Neuer Vorstand der Hochschulgruppe Magdeburg des Deutschen Hochschulverbandes und 53. Verbandstag in Halle

Der Preis der Hochschulautonomie

Am Ende des Wintersemesters hatte die Magdeburger Hochschulgruppe des Deutschen Hochschulverbandes zur Vollversammlung und zugleich Wahlversammlung des neuen Vorstandes eingeladen. In seinem Rechenschaftsbericht hob der scheidende Vorsitzende, Prof. Dr. Friedrich Krause, die lebhaften Diskussionen des vergangenen Jahres über die erwarteten positiven Veränderungen der Hochschulpolitik beim Wechsel der politischen Verantwortung in der Landesregierung Sachsen-Anhalt sowie über die von der Bundesregierung durchgesetzte Dienstrechtsreform hervor, insbesondere zur Verringerung der Professorenbesoldung, zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch Weiterbestehen der Habilitation neben der unausgegorenen Einführung von Juniorprofessuren sowie zur verordneten konsekutiven Modularisierung des deutschen Universitätsstudiums mit vorgeblich international vergleichbaren Bachelor- und Masterabschlüssen.

Zu den neuesten, die Gemüter bewegenden Entwicklungen des Angriffs auf die derzeit noch existierende Hochschullandschaft durch nach Wohlverhalten gestaffelte Mittelzuweisung seitens der derzeitigen Landesregierung - euphemistisch "Zielvereinbarungen als Steuerungsinstrument zur Strukturanpassung" genannt - gaben Magnifizenz Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann sowie der langjährige hallesche Rektor und Mitglied des Präsidiums des DHV, Prof. Dr. Dr. Gunnar Berg, ihre Erfahrungsberichte und Lei(d)tgedanken zur Diskussion.

Einmütig bekundete die Versammlung, dass die von der Landesregierung vorgenommene Minderzuweisung mit x-beliebiger Differenzgröße in der vorgegebenen Weise nicht akzeptiert werden kann, soll nicht die Attraktivität Sachsen-Anhalts, insbesondere mit der befruchtenden Koexistenz aller Fachrichtungen der Universitas litterarum sowie jüngst aufgebauter und hoch motiviert von den Studierenden angenommener Studiengänge, als Hochschulstandort prinzipiell in Frage gestellt werden und das Land einen hohen Ansehensverlust hinnehmen. Eine derartige Autonomie ist ein zu teuer erkaufter Selbstverstümmelungsprozess, bei dem sich die politisch Verantwortlichen die Hände in Unschuld zu waschen wähnen.

In dieser außerordentlich brisanten Zeit hochschulpolitischer Entwicklungen sprach sich Prof. Krause für eine Verjüngung des Magdeburger Vorstandes aus. In ihn wurden gewählt: Prof. Dr. Edmund Paul Burte (Institut für Mikro- und Sensorsysteme), Prof. Dr. Norbert Gaffke (Institut für Mathematische Stochastik), Prof. Dr. Henning Graßhoff (Orthopädische Universitätsklinik) als stellvertretender Vorsitzender, Prof. Dr. Walter Halangk (Klinik für Allgemeine Chirurgie) sowie PD Dr. Rüdiger Pfeiffer (Institut für Musik), der als neuer Vorsitzender den Vorgängern für ihre seit über zehn Jahren geleistete Arbeit herzlich dankte und zusicherte, dass sich der Deutsche Hochschulverband in die Gestaltungsdiskussionen der Hochschullandschaft engagiert einbringen wird.

Hochschulverbandstag

Der kurz darauf diesmal in Halle durchgeführte 53. Hochschulverbandstag war mit seinem Thema "Autonomie - Welche Freiheit braucht die Universität?" gleichwohl hochaktuell wie hochbrisant, schwebt doch bereits die "Vernichtung der deutschen Universität" als Damoklesschwert über dem akademischen Bildungssystem in dieser zentral "steuerungsinstrumentalisierten" föderalistischen Republik.

Die halleschen Gastgeber hoben mit den Grußreden von Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler und Rektor Prof. Dr. Wilfried Grecksch vor den aus ganz Deutschland angereisten Rektoren, Präsidenten und Kanzlern, Professoren und Dozenten sowie Hochschulpolitikern die exzeptionelle Stellung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in der Kulturhauptstadt von Sachsen-Anhalt und im Konzert der deutschen Universitäten mit internationaler Aura hervor.

Brillante, vor allem Rechtsgrundlagen berührende Vorträge, wie beispielsweise von Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dr. Paul Kirchhof (Universität Heidelberg) "Die Universität zwischen Steuerung und Freiheit", vom Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes Prof. Dr. Hartmut Schiedermair (Universität Köln) und von Prof. Dr. Max-Emanuel Geis (Universität Erlangen-Nürnberg) über "Das Selbstbestimmungsrecht der Universität", leiteten zu den Diskussionsforen, bei denen u.a. der Präsident der Universität Würzburg und des DAAD Prof. Dr. Theodor Berchem, der designierte Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Peter Gaehtgens (FU Berlin) und weitere Persönlichkeiten ihre kritischen Stimmen erhoben und Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) bestätigte, dass sich der Staat keinesfalls seiner Verantwortung für den Funktionserhalt der Universitäten und Hochschulen entziehen würde.

Die Delegiertenkonferenz fasste u.a. den Beschluss, dass neben Juniorprofessoren auch Habilitanden in den Hochschulverband als bundesweite Berufsvertretung der deutschen Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses mit über 18 500 Mitgliedern aufgenommen werden, und forderte mit den Worten des Präsidenten des DHV, Prof. Dr. Hartmut Schiedermair, "die Politik dazu auf, den unverbindlichen Autonomieversprechungen ihrer Sonntagsreden ein Ende zu machen und statt dessen den Universitäten endlich Raum für eine größere Selbständigkeit zu geben", denn "es ist einer der größten Widersprüche der Bildungspolitik, dass der Staat zwar ständig mehr Wettbewerb und autonomes Handeln von den Universitäten verlangt, gleichzeitig aber kaum bereit ist, die Hochschulen in die Freiheit zu entlassen".
Rüdiger Pfeiffer