Martin Leverkus – Klinische und experimentelle Dermatologie

Warum sterben Hautzellen ab?

Privatdozent Dr. Martin Leverkus trat zum 1. Dezember 2004 die C3-Stiftungsprofessur für klinische und experimentelle Dermatologie an der Klinik für Dermatologie und Venerologie an. Die Stiftung wurde von der Firma 3M Medica für die Bereiche Immundermatologie und Tumorimmunologie über den Deutschen Stifterverband für fünf Jahre initiiert.

Martin Leverkus kommt von der Universität Würzburg, an der er seit seiner Habilitation 2002 als Oberarzt tätig gewesen ist. Sein Schwerpunkt in Lehre und Forschung ist die Apoptose-Regulation der Haut, d.h. die Frage, über welche Mechanismen verschiedene Zellen der Haut programmiert absterben oder überleben. Diese Frage ist nicht nur von größter Relevanz bei der Entstehung UV-induzierter Neoplasien, sondern auch bei der Regulation von Immunantworten der Haut. So muss beispielsweise das Überleben von dendritischen Zellen, die nach Antigenkontakt die Immunantwort des Organismus initiieren, eng reguliert werden. Auch dieser Zelltyp wird nach erfolgter Arbeit durch Apoptose-Induktion eliminiert.

Martin Leverkus studierte Medizin an den Universitäten Köln, Clermont-Ferrand (Frankreich), Johannesburg (Südafrika) sowie Greenville (USA) und promovierte mit einer Arbeit der experimentellen Physiologie. Seit Beginn seiner Facharztausbildung an der Universität Würzburg interessiert sich Martin Leverkus für die Frage, über welche Mechanismen verschiedene Zellen der Haut ihr Überleben nach Einwirkung verschiedener auf die Haut wirkender Noxen, wie UV-Bestrahlung, regeln. Da eine geschädigte Zelle potenziell Mutationen erwirbt und somit mittelbar zu einer Tumorzelle werden kann, ist die Entwicklung von Apoptose-Resistenz eine wichtige Bedingung für die „erfolgreiche" Tumorentstehung.

In Boston geforscht

Nach zweijähriger Tätigkeit nutzte er die Möglichkeit zu einem Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das er im Dermatology Department der Boston University in den USA verbrachte. In diesem Zeitraum beschäftigte er sich intensiv mit der so genannten Familie der Todesrezeptoren in der Haut. Diese Gruppe von Oberflächenmolekülen kann nach Bindung ihres jeweiligen Liganden den programmierten Zelltod (Apoptose) der Rezeptor-tragenden Zelle auslösen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete Martin Leverkus als Assistenzarzt in der Universitäts-Hautklinik Würzburg und baute gleichzeitig die wissenschaftliche Arbeitsgruppe „Apoptoseregulation der Haut" auf. In dieser Zeit trat wissenschaftlich zunehmend die intrazelluläre Apoptoseresistenz, insbesondere in Bezug auf die Apoptose-Induktion durch den „TNF-related apoptosis-inducing ligand" (TRAIL) in den Mittelpunkt der Forschungen seiner Arbeitsgruppe. So konnten verschiedene intrazelluläre Moleküle (wie XIAP und cFLIP) identifiziert werden, die verhindern, dass ein unbeabsichtigtes „Zuviel" an Apoptose von Keratinozyten der Haut auftritt, wie es z.B. bei potenziell letalen Arzneimittelreaktionen der Haut vorkommt. Schwerpunkt der Arbeiten in Magdeburg soll die funktionelle Charakterisierung dieser Gene in der Haut sein. Insbesondere soll deren Bedeutung bei der Tumorentstehung des Plattenepithelkarzinoms der Haut untersucht werden. Darüberhinaus sollen andere Signale, die nicht unmittelbar zum Zelltod führen und über die Familie der Todesrezeptoren reguliert werden, analysiert werden. Diese von Keratinozyten der Haut – dem erstem Kontaktorgan mit der Umwelt – ausgelösten Signale scheinen bei der Aktivierung des Immunsystems beteiligt zu sein.

Ausgezeichnete Umgebung

Intensive Kontakte unterhält der Wissenschaftler zu verschiedenen nationalen und internationalen Arbeitsgruppen auf dem Gebiet der Apoptoseforschung. Gegenwärtig untersucht Martin Leverkus mit seiner Arbeitsgruppe von der Wilhelm-Sander-Stiftung sowie von der Deutschen Krebshilfe geförderte Drittmittel-Projekte zur Rolle von cFLIP bzw. XIAP in der Haut. In Assoziation mit der DFG-Forschergruppe 521 wird seine Arbeitsgruppe ein weiteres DFG-gefördertes Projekt, das Signalwege zur Eliminierung dendritischer Zellen durch Apoptose charakterisieren wird, durchführen. Magdeburg bietet mit seiner breitgefächerten wissenschaftlichen Landschaft und insbesondere dem wissenschaftlichen Schwerpunkt „Immunologie und molekulare Medizin der Entzündung" eine ausgezeichnete Umgebung zur Durchführung dieser Arbeiten.   sgm