Im Gespräch mit Rektor Pollmann über die Planungsempfehlungen des Kultusministers

Wenn die Exzellenz der Universität verloren geht

Wie beurteilen Sie die Situation der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg nach der Zielvereinbarung und der Planungsempfehlung des Kultusministers?
Außerordentlich kritisch. Das Land Sachsen-Anhalt ist in einer äußerst schwierigen Finanzlage und die Landesregierung gibt nicht zu erkennen, dass sie die Hochschulen von der Sparpolitik ausnehmen will. Eine Priorität für die Wissenschaft ist dabei nicht zu verzeichnen.

 

Was bedeutet eine Kürzung von bis zu zehn Prozent für die Otto-von-Guericke-Universität?
In Wirklichkeit droht eine sehr viel weitergehende Kürzung. In unserem Haushalt sind 80 Stellen nicht finanziert, bei den Sachmitteln haben wir eine Einbuße von gut zwölf Prozent erfahren, die Tariferhöhungen werden möglicherweise nicht in vollem Umfang erstattet. Das bedeutet im Ergebnis ein Minus von über zwanzig Prozent. Wer meint, dass wir das verkraften können, der irrt.

Der Kultusminister schlägt die Schließung der Lehrerbildung für das Lehramt an Gymnasien und Sekundarschulen sowie des Instituts für Musik in Magdeburg vor. Was sagen Sie dazu?
Solche Vorstöße sind ja nicht neu. Ginge es hier lediglich um die Bedeutung und Leistungsbilanz der Lehrerbildung und der Musikausbildung in Magdeburg, so hätte ich keine Sorge, dass wir zeigen können, welch ausgezeichnete Arbeit in diesen Bereichen geleistet wird. Der Ernst der Lage ergibt sich daraus, dass der Vorschlag mit einschneidenden Kürzungsauflagen verbunden ist.

Wie wollen Sie darauf reagieren?
Mit allen gebotenen Mitteln. In der Zielvereinbarung haben wir uns verpflichtet, an einer gekürzten Hochschulstruktur mitzuwirken. Dazu stehen wir selbstverständlich. Hier müssen die Fachvertreter gefragt werden und Antworten auf folgende Fragen gefunden werden: Wie groß ist der Lehrerbedarf im Lande? Was ist im Interesse der Weiterbildung der Lehrer erforderlich? Was haben die Fakultäten in der Lehrerbildung bisher geleistet? Was zählt es, dass das Institut für Musik ein Profil entwickelt hat, das außerordentlich erfolgreich und attraktiv ist? Was würde ein Verlust der Musik für die Universität und die Stadt bedeuten?

Der Kultusminister empfiehlt Ihnen, stolz auf den technischen Charakter der Universität zu sein, um dem Chemnitzer Modell zu folgen.
Ich fürchte, dass es hierbei in erster Linie um ein Alibi für die Streichung der Lehrerbildung geht. Natürlich haben wir ein technisches Profil. Aber neben Technik, Naturwissenschaften und Medizin sind Wirtschafts-, Sozial- und Erziehungswissenschaften integrale Bestandteile der Otto-von-Guericke-Universität. Sie haben ein Recht auf eigene Studiengänge und die Verpflichtung, den geltenden Standards ihrer jeweiligen Disziplin gerecht zu werden. Da sind sich alle Fakultäten völlig einig.

Wann ist für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Wenn die Exzellenz der Universität verloren geht, weil wir keine Top-Leute mehr nach Magdeburg bekommen, keine Professoren, Post Docs oder Doktoranden. Wenn Halle vielleicht 60 Studenten einbüßt, Magdeburg aber 1000 bis 2000. Ich habe den Eindruck, dass das, was die Otto-von-Guericke-Universität in der Lehre, der Forschung, der Internationalisierung und als regionaler Partner leistet, nicht mehr hinreichend gewürdigt wird.

Sind Sie zu Protesten bereit?
Aber selbstverständlich. Und wir werden dann starke Verbündete an unserer Seite haben. Dann wird das Land sich noch wundern.