Programmierwettbewerb an der Fakultät für Informatik

Schlaue Schlangen schlängeln sich im Computer

Serpens Prudence attackiert von links; QUEUE greift an von rechts ... Ihr könnt noch Wetten abschließen! Noch ist alles offen", kommentiert Lars Stockmann das Geschehen auf der großen Leinwand im Hörsaal 3. Es ist das Finale im Programmierwettbewerb „Schlaue Schlangen". Und wenn er nicht gerade jedem Sportkommentator im Radio Konkurrenz macht, ist er gemeinsam mit Roland Winkler Tutor für den Wettbewerb, den es seit 1998 alljährlich für die Studierenden des ersten Studienjahres an der Fakultät für Informatik gibt. Beide studieren im sechsten Semester, der eine Computervisualistik, der andere Informatik.

Fünf Monate zuvor hatte alles seinen Anfang genommen. Klaus Tönnies, Professor für Bildverarbeitung und Bildverstehen, und Thomas Strothotte, Professor für Computergraphik und interaktive Systeme, haben in der Informatik-Einführungsvorlesung dazu aufgerufen, sich an der Lösung des „snEADy-Problems" zu beteiligen. Eine Herausforderung, der sich der bunte Mix von Erstsemestlern aus Informatik, Computervisualistik, Wirtschaftsinformatik, Computermathematik und anderen Fachrichtungen mit Begeisterung stellte. Bei der Aufgabe handelte es sich um eine Abwandlung des Spieleklassikers „Sneech" aus der Amiga-Generation, der vielen Handybesitzern unter dem Namen „Snake" inzwischen ein Begriff sein dürfte. Programmiert werden sollte in Java eine möglichst clevere Schlange, Snake, die gegnerische Computer-Reptilien so einwickeln kann, dass diese keine Möglichkeiten zur Flucht haben. Das ganze natürlich in begrenzter Zeit. Zwischendurch dürfen die Schlangen sich noch an Speed Goodies – Äpfeln – laben und Geschwindigkeit auftanken. Aber Vorsicht! Unter den Äpfeln sind auch einige faulige, die die Schlangen kürzer werden lassen.

Insgesamt hatten 93 Teams ihre programmierten Snakes eingesandt. Um die Sieger zu ermitteln wurden 13760 Spiele durchgeführt, erzählt Roland Winkler. Dafür liefen zwölf Rechner an der Fakultät etwa 20 Nächte parallel. Das bedeutete auch für die Tutoren so manche Nachtschicht. Besonders kurz vor dem Finale. Sie hatten die verschiedenen Levels der Wettbewerbsumgebungen programmiert, die Homepage betreut, die eingesandten Dokumentationen ausgewertet, die Vorläufe überwacht, das Abschlussturnier und die Siegerehrung organisiert.

Am liebsten hätte Lars Stockmann auch einen Preis für den originellsten Namen der einzelnen Teams vergeben: SnakeEater, XiKSchlange, Snakerrari, Jumoto, EgoHugon. Die Multi-Media-Präsentation des Teams XiKSchlange – zwei Computermathematik-Studenten – verdient auf jeden Fall die Erwähnung „künstlerisch beachtenswert", erinnerten sie in ihrem selbstproduzierten Video-Clip sogar an die Ur-Schlange von Adam und Eva. Die „schlauesten Schlangen" hatten schließlich Christoph Milde & Robert Neumann von den Serpens programmiert; mit nur zwei Punkten Vorsprung vor Maik Schulze & Christopher Rohkohl von QUEUE. Dritte wurden vom Team Tabris Christian Wasserthal & Christoph Steup. Dafür gab es einen iPod und Büchergutscheine, gesponsert von der Firma icubic und dem Fachschaftsrat der Fakultät für Informatik.

Eigentlich aber haben alle gewonnen", bekräftigt Roland Winkler. „Einen Schein natürlich für die Teilnahme – obwohl man den hätte vielleicht auch einfacher haben können –, vor allem aber das Selbstbewusstsein, sich an ein Problem heranzuwagen, Lösungen zu Aufgaben zu finden, von denen man gerade erst kurz vorher in der Vorlesung gehört hatte, im Team zu arbeiten, die Fähigkeit, sich Informationen zu beschaffen und einfach auch Spaß bei all der Arbeit zu haben. Im Internet hatte sich sogar eine richtige kleine snEADy-Community für den Gedanken- und Ideenaustausch gebildet." Und auch die Tutoren „gingen nicht leer aus" meinten sie. Sie hätten gelernt zu organisieren, auf Menschen zuzugehen und sie anzuleiten, Unerwartetes zu bewältigen, mit ihrer Zeit zu haushalten, sich im Team zusammenzuraufen.

Sicher wird es den Programmierwettbewerb auch für die neuen Erstsemestler wieder geben. Und wenn die beiden Tutoren sich was wünschen dürften, dann würden sich Lars Stockmann und Roland Winkler über einen Programmierwettbewerb zwischen mehreren Universitäten freuen.   Ines Perl