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Die Kommunikative Sozialforschung in der Forschungsliteratur seit 1973
Sebastian Ziegaus
Die Kommunikative Sozialforschung in der Forschungsliteratur seit 1973
Zu Entwicklung, Reflexion und Bedeutung eines tragenden Prinzips der Sozialforschung
Zusammenfassung
Kommunikative Sozialforschung bezeichnet heute eine Methodologie, in deren Zentrum die Auffassung steht, dass soziale Wirklichkeiten kommunikativ konstituiert werden und ihre Erforschung deshalb mittels kommunikativer Methoden erfolgen soll. Dieses Prinzip wurde erstmals in den 1970er Jahren von der Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen formuliert, konnte aber in der Folge trotz seiner zentralen Bedeutung für die Sozialforschung keine paradigmatische Wirkung entfalten. In der jüngeren Vergangenheit werden in den Methodendebatten nun wieder vermehrt Positionen vertreten, die die Bedeutung dieses Prinzips hervorheben und konkrete Vorschläge zu seiner Umsetzung machen.
Der Beitrag zeichnet nach, wie sich das Konzept der Bielefelder Soziologen in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt hat. Dabei werden die größeren Diskussionszusammenhänge in den Methodendebatten berücksichtigt, um das Spannungsfeld aufzuzeigen, in dem die Kommunikative Sozialforschung behandelt wurde. Anhand der Auseinandersetzung mit aktuellen Positionen wird der momentane Forschungsstand dokumentiert. Dabei stellt sich heraus, dass mittlerweile Ansätze vorliegen, die kommunikative Elemente systematisch in allen Phasen von Forschungsprozessen und zwischen allen Elementen von Forschungssystemen nutzen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden abschließend Überlegungen angestellt, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der sozialwissenschaftlichen Methodologien und Erkenntnistheorien haben.
Schlagworte: Kommunikative Sozialforschung, Methoden der empirischen Sozialforschung, sozialwissenschaftliche Erkenntnistheorien, Geschichte der Sozialforschung, Wissenschaftstheorie
Communicative Social Research in the research literature since 1973
Tracing its evolution, impact on reflection, and significance as one of the basic principles of social research
Abstract
Communicative Social Research today stands for a methodology based on the idea that social realities are constituted in communicative terms and that research on these realities should, therefore, make use of communicative methods. This principle was first put forward by the Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen in the 1970s but has subsequently failed, in spite of its key importance for social research, to have a paradigmatic effect. Recent methodological discussions, however, have seen a comeback of positions that highlight this principle and propose concrete ways of application.
The evolution of the concepts proposed by the Bielefeld sociologists is outlined for the last decades, taking into account the broader context of methodological reflections in order to document the whole range of views involved in the debate on Communicative Social Research. Recent positions are examined, documenting the current state of research. It can be shown that, by now, approaches can be found that include communicative elements in all phases of the research process, and among all elements of research systems. As a conclusion, results are discussed as to their significance for the further development of the methodologies and theories of knowledge in the social sciences.
Keywords: Communicative Social Research, methods of empirical social research, theories of knowledge in the social sciences, history of social research, philosophy of science
