Delgation der Belorussischen Staatlichen Universität Minsk besuchte die Universität

Auf dem Weg nach Bologna

Neun Professoren und Mitarbeiter sowie 15 Studenten der Belorussischen Staatlichen Universität (BSU) Minsk, Belorussland, sind Ende Oktober 2005 an der Universität zu Gast gewesen. Die Arbeitsgruppe wurde geleitet vom Rektor der BSU Minsk, Prof. Dr. Vasiliy I. Strazhev, der auch Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) ist. In einem Vortrag stellte der Gast aus Minsk die „Entwicklung des Hochschulwesens der GUS-Staaten" vor und ging dabei auf ideologisch-politische, sozial-ökonomische, kulturelle sowie Zivilisations- und Bildungsfaktoren ein. Die Hochschulbildung in den GUS-Staaten sei nach wie vor staatlich, andere, private, Bildungseinrichtungen etablierten sich aber.

Eine neue Qualität

Eine Veränderung der Qualität der Bildung zeichne sich ab: weg von der bloßen Aneignung von Wissen und Fakten hin zur Ausbildung von Fähigkeiten zur Problemlösung, zum strategischen Denken und Handeln. Eine weitere Veränderung ist die des massenhaften Zustroms von Studierenden auf die Hochschulen. Gerade Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen strebten nach einer höheren Bildung. Jedoch sei es schwierig für die jungen Absolventen, einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden.

Die Gäste aus Minsk sind beteiligt am TEMPUS-Projekt „Transformation des Lehrprozesses an der Belorussischen Staatlichen Universität (BSU) Minsk auf der Basis von ECTS-kompatiblen Technologien", das unter Leitung von Prof. Dr. Eberhard Girlich vom Institut für Mathematische Optimierung der Magdeburger Fakultät für Mathematik steht und von der Europäischen Union gefördert wird.

Europäischer Hochschulraum

Ziel des TEMPUS-Projektes ist die Begleitung und Entwicklung des Bologna-Prozesses, der die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes bis 2010 anstrebt, für die Studiengänge Computermathematik, Soziologie, Geschichte und Wirtschaftswissenschaft an der BSU Minsk. Diese Studiengänge sollen auf der Grundlage des European Credit Transfer Systems ECTS (Europäisches System zur Anrechnung von Studienleistungen) modularisiert und so abgestimmt werden, dass sie mit Bachelor- und Master-Abschlüssen dem Standard im europäischen Hochschulraum entsprechen.

Die Delegation aus Minsk besuchte die Magdeburger Universität und später auch die anderen Partner, um sich über Studien- und Prüfungsordnungen zu informieren und Studienpläne und -abläufe kennen zu lernen. Die gesammelten Erfahrungen werden in die Erarbeitung der Studiendokumente an der BSU Minsk einfließen.

Partner in ganz Europa

Deutschlandweit ist für jeden Studiengang eine weitere Universität in dieses Projekt integriert. In den Studienrichtungen Computermathematik und Geschichte werden die Erfahrungen der Universität Kassel und der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit einfließen. Für die Studiengänge Soziologie und Ökonomie wird in Bielefeld und Frankfurt (Oder) der Studienprozess analysiert. Partner auf dem Weg der belorussischen Universität zu europaweit vergleichbaren Studienabschlüssen wurden auch an anderen europäischen Hochschulen gefunden. Die Universitäten aus Malaga (Spanien) und Trient (Italien) engagieren sich vor allem für die Studiengänge Soziologie bzw. Ökonomie.

Dieses Projekt steht in engem Zusammenhang mit einem Projekt der Magdeburger Fakultät für Mathematik, gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst, an der Belorussischen Staatlichen Universität Minsk einen deutschsprachigen Masterstudiengang in Computermathematik einzurichten.

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