Internationales Figurentheaterfestival in Magdeburg

Eine alte Kunst neu entdecken

 

Das Publikum ist eingeladen, sich einzulassen auf eine Woche Figurentheater: sinnlich, poetisch, zerbrechlich, provozierend, unverwechselbar. Figurentheater in seiner ganzen Breite ist eine einzigartige Kunstform, die dem Material sowie der Kraft der suggestiven Bildsprache als künstlerischem Ausdrucksmittel vertraut. Magdeburg eröffne dieser Kunstform eine große Chance, meint der Intendant des hiesigen Puppentheaters, Michael Kempchen, mit dem 5. Internationalen Figurentheaterfestival "Blickwechsel", der Ausrichtung des Weltpuppentheatertreffens UNIMA 2000 und nicht zuletzt mit der Sanierung der Spielstätte in der Warschauer Straße. Dieses "virtuelle Theater", das durch eine große Freiheit im Gebrauch der Bühnenmittel geprägt ist, präsentieren vom 31. Mai bis 6. Juni 2003 mehr als 200 Künstler der Welt in 60 Vorstellungen in Spiel- und Ausstellungsstätten im gesamten Stadtgebiet.

Zur Eröffnung (31. 5.) heißen in der Produktion des Puppentheaters Magdeburg La notte della luna die poetischen Gestalten der Nacht das Publikum auf einer Reise der Sinne im Klosterbergegarten willkommen. Künstler aus acht Ländern lassen Natur und Kunst eine Symbiose eingehen. Eine Tänzerin ringt in der Inszenierung Light! (1. 6.) mit ihrem eigenen, monströs vergrößerten und verzerrten Schatten. Das Publikum nimmt in Canto a Orfeo (2. 6.) an der Reise eines Mannes, der dem Tod ins Auge blicken will, ins Unaussprechliche und Unbekannte Anteil. Body in Question (3. 6.) ist multimediales Bewegungstheater, das den Weg eines Tänzers beschreibt, der nach einem Unfall neue Möglichkeiten findet, seinen Körper zu bewegen. Wie verarbeitet die zweite Generation nach dem Holocaust all das, was geschehen ist, berichtet und dokumentiert wurde? Dieser Frage geht die Inszenierung Kinder der Bestie (4.6.) nach. Zum Abschluss fahren im rauchgeschwängerten Licht eines Velodroms Rennfahrer um ihr Leben. Geschichte der vergangenen einhundert Jahre wird in Shootingstar (6. 6.) am Petriförder lebendig und ihn ihrem gesellschaftlichen Kontext auf besondere Art und Weise interpretiert.

Ausstellungen begleiten das Festival und machen das Publikum zu Akteuren. Mit seiner Werkschau Sinnliche Welten schafft Antonio Catalano in der FestungMark in acht Universen Erlebnisräume, die der Gast mit all seinen Sinnen in dem historischen Festungsgemäuer erfahren kann und die ihn zur Interaktion verführen sollen. Eine Kollektion von Darstellungen der Figur des Pulcinella ist in der Stadtsparkasse am Alten Markt zu sehen. Puppentheaterszenographie kann in der Spielbank Magdeburg betrachtet werden.

Ein besonderer Blick gehört während des Festivals dem Nachwuchs. Studierende von fünf Theaterakademien aus Osteuropa haben Gelegenheit, sich im Nachtlabor auszuprobieren. Zudem werden zwei Workshops angeboten.

Ausführliche Informationen zum Programm des Festivals und zum Kartenvorverkauf.
Ines Perl