Konzept für Gesundheitsförderung muss Bedürfnisse von Beschäftigten und Studierenden berücksichtigen

Beratungsangebot als Standortfaktor

Möglichkeiten der Gesundheitsförderung an der Universität standen im Mittelpunkt eines ganztägigen Work-shops Ende Dezember 2005. Zu Beginn der Veranstaltung gab der Rektor, Prof. Klaus Erich Pollmann, einen Überblick über die Geschichte der betrieblichen Gesundheitsförderung. Er betonte, dass Präventionsprogramme an der Universität einerseits auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter und andererseits auf die der Studierenden zurecht geschnitten sein müssten und unterstrich seine Absicht, mit dem von ihm initiierten Workshop neue Impulse für einen kontinuierlich tätigen Arbeitskreis „Gesundheitsförderung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg" setzen zu wollen.

Das Netzwerk

Der zweite Redner und Moderator des Workshops, Prof. Dr. Jörg Frommer, Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum, ging besonders auf die Anforderungen ein, die junge Erwachsene mit dem Übergang von der Schule zur Hochschule, im Verlaufe des Studiums oder aber in der Abschlussphase ihrer akademischen Ausbildung zu bewältigen haben. Er gab zu bedenken, dass etwa ein Fünftel der Studierenden unter psychosozialen Schwierigkeiten leiden, die ihre Leistungsfähigkeit ernsthaft beeinträchtigen und betonte, dass es sich dabei häufig gerade um besonders begabte und ehrgeizige Studenten handele.

Ein bundesweit arbeitendes „Netzwerk gesundheitsfördernde Hochschulen" stellte Prof. Dr. Eberhard Göpel von der Hochschule Magdeburg-Stendal vor. Als konkreten Ansatz präventiver Aktivitäten für die Gesundheitsförderung schlug er eine gemeinsame Beteiligung der Universität und der Hochschule an einer von der Stadt Magdeburg geplanten Stadtgesundheitsstelle vor, die im Rahmen des Projektes „Jahr der Wissenschaft" eingerichtet werden solle.

Die Beschäftigten

Sylvia Berlin von der AOK Sachsen-Anhalt berichtete von einer landesweiten Kooperation mit 450 Betrieben, die darauf abziele, durch eine Verbesserung von Arbeitsumwelten, aber auch durch die Anregung zu einem selbstverantwortlichen Gesundheitsverhalten die durch Krankheit entstehendlen Betriebskosten zu senken.

Was dies für die Beschäftigten der Universität und des Universitätsklinikums heißen könnte, verdeutlichten zwei weitere Referenten. Prof. Dr. Eberhard Pfister vom Institut für Arbeitsmedizin berichtete von einer von ihm und seinen Mitarbeitern durchgeführten Studie. So hatte er 180 Klinikbeschäftigte mit hoher Berufsbelastung auf ihre Risiken hinsichtlich einer Herz-Kreislauf-Erkrankung untersucht. Während junge Frauen wenig gefährdet schienen, ergab die Studie ein erhöhtes Risiko für Männer aller Altersstufen. Neben den klassischen Risikofaktoren wurden auch psychische Faktoren und die individuelle Herzschlagrate mit einbezogen. Dr. Andreas Götte von der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie stellte ein Raucherentwöhnungsprogramm vor, das sich ebenfalls an Beschäftigte der Universitätsklinik wendet. Mit einem individuellen Coaching-Programm wird hier auf professionelle Weise die Entscheidung, das Rauchen aufzugeben, über einen längeren Zeitraum hinweg begleitet.

Die Studierenden

Der Nachmittag der Verantstaltung stand ganz im Zeichen der Gesundheit der Studierenden. Der Leiter der psychosozialen Beratungsstelle an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg, Wilfried Schumann, berichtete, dass neben den klassischen studentischen Problemlagen, die sich als Arbeitsstörungen, Prüfungs- und Versagensängste, Selbstzweifel, Partnerschaftsprobleme oder Schwierigkeiten bei der Ablösung vom Elternhaus niederschlügen, in den letzten Jahren vermehrt Leistungsprobleme, Erschöpfungssyndrome und Suchtprobleme aufträten. Er problematisierte die mit der Neuordnung der Studiengänge verstärkte Strukturierung des Studienablaufs und benannte typische psychosoziale Schwierigkeiten, die dort, wo Bachelor- und Masterstudiengänge bereits etabliert seien, zu beobachten seien. Mit Blick auf US-amerikanische Verhältnisse verdeutlichte er, dass der Anspruch, zu einer Elite-Universität zu avancieren, unbedingt mit der Bereitstellung von professionellen Instanzen einher gehen müsse, die das psychosoziale Problempotenzial einer verstärkten Leistungsorientierung auffangen könnten.

Als letzte Rednerin gab Dr. Evelin Ackermann, fachliche Leiterin der psychotherapeutischen Studentenberatung des Magdeburger Studentenwerks, einen Einblick in ihre Praxis. Sie problematisierte, dass eine enorme Zunahme der Beratungsnachfrage in 2005 dazu geführt habe, dass ratsuchende Studenten gegenwärtig lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Das führe den Charakter einer niedrigschwelligen Beratungsstelle ad absurdum.

Die Probleme

In einer anschließenden Diskussion berichtete die Vertreterin des Studentenrates, Mareen Eisenblätter, dass auch ihr Gremium immer wieder mit dem psychosozialen Problempotenzial Studierender konfrontiert werde, wobei sich die Vermittlung adäquater Bearbeitungsmöglichkeiten mangels vorhandener Angebote schwierig gestalte.

In seinem abschließenden Fazit hielt der Rektor fest, dass die psychotherapeutische Studentenberatung als ein Standortfaktor unserer Hochschule betrachtet werden müsse, der langfristig besser berücksichtigt werden sollte. Kurzfristig regte er an, einen Teil der von Langzeitstudenten eingenommenen Gebühren für ein Konzept zur Senkung der Langzeitstudien- und Studienabbruchquoten zur Verfügung zu stellen.   E.A./red.