5. Kindervorlesung

Seifenblasen und Kinderrechte

Otto von Guericke höchst persönlich begrüßte die Kinderstudenten Mitte November 2004 zur Kindervorlesung. Kein Wunder, dass so hoher Besuch zu Gast war, schließlich feierte die Kindervorlesung ihr erstes kleines Jubiläum. Zum 5. Mal hatte die Universität die Hörsaaltüren weit geöffnet für die kleinen Studis. Und die waren der Einladung, wie bereits viermal zuvor, in Scharen gefolgt. Auch nicht das hinterste Plätzchen blieb frei. Schließlich sollte es diesmal um Zauberei mit Seifenblasen und Kinderrechte gehen.

Dass Seife nicht nur zum Waschen nützlich sein kann und was Zauberei mit Physik zu tun hat, zeigten Professor Ralf Stannarius und sein Assistent Rainer Schmidtchen. Der nämlich ließ Münzen und Spielzeugtierchen in Wasserbädern verschwinden; was nicht immer so richtig klappte. Das wiederum beobachteten die Steppkes sehr genau und meldeten jedes fehlgeschlagene Experiment lautstark. Kinderstudenten sind sehr kritisch, mussten die beiden Physiker erfahren. Die gingen mit ihren kleine Zuhörern dann noch auf die Reise zum König und demonstrierten mit Seifenfilmen, wie die kürzeste Strecke, die kleinste Fläche oder der schnellste Weg gefunden werden kann. Zudem lernten die Kinder noch, warum Seifenblasen kugelrund sind und ein Springseil durchhängt, das an beiden Enden festgehalten wird.

Nach der Pause ging es zwar ohne Experimente, aber nicht weniger spannend weiter, sollten doch die Kinder mehr über ihre Rechte erfahren. Und dabei ging es nicht um das Recht fernzusehen oder das Zimmer nicht so oft aufräumen zu müssen. Was also sind Kinderrechte: Bildung, Schutz vor Ausbeutung, elterliche Fürsorge, Gesundheit, freie Meinungsäußerung, Information und Mitbestimmung. Der Politologe Professor Karl-Peter Fritzsche erzählte den kleinen Zuhörern, dass Kinder genauso wichtig und genauso wertvoll sind wie Erwachsene. Viele Kinder der Welt jedoch leben in Not, Gewalt und Furcht, müssen hart arbeiten oder als Kindersoldaten im Krieg kämpfen. Als er die Bilder von Kindern, die schwere Steine schleppen, Teppiche knüpfen, misshandelt wurden oder die richtige Gewehren haben zeigte, wurde es mucksmäuschenstill und nachdenklich im Hörsaal. Doch Professor Fritzsche wollte seine Kinderstudenten nicht nur betroffen, sondern auch selbstbewusster machen und forderte sie deshalb auf, stets ihre Meinung zu sagen. Und er sagte ihnen, dass alle Kinder auch die Rechte der anderen Kinder berücksichtigen müssen, egal wie sie aussehen, welche Religion sie haben, ob sie schlau sind oder nicht. Dazu gehöre, ganz wichtig, das Recht auf Gewaltfreiheit. „Hauen ist verboten!" schickte er die Botschaft gleichermaßen an die Kinderstudenten und deren Eltern.   Ines Perl