Vertrag mit der AOK zur Kostenübernahme für Neugeborenenscreening

Ein kleiner Picks kann Leben retten

Einen Vertrag zur Kostenübernahme für das erweiterte Neugeborenenscreening wurde Anfang Dezember 2004 zwischen der AOK Sachsen-Anhalt und der Universität Magdeburg unterzeichnet. Seit 1992 besteht das Screeningzentrum Magdeburg an der Uni-Kinderklinik, das Neugeborene in Sachsen-Anhalt auf seltene angeborene Störungen des Stoffwechsels und von Organfunktionen untersucht. Bis 2002 hat das Sozialministerium Sachsen-Anhalts die Kosten für diese Untersuchungen getragen. „Wir setzen uns mit dem Vertrag dafür ein, dass die Untersuchung selbst und die damit verbundene Nachbetreuung weiterhin zentral über die Uniklinik Magdeburg gesteuert werden", erläutert AOK-Vorstandsvorsitzender Günter Kasten.

In Sachsen-Anhalt werden – im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands – nahezu 100 % aller Neugeborenen getestet. „Diesen hohen Standard zu halten, haben wir uns als Universitätsklinikum eingesetzt", berichtet Verwaltungsdirektorin Veronika Rätzel. „Einen ersten und wichtigen Partner haben wir in der AOK gefunden. Hoffentlich werden recht bald weitere Krankenkassen diesem Vorbild folgen."

Dank des Screenings können in jedem Jahr vier bis sieben Kinder in Sachsen-Anhalt vor schweren geistigen Störungen oder dem Tod bewahrt werden. Im Laufe des 3. Lebenstages werden dem Säugling einige Blutstropfen aus der Ferse entnommen, auf eine Testkarte getropft und an das Labor des Zentrums für Neugeborenenscreening in Magdeburg geschickt. Durch den Test können frühzeitig 15 Stoffwechselerkrankungen erkannt werden, die unbehandelt zu schwersten Schäden – insbesondere in der Hirnentwicklung – führen. „Werden diese Krankheiten bereits im Neugeborenenalter erkannt, kann fürhzeitig eine geeignete Behandlung, eine spezielle Diät oder Tablettengabe beispielsweise, eingeleitet werden, die eine regelrechte geistige und körperliche Entwicklung erlaubt", erklärt Dr. Klaus Mohnike, Oberarzt an der Uni-Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie.

Rund 17 000 Screenings werden im Jahr durchgeführt. In Summe wird bei einem Kind von 1000 Neugeborenen eine angeborene Krankheit durch das Screening gefunden. Die Information geht sofort an die Hebamme und Entbindungsklinik und mit den Eltern wird umgehend Kontakt aufgenommen. Stoffwechselerkrankungen können nicht geheilt werden. In der Regel kann bei diesen Erkrankungen ein wichtiger Stoff, den der Körper für eine normale Entwicklung braucht nicht produziert werden oder er wird zwar produziert, kann aber nicht verarbeitet werden. Beginnt die Behandlung frühzeitig, können die Auswirkungen von angeborenen Störungen jedoch vermieden oder gemildert werden.

„Das Screeningzentrum Magdeburg liefert nicht nur die Laborwerte, sondern begleitet auch die Therapie der kleinen Patienten und begleitet die Eltern in dieser schweren Phase des Erlernens, mit der Erkrankung ihres Kindes umzugehen", berichtet Dr. Mohnike.

   Ines Perl