Otto-von-Guericke-Forschungspreis auf akademischem Festakt verliehen

Fasziniert von Diskreter Optimierung

Zu einem akademischen Festakt anlässlich des Geburtstages Otto von Guerickes hatten Ende November 2004 die Otto-von-Guericke-Universität und die Otto-von-Guericke-Gesellschaft e.V. in die Johanniskirche eingeladen. Mit der Festveranstaltung ehren Universität und Gesellschaft das Wirken und Lenben ihres Namenspatrons Otto von Guericke, des Physikers, Naturwissenschaftlers, Diplomaten und Bürgermeisters der Stadt Magdeburg gleichermaßen wie die hervorragenden Leistungen junger Wissenschaftler, die derzeit an der Universität forschen.

Seine einleitenden Worte nutzte Rektor Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann für eine Standortbestimmung. Er erinnerte an den schwerwiegenden Beschluss des Senats zur Hochschulstrukturplanung, sich mittelfristig von den allgemeinbildenden Abschlüssen in der Lehrerausbildung und vom Institut für Musik zu trennen. Er erinnerte an das Inkrafttreten eines erheblich veränderten Landeshochschulgesetzes, infolgedessen für die Universität eine neue Grundordnung verabschiedet wurde. In diesem Zusammenhang verwies Rektor Pollmann aber auch darauf, dass die Gesetzgebungsprozesse noch nicht abgeschlossen seien. Beraten werde derzeit noch über das Hochschulmedizingesetz oder die Reform der Professorenbesoldung.

Sechs Forschergruppen

Hinsichtlich der Forschung bedauerte der Redner, dass derzeit nur ein Sonderforschungsbereich an der Universität arbeite. Sehr viel erfolgreicher warb die Universität hingegen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschergruppen ein; mit insgesamt sechs liege sie im Spitzenfeld. In seinen Überlegungen zur Nachwuchsförderung machte er auf die Überbelastung der Promovenden durch Lehre aufmerksam. Dies sei kein konzeptionelles Problem, sondern Ausdruck der Unterfinanzierung der Universitäten.

Die vom sachsen-anhaltischen Kultusministerium verfolgte Bündelung der Forschungsmittel auf wenige Schwerpunkte sei zu begrüßen. Die Schwerpunktsetzung aber sollte in den Fakultäten erfolgen und nicht von oben kommen. Bei aller Schwerpunktförderung müsse dennoch die Forschungsförderung außerhalb dieser Schwerpunkte aufrechterhalten werden, wenn begründet sei, dass eine Förderung von außen nur schwer erreicht werden kann. Für die Wissenschaftler der Universität stehe mehr denn je das Gebot der Effizienz des Mitteleinsatzes, schloss Rektor Pollmann seine Rede.

Höhepunkt der alljährlichen akademischen Festakte ist die Ehrung und Würdigung herausragender Leistungen verdienstvoller Wissenschaftler der Universität mit dem Otto-von-Guericke-Forschungspreis. Gemeinsam mit der Direktorin der Commerzbank Magdeburg, Birgit Greger, überreichte der Rektor die von der Commerzbank-Stiftung mit 5000 Euro dotierte höchste Auszeichnung der Universität an Professor Dr. Robert Weismantel, Lehrstuhlleiter für Mathematische Optimierung. Gewürdigt wurden damit seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Diskreten Optimierung. Der Wissenschaftler entwickelt mit mathematischen Methoden Theorien, die in Zukunft Praxisprobleme mit einer heute noch unerreichten Genauigkeit und Geschwindigkeit lösen sollen. Optimierungsprobleme sind für die Praxis außerordentlich bedeutend, wie beispielsweise für die Optimierung von Produktionssystemen. Mit der von ihm geleiteten DFG-Forschergruppe „Methoden der Diskreten Mathematik für die Führung und Synthese verfahrenstechnischer Prozesse" ist es ihm gelungen, die Kooperation mit den ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten und ihren praxisrelevanten Forschungsprojekten zu verzahnen. Seit 2004 koordiniert Robert Weismantel ein EU-Netzwerk ADONET zur Diskreten Optimierung, welches im Verbund mit zwölf Topinstitutionen innerhalb Europas durchgeführt wird. Der Mathematiker ist auch Gründungsmitglied des Forschungsschwerpunktes „Dynamische Systeme", gefördert durch das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Mathematiker, Mediziner und Ingenieure sowie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme arbeiten an der Entwicklung neuer mathematischer Methoden zur Untersuchung immunologischer und zellbiologischer Systeme sowie verfahrenstechnischer Probleme. Robert Weismantel lehrt und forscht seit 1998 an der Universität und ist Autor zahlreicher nationaler und internationaler Fachpublikationen. In einem Vortrag im Anschluss an die Ehrung vermittelte Professor Weismantel den Gästen des Festaktes etwas von der Faszination der Diskreten Optimierung. Seine Begeisterung für das Fach mussten ihm die Zuhörer nach diesem Vortrag einfach glauben.

Neben dem Forschungspreis wurden zwei Dissertationspreise vergeben. Dr. Nicolas Halper, Fakultät für Informatik, und Dr. Sascha Thomas von der Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik wurden für hervorragende Ergebnisse im Rahmen ihrer Dissertation ausgezeichnet. Dieser Preis ist mit je 1500 Euro dotiert und ebenfalls von der Commerzbank-Stiftung.

Zudem wurden sieben junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für hervorragende Ergebnisse im Rahmen ihrer Promotionsarbeit mit dem Fakultätspreis 2004 geehrt (siehe Kasten). Dieser Preis ist mit je 500 Euro dotiert. Die Preisträger erhielten zur Auszeichnung eine silberne Ehrenmedaille mit Namensgravur, die die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg stiftete.

Den musikalischen Rahmen des Festaktes gestalteten das Akademische Orchester unter Leitung von Günther Hoff, die Sopranistin Stefanie Fels und Hyung-Suk Jung am Klavier.
   Ines Perl

Fakultätspreise 2004

Dr. Jochen Maaß
Fakultät für Maschinenbau

 

Dr. Jens Schröder
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik

 

Dr. Utz-Uwe Haus
Fakultät für Mathematik

 

Dr. Carina Helmeke
Fakultät für Naturwissenschaften

 

Dr. Björn Hendrik Schott
Medizinische Fakultät

 

Dr. Sandra Tiefel
Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften

 

Dr. Jörg Heuer
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft