Magdeburger Universitätschor in der Johanniskirche

Musikalische Erzählung von der Geburt des Heilands

Offensichtlich tat dem Publikum sehr gut, was Johann Sebastian Bach mit seiner musikalischen Erzählung der Weihnachtsgeschichte gelang. Für die Zeit der zweistündigen Aufführung am 2. Advent 2004 war die Johanniskirche, ihrem Ursprung entsprechend, Raum für gelungene Auslegung der biblischen Botschaft, ermutigende Verkündigung.

Vor 270 Jahren uraufgeführt

Der sehr inspiriert singende Magdeburger Universitätschor und ein mit Spaß aufspielendes, im Detail und bei den Soli technisch bravourös musizierendes Mitteldeutsches Kammerorchester mit Musikern aus Dresden, Leipzig, Halle und Magdeburg, gaben, die Gesangssolisten förmlich zu ihrer großartigen Interpretation mitreißend, unter der feinste Ausdrucksnuancen fordernden Leitung von KMD Günther Hoff eine lebendige Interpretation der Bachschen Geschichte von der Geburt des Heilands als Hoffnung für die Menschheit. Es erklang das Weihnachtsoratorium (BWV 248), genau vor 270 Jahren von Bach fertiggestellt und in Leipzig uraufgeführt, die Kantaten I-IV vom ursprünglichen Sechs-Kantaten-Zyklus.

Programmatisch und musikgewordene ermutigende Aufforderung war der Eingangssatz Jauchzet, frohlocket!, vom Chor mit aufrüttelnder Kraft und schön akzentuierter Gliederung der Aussagen dargestellt. Mit lyrischem Vortrag die Altistin Britta Schwarz (Dresden) bei der Arie Bereite dich, Zion, wunderbar dazu die kleine Streicher-Sinfonia mit hervorzuhebender Bass-Konturierung vom Violoncello, Fagott und Kontrabass. In der Bass-Arie Großer Herr und starker König war Mario Hoff (Weimar), mit ausdrucksvollem Bass, dem Inhalt entsprechender Würde und sauberem Koloraturgesang zu erleben. Das Orchester dazu transparent, die Bachtrompete überirdisch, ja wahrhaft königlich. Überhaupt waren die drei Bachtrompeter in ihrer durchgehaltenen Sauberkeit der Tongebung, der technisch schwierigen Phrasierungen und in den Solos tänzerisch leicht, majestätisch, einfach meisterhaft! Die die Kantate II einleitende Sinfonia war Beweis des intelligent-ausgewogenen, transparenten orchestralen Spiels. Außerdem durchweg sinnliches basso continuo des Fagotts, des Kontrabasses, des Cellos und des Cembalos! Die Tenorarie Frohe Hirten, eilt!, silbrig und rein von der Querflöte und bassigem Cembalospiel (einfühlsam und brillant Prof. Christian Steinhöfel, Weimar) begleitet, ist einfühlsame Einstimmung der Hirten auf das, was sie erwartet. Völlig unangestrengt phrasierend und anmutig von Albrecht Sack (Dresden) vorgetragen, konnte der junge Mann darüber hinaus mit differenzierter „Erzählweise" und hervorragender Artikulation als Rezitativ-Sänger durch alle Kantaten führen! Der Universitätschor sehr plastisch beim Ehre sei Gott: frohlockendes Gotteslob im Angesicht des Kindes im Stall, zügig und quirlig; die Friede auf Erden-Einfügungen zurückgenommen und abgesetzt, beschwörend als Wunsch artikuliert! Sehr bewegend.

Atmosphäre war geschaffen

Mit hohem Tempo und guter Artikulation der Chor beim Einführungssatz der Kantate III Herrscher des Himmels. Höhepunkte unter vielen waren die Duette zwischen Sopran Jana Reiner (Dresden) und dem Bass Mario Hoff, sich spielerisch einander umwerbend, so das Herr, dein Mitleid oder – in der IV.Kantate – Jesu, du mein liebstes Leben stilistisch einwandfrei und ein Fest der Sinne. Die Kantate IV lebte von der reichen Polyphonie des Eingangschorus Fallt mit Danken, der Chor mit beherrschtem Wogen.

„Atmosphäre" war geschaffen worden, die Platz ließ für Freude, Anrührung, Genuss und Nachdenken. Spontan signalisierte der Rektor der Universität, Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann – stellvertretend für das begeisterte Publikum – dem Chorleiter, den Solisten, dem prächtigen Mitteldeutschen Kammerorchester und dem Chor, inzwischen „international" durch Studentinnen und Studenten aus Japan, Korea, Griechenland und den USA, mit Gratulation und mit ,Daumen nach oben'-Geste seine Bewegung und Freude. Alle Aufführenden hatten in der ausverkauften Johanniskirche die Ohren, Augen und das Herz des Publikums geöffnet. Es lohnt immer noch, sich hin und wieder an den Ursprung des Weihnachtsfestes zurück zu erinnern!

   Thomas Rochow