An der Fakultät für Informatik betreuen Mentoren die Neulinge

Alltägliche Mysterien des Studiums

Matrikelnummer, Studiendekan, Einwohnermeldeamt, BAföG-Antrag, Scheine, Testate, Wahlpflichtfach, Proseminar, Skripte ... Die Flut von neuen Begriffen und Eindrücken will einfach nicht abreißen. In genau dieser Situation war Mechthild Minke vor einem Jahr: frischgebackene Erstsemester-Studentin der Wirtschaftsinformatik an der Fakultät für Informatik, kurz FIN. Schnell musste sie feststellen, dass an der Uni alles ganz anders ist als an der Schule. „Ein neuer Lebensabschnitt begann. Ich war nun völlig auf mich gestellt, wusste nicht genau, was mich erwartet", erinnert sie sich. „Dann hörte ich vom Mentorenprogramm der FIN, meldete mich an und konnte bei meinem Mentor all meine Fragen loswerden. Das ist eine wirklich sehr gute Sache." (http://mentor.derring.de/)

Die „Gelben"

Die Idee dazu stammt von Rainer Habrecht, Absolvent der FIN, der inzwischen in München ins Berufsleben gestartet ist. Neue Studenten sollten Ansprechpartner haben für die ganz alltäglichen Mysterien des Studiums: Prüfungsvorbereitung, Fernleihe in der Bibliothek, Behördengänge, Wohnungssuche, sich trauen, an die Tür des Profs zu klopfen ... Es geht um das, was nicht im UnivIS zu finden ist oder auf Homepages und in Info-Broschüren steht, um das Zwischenmenschliche. Damit sich die Neulinge auf dem Campus einfach nicht so verloren fühlen. Schnell können sie in den Gruppen Kommilitonen kennen lernen – die meist ähnliche Sorgen und Nöte haben wie sie – und von den Erfahrungen der „älteren Semester" profitieren. Engagierte Mentoren sind immer herzlich willkommen. Jeder hat etwa zehn Erstsemestler unter seinen Fittichen.

Im gelben T-Shirt waren die Mentoren in der Einführungswoche 2004 auf dem Campus ausgeschwärmt, um das Programm vorzustellen und ihre Mentees einzusammeln. Einer dieser „Gelben" war Christian Moewes, Informatik-Student im 6. Semester. „Die erste und wichtigste Frage war die nach dem Stundenplan", erinnert sich Christian Moewes. „Während des Semesters trafen wir uns dann so etwa einmal im Monat in der Kneipe oder im Café. Kontakt halten wir über E-Mail und oft läuft man sich ja auf dem Flur des Fakultätsgebäudes, im Rechenzentrum, der Mensa oder der Bibliothek über den Weg."

Über mehrere Semester

Eine belorussische Studentin aus seiner Gruppe hatte in ihrem Wohnheimzimmer keinen Internetanschluss. Und das im Informatikstudium ... Der Mentor konnte helfen, ein neues Zimmer zu finden und ihr auch gleich noch einen Job vermitteln. Während der Prüfungsvorbereitung fand er seine Schützlinge fleißig lernend in der Bibliothek. Man traf sich nicht mehr so oft in der Gruppe.

Manchmal muss ein Mentor aber auch den Rat geben, die Prüfung besser zu verschieben, den Kurs zu wiederholen oder sich anders zu orientieren. „Das fällt nicht leicht. Überwiegend aber macht es großen Spaß, Mentor zu sein. Ganz wichtig ist der Kontakt zum Fachschaftsrat und zum Studiendekan, Professor Graham Horton."

Die Betreuung sollte unbedingt über mehrere Semester laufen, resümiert Mechthild Minke. Auch in den höheren Semestern werden noch viele Tipps gebraucht. Nach manchen nichtbestandenen Prüfungen beispielsweise ist man automatisch gleich wieder für die nächste angemeldet, in anderen Fächern nicht. Da gibt es so viel zu beachten. Bewährt habe sich die Gruppeneinteilung nach Studienrichtungen, und die Mentoren sollten mindestens im fünften oder sechsten Semester sein. Selbst einmal Mentor zu sein, könne sich die Studentin gut vorstellen. Aber erst später, im dritten Studienjahr.

Stetigkeit erreichen

Auch im kommenden Semester werden Mentoren die Neulinge wieder ein Stück auf dem Weg zur studentischen Selbständigkeit begleiten, Berührungsängste abbauen helfen, ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie auch als Neulinge zur Fakultät für Informatik gehören, unterstreicht Fabian Wickborn vom Organisationsteam des Programms. Informatik hat er an der Fakultät studiert und ist nun wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Wir möchten im Mentorenprogramm eine gewisse Verbindlichkeit und Stetigkeit über die Semester hinweg erreichen." Ein nächster Schritt soll die Einbeziehung der Dozenten und Professoren in die Betreuung sein. Sie sollen die Mentees Stück für Stück an die wissenschaftliche Arbeit heranführen, in ihre Projekte einbeziehen, sie auf dem Weg zur Diplomarbeit oder Masterthesis begleiten.   Ines Perl