Zur Polemik zwischen "Propheten" und "Humanisten"

Internationale Promotion

Das erste internationale Promotionsverfahren zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie, das gemeinsam von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Université Paris XII Val-de-Marne durchgeführt wurde, fand mit der öffentlichen Verteidigung der Arbeit Anfang April 2003 seinen Abschluss.

Der Promovend, Johannes Angermüller M.A., betrachtete in seiner Dissertation unter dem Titel ,Propheten' und ,Humanisten': Die Konjunktur der Sciences humaines und das intellektuelle Feld in Frankreich (1960-1980) in der struktural-pragmatischen Diskursanalyse die intellektuellen Avantgardebewegungen der so genannten Strukturalisten und Poststrukturalisten, wie Jacques Lacan, Louis Althusser, Michel Foucault und Jacques Derrida, die in den sechziger und siebziger Jahren im Umfeld der französischen Geisteswissenschaften (sciences humaines) eine große öffentliche Aufmerksamkeit erlangt haben. Betreut haben die, in einer so genannten "cotutelle" (internationales Promotionsverfahren) entstandene, Dissertation Prof. Dr. Dominique Maingueneau aus dem Bereich Linguistik von der Université Paris Val-de-Marne und Prof. Dr. Eckhard Dittrich, Lehrstuhl Makrosoziologie am Institut für Soziologie der Magdeburger Universität.

Der junge Wissenschaftler beschreibt in seiner Arbeit, wie die intellektuellen Avantgardebewegungen der so genannten Strukturalisten und Poststrukturalisten die etablierten Theorierichtungen und Denker herausforderten und schließlich begannen zu öffentlichen Figuren zu werden, die auch das Klima an den Universitäten beeinflussten. Die neuen Hochschuleinrichtungen, die im Zuge der Bildungsexpansion einen Aufschwung erlebten, waren für diesen Erfolg eine entscheidende Größe. Öffentliche Figuren wurden sie aber auch deshalb, weil sie ihr Publikum überdies in ästhetischer und politischer Hinsicht orientierten. Interessanterweise analysiert der junge Wissenschaftler diese Entwicklung am Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. Nach Johannes Angermüller charakterisiert sich der zeitgenössische Diskurs durch eine dauernde Polemik zwischen zwei Gruppen: zwischen "Propheten" und "Humanisten" bzw. zwischen visionären Neuerern und etablierten Gelehrten. Seit den achtziger Jahren haben die Ideen und Theorien der "Propheten" auch in den internationalen Geisteswissenschaften ein großes Echo gefunden und sind heute aus diesen nicht mehr wegzudenken.

Johannes Angermüller studierte in Erlangen, Durham (USA) und Sankt Petersburg (Russland). In Erlangen erhielt er in Soziologie, Osteuropäischer Geschichte und Amerikanistik 1997 seinen Magisterabschluss. Studienaufenthalte führten ihn an die Harvard University (USA) und die Pariser Sorbonne (Frankreich). Seit 1999 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professor Dittrich am Lehrstuhl für Makrosoziologie. Nun schloss Johannes Angermüller seine Promotion an den Universitäten Magdeburg und Paris Val-de-Marne in "Soziologie" bzw. "Diskursanalyse" ab.
Ines Perl