Magdeburger Studenten bei Ausgrabungen in Zethlingen dabei

Archäologen reisen in die Vergangenheit

Seit 1986 fahren die Studenten des Instituts für Geschichte und interessierte Kommilitonen anderer Fachrichtungen in ihren Semesterferien auf den Zethlinger Mühlenberg/Altmark und graben nach historischen Zeugnissen. Etwas abgelegen von der Hauptstraße befindet sich die 1990 eingerichtete Langobardenwerkstatt, die etwa 5000m2 umfasst. Die Werkstatt lässt einen Hauch germanischen Lebens erahnen. Umgeben ist sie mit einer Holzpalisade. Im Innern der Umzäunung befinden sich u. a. ein Webhaus, Brunnen, Wohnhaus und eine Schmiedehütte (rekonstruiert). Der Mühlenberg als Fundort ist übrigens seit über 170 Jahren bekannt und bisher wurden über 1800 Urnen einer wissenschaftlichen Untersuchung zugeführt.

Es waren wohl Langobarden

Sechs Studenten der Magdeburger Universität beteiligten sich in diesem Jahr wieder an den Grabungen nach archäologischen Zeugnissen von der Zeitenwende bis zum 5. Jahrhundert gemeinsam mit Dr. Eckhard Frey, Hochschullehrer und seit 1986 engagiert auf dem Mühlenberg dabei. Verantwortlich für die Langobardenwerkstatt ist Lothar Mittag, Mitglied des Fördervereins Langobardenwerkstatt Zethlingen e.V., ein sachkundiger Gesprächspartner und Kenner der Grabungsstätte, die wahrscheinlich von den Langobarden, einem germanischen Stamm, besiedelt war.

Die jungen Historiker sind in diesem Jahr während ihres 14-tägigen Praktikums fündig geworden. Mehrere Urnen aus etwa 20 bis 40 cm Tiefe haben sie geborgen, die später im Landesamt für Archäologie Halle untersucht werden, erzählen sie dem Prorektor für Forschung und Rechtsmediziner, Professor Dieter Krause, der sie in ihrer Langobardenwerkstatt besuchte. Mit kleinen Schabern und Pinseln tragen die Studenten Schichten ab. Ein tolles Erlebnis, wenn man so eine Urne findet, wie Uta Müller, Studentin im 3. Semester und das erste Mal, sozusagen als „archäologischer Neuling", bei den Ausgrabungen dabei, begeistert dem Gast erzählt. Manchmal wurde auch schon ein seltener Fund gemacht, wie eine antike Sicherheitsnadel, berichtet Roman Schöpp, der bereits zum 3. Mal in Zethlingen dabei ist. Für die zukünftigen Lehrer ist das Praktikum ein Erlebnis. Diana Kulessa und Roman Schöpp, angehende Geschichtslehrer, werden später ihre Schüler mit „Geschichte zum Anfassen" begeistern und natürlich die Werkstatt besuchen, das steht für beide fest. Roman Schöpp ist schon ein „profunder Kenner" dieser Zeit, verfügt über großes Wissen und ist handwerklich sehr geschickt, auch als Bogenschütze.

Professor Krause hat sich sehr genau von den Studenten über die Grabungen und die Funde informieren lassen, als Rechtsmediziner hat er ein ganz besonderes Interesse an den archäologischen Zeugnissen. Und so erhält er einige Knochenfragmente und hofft anhand von Pollen-/Sporen-Bestimmungen etwas zur Jahreszeit der Bestattung sagen zu können. Es wäre schon von Bedeutung, so Dieter Krause, wenn z.B. in allen Urnen Sommerpollen zu finden seien bzw. das gesamte Spektrum des biologischen Jahresrhythmus nachzuweisen wäre.

Mehr über die Langobardenwerkstatt kann man im Sommer auf dem Zethlinger Mühlenberg erfahren, denn dann wird zu Wochenendführungen und dem jährlich durchgeführten „Großen Werkstattwochenende" eingeladen, informiert Lothar Mittag. Wir wollen insbesondere den Schülern in der Werkstatt einen Teil des täglichen Lebens der Langobarden erlebbar machen. Dann gibt es die berühmte Langobardensuppe aus Wasser, Erbsen, Salz und Fleisch, dazu wird Brot, ebenfalls selbst und natürlich ohne Sauerteig gebacken, den Gästen angeboten. Die Besucher können auch erfahren wie Stoffe eingefärbt und Seife hergestellt, Wolle gesponnen und Stoffe gewebt wurden.

Nicht nur Altmärker und Magdeburger besuchen gern die Werkstattwochenenden, auch aus Wolfsburg und Umgebung kommen Besucher und selbst aus Israel interessierten sich Wissenschaftler für die Ausgrabungen auf dem Mühlenberg, informiert Eckhard Frey.

   Waltraud Rieß