen wurde, reagierte die Fachbereichsleiterin für Spanisch im Sprachenzentrum der Uni Christina Bolívar, sofort und organisierte gemeinsam mit der Kollegin von der Partneruniversität in Bahía Blanca ein Distanz-Tandem. „Die Resonanz war sehr positiv. Mittlerweile sind insgesamt 82 Studierende für das deutsch-argentinische Tandem-Programm eingeschrieben. Einige argentinische Studierende warten noch auf deutsche Partner“, erzählt Christina Bolívar. Weil das spanisch-deutsche Tandem so gut bei den Studierenden ankommt, wurde Anfang Juni ein weiteres Distanz-Tandem mit der französischen Partneruni Université Savoie Mont Blanc organisiert.

„Jetzt in der Corona-Krise haben sich alle unsere Lehrenden schnell und intensiv fortgebildet, um bestmöglich online lehren zu können“, erzählt Christina Bolívar, „Um die in den Kursen erworbenen Kenntnisse zu perfektionieren und freies Sprechen zu üben, ist der individuelle Kontakt mit Muttersprachlern natürlich großartig. Und eines Tages wird es auch wieder möglich sein, seinen Tandempartner auf einer Reise zu besuchen oder im Austauschsemester direkt kennenzulernen.“

 

von Saskia Fischer

Letzte Änderung: 09.07.2020 - Ansprechpartner: Webmaster