Im Gespräch mit Günther Hoff, Leiter des Magdeburger Universitätschores und des Akademischen Orchesters

Begeisterung für die Musik ist Motivation

Akademische Festakte oder Gottesdienste, Immatrikulationsfeiern oder Studententage - den musikalischen Rahmen gestalten der Magdeburger Universitätschor oder das Akademische Orchester. Immer häufiger auch gemeinsam. Untrennbar mit den beiden universitären Klangkörpern verbunden ist Kirchenmusikdirektor Günther Hoff, der sie leitet. Im Mai 2003 feiert er seinen 75. Geburtstag. Anlass für den Uni-Report, in einem Gespräch mit ihm Rückschau zu halten und nach Plänen zu fragen.

Sie haben in Gernrode eine leistungsstarke Kantorei aufgebaut, ein Vierteljahrhundert am Magdeburger Dom den Domchor dirigiert und übernahmen 1993 die Leitung des damals gerade gegründeten Universitätschores. Jetzt feiern sie ihren 75. Geburtstag. Müssen wir Sorge haben, dass Sie aufhören?
Nein, das habe ich nicht vor. Es macht mir noch immer sehr viel Freude, mit Musikbegeisterten zu arbeiten und meine künstlerischen Fähigkeiten einzubringen.

Welche Pläne gibt es für den Universitätschor?
Der Terminplan ist sehr voll. Da war vor Ostern die Johannespassion von Bach. Zu den Händel-Festspielen werden wir ,Dettinger Te Deum' am 15.Juni in Halle aufführen. Während der Studententage ist ein Konzert am 18.Juni in der Katholischen Universitätskirche. Am 10. Oktober gestalten wir anlässlich des Universitätsjubiläums den Otto-von-Guericke-Festakt und ein Festkonzert. Schon zur Tradition geworden sind die Weihnachtskonzerte. Alle sechs Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium stehen am 7.Dezember auf dem Programm. Und in der Universitätsfrauenklinik werden wir vor Weihnachten ebenfalls wieder auftreten, am 18. Dezember. In diesem Jahr planen wir auch wieder eine Auslandsreise, die uns nach Innsbruck führen soll. Zu Konzertreisen war der Chor bereits in Israel und Italien.

Sie haben 2001 auch die Leitung des Akademischen Orchesters der Universität übernommen. Warum?
Neben der Chormusik ist die Arbeit mit einem kleinen Orchester meine zweite Leidenschaft. Mich dafür zu rüsten, hatte ich das Glück, bei Herbert von Karajan Kurse besuchen zu können. Mit wieviel Freude und Engagement die Musiker neben ihrem Tagwerk als Ärzte, Studenten, Promovenden oder Hochschullehrer ans Musizieren gehen, motiviert mich sehr, auch wenn der Terminkalender immer dichter gefüllt ist. Zunehmend gestaltet das Akademische Orchester gemeinsam mit dem Universitätschor Konzerte wie beispielsweise Anfang des Jahres ein sinfonisches Konzert, das für eine CD mitgeschnitten wurde, oder das bereits erwähnte Konzert zu den Studententagen und der Festakt zu Ehren Otto von Guerickes im Jubiläumsjahr der Universität.

Warum sollte eine Universität Chor und Orchester haben?
Sie gehören einfach zum akademischen Leben, bereichern es kulturell, gestalten Feierlichkeiten und Festveranstaltungen, tragen die Universität durch Konzerte sozusagen in die Stadt. Das ist Tradition.
Beide Klangkörper der Magdeburger Universität werden durch diese gefördert, auch wenn es hier und da etwas mehr sein könnte. Die Kosten für den Notenkauf oder die Mieten für die Konzertsäle sind erheblich. Für das Akademische Orchester hat der Rektor die Schirmherrschaft übernommen. Professor Wolfram Neumann und Professor Christof Huth sowie einige weitere Mitglieder des Universitätschores unterstützen diesen finanziell, indem sie beispielsweise für die Miete des Konzertsaals aufkommen. Wünschenswert wäre für Chor- und Orchesterkonzerte ein fester, akustisch gut ausgebauter Auftrittsort.
Die Gestaltung der Programmhefte übernehmen Dr. Rüdiger Pfeiffer vom Institut für Musik und Dr. Siegried Hansen, die bis zu ihrem Ruhestand am Institut arbeitete. Lieselotte Bänecke vom Institut für Arbeitsmedizin und Hygiene hat alles Organisatorische fest im Griff.

Mit der Übernahme der Leitung des Universitätschores wechselten Sie sozusagen von der musica sacra, der kirchlichen Musik, zur ,akademischen', also eher weltlichen Musik. Ein schwieriger Schritt?
Keineswegs. Bereits als Kirchenmusikdirektor am Dom dirigierte ich Sinfonien von Brahms, Schumann oder Beethoven. Und auch viele Werke, die der Universitätschor aufführt, kommen aus der Kirchenmusik. Geistliche Werke sind immer Verkündigung. Sie soll über die Musik an das Publikum herangetragen werden. Selbst komme ich aus einem christlichen Elternhaus. Mein Vater führte mich an die Musik heran, ich lernte Klavier und Konzertflöte spielen und studierte am Konservatorium in Quedlinburg und der Kirchenmusikschule in Halle. Als ich 1993 in den Ruhestand ging, war ich sehr glücklich, dass sich mir noch einmal die Chance bot, mit einem neuen Klangkörper arbeiten zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.