Erklärung des Konzils

Der Verantwortung gerecht werden

der Otto-von-Guericke-Universität zur Neuordnung der Hochschullandschaft des Landes Sachsen-Anhalt

Im Land Sachsen-Anhalt soll eine Neuordnung der Hochschulstrukturen vorgenommen werden. Das Hauptargument dafür sind die notwendigen Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des Landeshaushalts. Da den Universitäten eine Schlüsselrolle bei der Stärkung der Wirtschaftskraft unseres Landes zufällt, gefährden drastische Budgetkürzungen die notwendige Entwicklung von Wissenschaft und Bildung im Land Sachsen-Anhalt. Die zur Neuordnung der Hochschullandschaft vorgegebenen „Prämissen und Planungsanstöße" und das Interview des Kultusministers vom Freitag, dem 25.4. 2003, in der „Volksstimme" legen die Vermutung nahe, dass die Zielstellungen der Neustrukturierung bereits vorweg genommen werden.

Das Konzil weist darauf hin, dass es sich bei dem im Leitbild der Otto-von-Guericke-Universität festgelegten Profil mit Ingenieur- und Naturwissenschaften, der Medizin mit traditionellen Schwerpunkten, den Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften für eine moderne Universität in unserer Informationsgesellschaft um unerlässliche Disziplinen handelt. In diesem Kontext muss nachdrücklich unterstrichen werden, dass Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften zwingend notwendiges Wissen in der Ausbildung zukünftiger Führungskräfte vermitteln und daher für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unverzichtbar sind.

Bei den „Planungsanstößen" des Ministers wird missachtet, dass eine solche Fakultät eine „kritische Größe" nicht unterschreiten darf sowie über eigenständige Studiengänge verfügen muss.

An der Magdeburger Universität sind bereits Studiengänge vorhanden, die das besondere Profil ausweisen, welches eingefordert wird. Die Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften ist in die Universität voll integriert und leistet eine hervorragende Arbeit.

Die gute Entwicklung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die sich in den erreichten Studentenzahlen mit einem hohen Anteil Studierender aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland widerspiegelt, bleibt in den Denkanstößen des Ministers völlig unbeachtet.

Hervorzuheben und anerkannt ist der besondere Beitrag der Universität in der Ausbildung und der berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildung von Lehrern. Jahrzehntelange Erfahrungen zeigen, dass Studierende in Lehramtstudiengängen besonders aus dem regionalen Umfeld kommen. Unter Berücksichtigung des sich abzeichnenden dringenden Lehrerbedarfs in Sachsen-Anhalt ist daher die vorgesehene Einstellung der Lehrerausbildung an der Magdeburger Universität nicht hinnehmbar.

Das Institut für Musik unserer Universität trägt in hervorragender Weise dazu bei, die Kulturszene der Landeshauptstadt und der gesamten nördlichen Region Sachsen-Anhalts zu bereichern. Die beabsichtigte Schwerpunktbildung in Mitteldeutschland geht zu Lasten der dringend notwendigen kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung des Nordens.

Das Konzil der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg fordert vom Ministerpräsidenten, dem Finanzminister und dem Kultusminister, ihrer Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit unseres Bundeslandes gerecht zu werden.