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- Heft 1/2005
- Editorial
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Schwierigkeiten bei der Arbeit und Paradoxien des professionellen Handelns
Fritz Schütze
Schwierigkeiten bei der Arbeit und Paradoxien des professionellen Handelns. Ein grundlagentheoretischer Aufriß
Zusammenfassung
Die professionelle Berufsarbeit impliziert unaufhebbare paradoxe Problembündelungen, die auf dem notwendigen Widerstreit divergierender Orientierungstendenzen bei der Bewältigung von Klientenproblemen beruhen. So müssen immer wieder Prognosen über soziale und biographische Prozesse des Klienten von der professionellen Akteurin gefällt werden, obwohl die einschlägigen empirischen Grundlagen - entsprechend den Vagheiten des sozialen Lebens - stets schwankend sind. - Der Aufsatz unternimmt den Versuch, solche Paradoxien des professionellen Handelns grundlagentheoretisch aus Unvereinbarkeiten an zentralen Schnittstellen des gesellschaftlichen Konstitutionsprozesses und aus den Strukturierungserfordernissen komplexen Handelns abzuleiten. Zunächst einmal werden im Aufsatz normale Handlungsprobleme, Kernprobleme und Paradoxien des professionellen Handelns anhand eines Transkriptionsbeispiels unterschieden. Sodann werden Kernprobleme des professionellen Handelns - die zwar Vorausbedingungen von Paradoxien, aber mit diesen nicht identisch sind - systematisch grundlagentheoretisch aus der Gestaltung von Arbeitsbögen, konstitutiven sozialen Rahmen und den Inkommensurabilitäten der Steuerungslogiken des professionellen Handelns und der soziobiographischen Prozesse in der Klientensphäre abgeleitet. Diese Kernprobleme können als konstitutive elementare "Bausteine" der Paradoxien des professionellen Handelns angesehen werden. Paradoxien bestehen aus thematischen Bündelungen der Kernprobleme und Fehlertendenzen; dies wird am Beispiel der Paradoxie des pädagogischen Grunddilemmas erläutert. Damit erklärlich wird, wie diese thematischen Bündelungen als Spannungsfigurationen (Elias) systematisch erzeugt werden, wird sodann eine theoretische Skizze des Strukturierungsprozesses (Giddens) professionellen Handelns entwickelt. Zum Schluß wird das nicht-deskriptive Leistungsfundament des professionellen Handelns unterstrichen; denn die Paradoxien werden gerade diesbezüglich virulent. Das gilt gerade auch für den Voraussetzungsreichtum des professionellen Handelns in modernen Komplexgesellschaften.
Abstract
Professional work always has to deal with patterns of unsolvable paradoxical problems, which are caused by unavoidable conflicts between contradictory tendencies of orientation towards the tackling and handling of clients' problems. For example, the professional has to formulate prognoses about the unfolding of the clients' social and biographical processes, although there are no stable empirical grounds for them to be based on in the fluidity of social life. The article embarks on the basic theoretical attempt to derive the paradoxes of professional work from the incompatibilities of duties and orientations in central areas of struggling with the constitutive processes of constructing social reality and from the necessities of structuring complex action. The article first differentiates between normal problems of action, kernel problems in the processes of structuring complex social action, and paradoxes of professional action. This differentiation is empirically based on a piece of transcription, which renders the interaction between an old lady and a young social worker. Then, the author attempts to derive the kernel problems of professional work - which are preconditions for the cristallization of paradoxes, but are not identical with them - from the shaping of the arcs of work, constitutive social frames, and the incompatibilities of the logic of managing the professional work on the one hand and of the logic of social and biographical processes in the sphere of clients on the other. Kernel problems can be seen as elementary building blocks for the paradoxes as tension-filled figurations. Paradoxes consist of topical patternings of kernel problems and tendencies of making mistakes at work. This is demonstrated by the example of the educational basic dilemma. In order to explain why there is this topical bundling of various kernel problems into coherent figurations (Elias) of paradoxes, a theoretical sketch is drawn regarding the structuration processes (Giddens) of professional action. Finally, the non-descriptive foundations of constructing and performing social action are underlined, since paradoxes are especially virulent regarding the bridging of the incompatibilities of contrasting outlooks and divergent activity impulses through interaction postulates, which idealize social interaction into the direction of egalitarian co-operation and reciprocity.
