Aluminium-Guss aus der Harzregion

Ein Schmelztiegel der Innovationen

Alles aus einem Guss – Aluminium bis zur Perfektion diese Vision hatten 2004 führende Vertreter der Wirtschaft und der Wissenschaft aus dem MAHREG-Verbund und trafen sich im Creative und Competence Center (CCC) in Harzgerode. Mit der Vision, die Harzregion zu einem der fünftgrößten Gusszulieferer für Aluminium-Komponenten zu entwickeln, hoben sie das Bündnis AL-CAST (AL = Aluminium und CAST = Guss) aus der Taufe. Dieses Bündnis beteiligte sich am Wettbewerb um das Förderprogramm „Innovative Regionale Wachstumskerne" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die neuen Bundesländer.

Ein weiter Weg

Der Leitspruch „Weltbester Aluminium-Guss aus der Harzregion" führte 14 Industriepartner, darunter die beiden bedeutenden Leichtmetallgießereien unseres Bundeslandes TRIMET AG, Niederlassung Harzgerode und Rautenbach AG Wernigerode, sowie die Institute für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung und für Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung der Fakultät für Maschinenbau der Universität Magdeburg sowie das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb- und -automatisierung Magdeburg zusammen. Die mittelfristige Zielstellung lautet: „AL-CAST entwickelt sich bis 2015 zum fünftgrößten Gusszulieferer für Aluminium-Komponenten. Über die europäische Automobilbranche hinaus steigt das Bündnis in die Zielmärkte Luft- und Raumfahrt, Schienenfahrzeuge und Sportgeräte ein. Die Harzregion wird zum Zentrum des weltbesten Aluminium-Gusses."

Bis hin zur Projektbewilligung war es für alle Beteiligten ein weiter Weg, der neben der „normalen" Wirtschafts- bzw. der Forschungs- und Lehrtätigkeit bewältigt werden musste: Im Rahmen von vier moderierten und von Vertretern des Projektträgers Jülich begleiteten Workshops, in denen Fragen der Kompetenz, der technologischen Plattform, des Wettbewerbs und des Marktes intensiv beleuchtet und beantwortet wurden, formierte und festigte sich das Bündnis. Es stellt sich als Private-Public-Partnership (ppp) dar mit dem Ziel, wirtschaftlichen Erfolg durch langfristige Beziehungen zu erreichen. Für alle Mitglieder des Bündnisses ergeben sich natürlich individuelle Vorteile, wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass durch die Interessenbündelung langfristig der gemeinsame wirtschaftliche Erfolg garantiert wird. Durch die Integration von regionalen und überregionalen Mitwirkenden wird das Bündnis gestützt, da diese ihr technologisches und fachliches Know-how und insbesondere ihren Marktzugang einbringen.

Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Quedlinburg mit ihrem Creative Competence Center (CCC) in Harzgerode und dem dortigen Demonstrationslabor für innovative Verfahren im Aluminiumdruckguss übernimmt das Management des Bündnisses. Das CCC ist auch zentraler Sitz des Bündnisses.

Nach erfolgreichem Absolvieren der Workshops wurde von einer aus Vertretern der Bündnispartner gebildeten Redaktionskommission unter der Federführung von Dr. Jürgen Ude ein 40-seitiges Innovationskonzept erarbeitet. Kernpunkt dieses Konzeptes und somit der zukünftigen Aktivitäten des Bündnisses ist die gesamte Produktentwicklungskette von Erzeugnissen mit oder aus gegossenen Aluminiumbauteilen. Dazu gehören die Entwicklung neuer Aluminiumlegierungen mit anforderungsgerecht zugeschnittenen statischen und dynamischen Eigenschaften, die Entwicklung innovativer Gießverfahren und Technologien, die Simulation des Gießprozesses mit Vorhersage der statischen und dynamischen Bauteilkennwerte für eine Bauteil-Lebensdauerprognose, die Methodenentwicklung für eine anforderungs-, werkstoff- und fertigungsgerechte Gussteilgestaltung zur Verkürzung der virtuellen Produktentwicklung, die Weiterentwicklung der generativen Dauerform-Werkzeugentwicklung auch für Serienwerkzeuge bis hin zur objektiven zerstörungsfreien Prüfung mit Rückkopplung auf den Herstellungsprozess.

Erfolgreich verteidigt

Das Innovationskonzept mit seinen Förderprojekten für die Startphase des Bündnisses wurde beim BMBF eingereicht und in einem Assessment-Center im Juni 2005 in Berlin erfolgreich verteidigt.

Anlage zu diesem Innovationskonzept sind gleichzeitig die zur Förderung beim BMBF eingereichte Verbund- und Einzelprojekte „Entwicklung und Herstellung von Powertrainbauteilen", „Entwicklung und Herstellung von Strukturbauteilen", „Objektivierte zerstörungsfreie Prüfung von Al-Gussteilen – OPAL", „Dauerformwerkzeuge", „Verfahrensspezifische Legierungsentwicklung für hochbelastbare Al-Komponenten" sowie „Entwicklung einer Methodik für eine anforderungs-, werkstoff- und fertigungsgerechte Gussteilgestaltung zur Verkürzung der virtuellen Produktentwicklung".

Eine detailliertere Beschreibung der Verbund- und Einzelprojekte wird in der nächsten Ausgabe des Uni-Reports zu lesen sein.

Prof. Dr. Rüdiger Bähr, Prof. Dr. Gerhard Mook, Uwe Richter, Dr. Jürgen Ude