Fakultät für Wirtschaftswissenschaft feierte ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum

Die Einheit der Wirtschaftswissenschaft

Wenn die Universität ein Jubiläum feiert, kann auch die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft immer auf einen runden Geburtstag blicken, fällt ihre Gründung doch mit der Universitätsgründung zusammen. Ihr zehnjähriges Bestehen würdig zu begehen, hatte sie Mitte Oktober 2003 zu einer Jubiläumsfeier geladen. Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, viele Ehemalige und Freunde und selbstverständlich die Wissenschaftler, Mitarbeiter und Studenten der Fakultät waren erschienen.

Vilfredo-Pareto-Gebäude

Vor zehn Jahren wurde für die Fakultät ein Profil bestimmt, dem sie sich noch heute verpflichtet fühlt. Alle wirtschaftswissenschaftlichen Teilgebiete sind methodisch einheitlich ausgerichtet. Jedes dieser Teilgebiete ist getragen durch eine starke theoretische Fundierung, wo es in den Disziplinen sinnvoll ist, werden mathematische Methoden verwendet, und der traditionelle Gegensatz zwischen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre ist weitgehend aufgelöst.

Der Rektor, Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann, erinnerte an die Gründungszeit der Fakultät. Es gab keine Prüfungsordnung, einen Mangel an Dozenten und die Stimmung war gedrückt, nicht selten gereizt ob der unsicheren Zukunft. Dieser für die Universität profilgebenden Fakultät wurde eine besondere Umstellungs- und Reformbereitschaft abverlangt. Für die Universität jedoch spielte sie immer eine maßgebliche Rolle. Unmittelbar nach ihrer Gründung begann sie mit ihrem Internationalisierungsprogramm. Sie führte das Credit Point-System ein und erarbeitete Studienangebote mit Bachelor- und Master-Abschlüssen. Wolfgang Schüler begründete in Moskau das sehr erfolgreiche Programm "Master of Business Administration". Von Anfang an war die Fakultät bemüht, in die Region und ins Land zu wirken, hat sich der Politik beratend zur Verfügung gestellt. Ihr ist es gelungen, den ersten Stiftungslehrstuhl der Deutschen Ausgleichsbank zu erhalten, den Lehrstuhl für Entrepreneurship. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft habe es seit ihrer Gründung verstanden, die Studierenden in ungewöhnlichem Maße einzubinden und zu mobilisieren, unterstrich der Rektor.

Ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum nahm die Fakultät zum Anlass, ihr Gebäude auf den Namen Vilfredo Pareto zu taufen. Vilfredo Pareto (1848 bis 1923) war entscheidender Weichensteller der modernen Mikro- und Wohlfahrtsökonomik. Er betrieb Wirtschaftswissenschaft mit gesellschaftstheoretischem Anspruch, war einer der ersten Ökonometriker. Vor allem methodische Anregungen sind das Erbe von Pareto. Die entsprechenden Beiträge sind sozusagen das Nadelöhr, durch das man gedanklich hindurch muss, um in die ökonomische Moderne zu gelangen. Den damals weit verbreiteten psychologistischen Spekulationen, ökonomisches Handeln zu erklären, setzte Pareto Konzepte und die Aussicht auf Kategorien entgegen, die ohne die übliche Introspektion oder Einfühlung auskommen würden. L'esperienza e l'osservazione Erfahrung und Beobachtung seien das Maß der Dinge, an welchem auch die Ökonomik sich am Ende werde messen lassen müssen, wolle sie positivistischen, in den Naturwissenschaften begründeten Standards genügen.  

Vilfredo Pareto absolvierte ein Ingenieurstudium in Genua, promovierte in Turin und wandte sich später der Nationalökonomie und Soziologie zu. 1893 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften in Lausanne, Schweiz, und war einer der führenden Vertreter der Lausanner Schule. Er befasste sich u.a. mit der Gleichgewichtsanalytik, der ökonometrisch-statistischen Grundlagenforschung, der Verteilungs- und Preistheorie, vor allem aber mit der Theorie ökonomischer Wahlhandlungen. Wer anders als Vilfredo Pareto, der Ökonom, Ingenieur, Soziologe, Unternehmer, Analytiker, Mathematiker ... könne besser den Spannungsbogen verkörpern, der sich auch in der Magdeburger Fakultät finde, resümierte Prof. Dr. Gerhard Schwödiauer seine Laudatio auf Vilfredo Pareto, in der er auch daran erinnerte, dass die Frage, weshalb Ökonomen, wenn sie sich äußern, von der Politik nicht gehört werden, Vilfredo Pareto zutiefst beschäftigt habe.

Dieser Frage widmeten sich auch die beiden Festredner, die zwei Perspektiven zu Wirtschaftswissenschaft und Politik vortrugen. Prof. Michael C. Burda Ph.D. von der Humboldt-Universität Berlin hatte es abgelehnt, bei den so genannten "fünf Wirtschaftsweisen" mitzuarbeiten. Seine knappe Begründung: "Niemand hört auf uns." Zudem habe er noch zahlreiche wissenschaftliche Projekte u.a. zu Ladenöffnungszeiten, Zeitarbeit oder Lohnstrukturen. Voller Überzeugung hingegen ist Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué von unserer Fakultät für Wirtschaftswissenschaft in die Politik gewechselt und heute Finanzminister Sachsen-Anhalts. Er zeigte einige Unterschiede zwischen Wissenschaft und Politik auf. In der Wissenschaft gehe es um Wahrheiten, in der Politik um Mehrheiten, in der Wissenschaft gehe es um Denkweisen und Modelle, in der Politik um Kompromisse. Wissenschaft sei der Kampf der Experten, Politik der Kampf gegen Experten. Professor Paqué sah aber dennoch keinen Grund zur Mutlosigkeit, es dauere lange, bis Wissenschaft in der Politik ankomme.
Ines Perl