Eike-von-Repgow-Preis

Eine hervorragende Sachkennerin

Der von der Landeshauptstadt Magdeburg und der Otto-von-Guericke-Universität gemeinsam gestiftete Eike-von-Repgow-Preis ging 2004 erstmals an eine Wissenschaftlerin aus Osteuropa. Prof. Dr. Danuta Janicka, Lehrstuhl für die Geschichte des deutschen Rechts in Polen, Fakultät für Rechtswissenschaften der Nikolaus-Kopernikus-Universität Torun, nahm ihn Ende November 2004 in der Johanniskirche entgegen. Die Arbeiten der Preisträgerin zum Kulmer und Thorner Recht dokumentieren eindrücklich die kulturhistorische Brücke zwischen zwei bedeutenden Tochterstädten und der Mutterstadt der großen Magdeburger Rechtsfamilie. Zu den wissenschaftlichen Forschungsarbeiten Professor Janickas gehören die Geschichte des Kulmer Rechts als besondere lokale Ausprägung des Magdeburger Rechts, die Geschichte des Rechts- und Verwaltungswesens in Königlich Preußen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert sowie die Rechtsgeschichte Preußens und der preußischen Territorien.

„Wir werden in Zukunft innerhalb des Projektes ,Das sächsisch-magdeburgische Recht als kulturelles Bindeglied zwischen den Rechtsordnungen Mittel- und Osteuropas' sehr von den herausragenden Forschungen der Preisträgerin profitieren", erwartet Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und verwies auf die seit April 2004 in der Landeshauptstadt existierende Forschungsstelle zum Magdeburger Recht. Dort wird zur Verbreitung und Funktion des Magdeburger Stadtrechts in Osteuropa während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit geforscht.

Eine hervorragende Sachkennerin des Magdeburger Rechts aus Osteuropa sei 2004 mit dem Eike-von-Repgow-Preis geehrt worden, brachte Rektor Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann seine Freude zum Ausdruck .

Justizminister Curt Becker betonte, dass die Stadt und die Universität mit diesem Preis eine bedeutende Persönlichkeit würdigen, die sich herausragende Verdienste bei der Erforschung der polnischen und deutschen Rechtsgeschichte erworben habe. Er verwies darauf, dass auch heute noch Vorschriften, die auf den Sachsenspiegel zurückgehen, in der Gesetzgebung zu finden seien und forderte mit Blick auf die EU-Erweiterung, sich gemeinsamer Rechtstraditionen zu besinnen.

In ihrem Festvortrag betrachtete die Preisträgerin die polnische Rechtsgeschichtsforschung der zurückliegenden fünf Jahrzehnte und widmete sich besonders den Verzweigungen, die das Magdeburger Recht auf dem Boden des östlichen Mitteleuropas erfuhr. Das Kulmer Recht als die wichtigste Sonderform des Magdeburger Rechts und auch das Neumarkter Recht haben in der polnischen Geschichtsforschung der letzten Jahre eine neue Bewertung erfahren, hob die Wissenschaftlerin hervor. Dennoch ist zu beobachten, dass sich die jüngere Wissenschaftlergeneration stärker neuzeitlichen Forschungsgebieten zuwende. Bleibt zu hoffen, so Prof. Janicka, dass die Erforschung der mittelalterlichen Stadt- und Rechtsgeschichte wieder an Bedeutung gewinnen und sich weiter entwickeln möge.

   Waltraud Rieß, Ines Perl