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Der von George W. Bush geführte Krieg gegen den Terrorismus
von Hans-Dieter König
Zusammenfassung
Hans-Dieter König analysiert mit Hilfe der von Alfred Lorenzer entwickelten Methode der tiefenhermeneutischen Kulturforschung Ausschnitte aus einer Rede von George W. Bush zum fünften Jahrestag des 11. September. Die psychoanalytische Rekonstruktion zeigt exemplarisch, wie Bushs charismatische Selbstinszenierungen als Prediger eine doppelbödige Wirkung entfalteten: Der manifeste Sinn der Rede lautete, dass ein apokalyptischer Krieg gegen „das Böse“ zu führen sei, das sich in den Terroranschlägen des 11. September offenbart habe. Der latente Sinn bestand hingegen darin, alle Gefühle der Anteilnahme und der Trauer um die Opfer unbewusst zu machen, die zu Märtyrern stilisiert wurden, auf die Amerika stolz sein könnte. Der Beitrag steht in der Tradition von Freuds sozialpsychologischen Schriften und der von Adorno begründeten Autoritarismusforschung. Der Autor gelangt in Anschluss an Lyotard zu dem Schluss, dass Bush durch eine bunte Vielfalt heterogener Inszenierungen auf einen „postmodernen Autoritarismus“ gesetzt hat, der seinen Zuhörern signalisierte, dass „anything goes“.
Schlagworte: Autoritarismusforschung, 11. September 2001, Postmoderne, psychoanalytische Kulturforschung, Sozialpsychologie, Tiefenhermeneutik, Medienwirkungsforschung.
George W. Bush’s war against terrorism.
A psychoanalytic reconstruction of the effect of media setups
Abstract
Parts of a speech made by George W. Bush at the fifth anniversary of September 11 are analyzed using Alfred Lorenzer’s method of culture research in terms of deep hermeneutics. The psychoanalytical reconstruction exemplarily shows the ambiguous effect of Bush’s charismatic selfstaging as a preacher: The manifest meaning of his speech was that it is imperative to wage apocalyptic war against the “evil” that had manifested itself in the terror strikes of September 11. The latent meaning, in contrast, was to relegate to the unconscious any feelings of empathy with and mourning for the victims, who were cast as martyrs that America could be proud of. The article links to the tradition of Freud’s social-psychological writings and to research on authoritarianism as constituted by Adorno. Following Lyotard, the author concludes that Bush, using a great variety of heterogeneous media setups, banked on a kind of “post-modern authoritarianism” that conveyed the message of “anything goes” to his audience.
Keywords: research on authoritarianism, September 11, 2001, post-modernity, psychoanalytic cultural research, social psychology,
deep hermeneutics, research on media effects
