Projektarbeit im Deutschunterricht

Ganz schön mutig

Etwa 100 bis 150 Studienbewerberinnen und Studienbewerber nehmen in jedem Semester an der studienvorbereitenden Deutschausbildung des Sprachenzentrums teil. Neben der Arbeit an ausgewählten Lehrwerken sind Lektüre und Diskussionen zu aktuellen und landeskundlichen Themen, ergänzt durch Besichtigungen und Exkursionen, fester Bestandteil des Programms. Im Fortgeschrittenenunterricht, wenn die Teilnehmer bereits über gute deutsche Sprachkenntnisse verfügen, ist ihr Engagement besonders gefordert. Im Rahmen von Projekten beschäftigen sie sich über einen längeren Zeitraum mit einem selbstgewählten Thema, zu dem dann eine entsprechende Präsentation durchgeführt wird. Die Studienbewerberinnen und Studienbewerber beweisen sowohl bei der Wahl der Themen als auch bei der Präsentation großes Interesse an der Universität, an der sie studieren möchten, aber auch an den Lebensgewohnheiten der Menschen und an aktuellen Ereignissen in ihrer zukünftigen Wahlheimat.

Befragung von Studenten

So haben im zurückliegenden Semester die Diskussionen und Protestveranstaltungen zu den bevorstehenden strukturellen Veränderungen an den Hochschulen und Universitäten Sachsen-Anhalts, insbesondere an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die ausländischen Studienbewerber besonders bewegt. Einer von ihnen, Kenan Bagci aus der Türkei, nahm diese Diskussionen zum Anlass, um im Rahmen seiner Projektarbeit einen Fragebogen zum Studium an der Magdeburger Universität zu erarbeiten und eine Befragung unter den deutschen Studenten durchzuführen. Schon die Wahl eines solchen Projektes verdient große Anerkennung. Einerseits musste sich Kenan Bagci intensiv mit den Studienmöglichkeiten und der Situation der Studenten an der Otto-von-Guericke-Universität vertraut machen und anderseits bewies er viel Mut, um in einer ihm fremden Sprache ein solches Vorhaben auch zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

103 deutsche Studenten wurden befragt. Die meisten von ihnen gehörten zu den Fakultäten für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften bzw. Wirtschaftswissenschaft. Elf Fragen, die auf den für einen ausländischen Studienbewerber relevanten Problemen basieren, wurden ihnen vorgelegt. Die Auswertung der Befragung führte insbesondere in zwei Punkten zu einigen interessanten Ergebnissen, die die gegenwärtig stattfindenden Diskussionen um den Hochschulstandort Magdeburg sicherlich bereichern könnten. So waren das gute Studienangebot der Universität und die Nähe zur Heimatstadt die meist genannten Gründe für die Entscheidung, in Magdeburg ein Studium aufzunehmen. Auch die Rolle der Universität in der Gesellschaft war Gegenstand der Befragung. 93 % schätzen diese Rolle als sehr hoch ein, eine Tatsache, die in allen Diskussionen einen großen Raum einnimmt, ist doch die Universität mit ihrem gegenwärtigen Profil Mittelpunkt des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens unserer Stadt.

Das von Kenan Bagci durchgeführte Projekt und die an die Präsentation anschließende Diskussion mit Studienbewerbern aus unterschiedlichen Ländern machten deutlich, wie sehr sich die ausländischen Angehörigen der Universität mit unserer Einrichtung identifizieren und zu aktuellen Problemen auch engagiert Stellung beziehen.    Doris Fandler