Seit 30 Jahren Mathematiklehrbücher

Erfolgsstorry einer Buchreihe

Als 1973 in Leipzig die ersten Bände des Lehrwerkes Mathematik für Ingenieure, Naturwissenschaftler, Ökonomen und Landwirte erschienen, konnte sich der Teubner-Verlag auf Erfahrungen mit der Vorgängerreihe Mathematik für Technische Hochschulen (Herausgeber: Karl Manteuffel/Magdeburg) stützen und auf tatkräftige Wissenschaftler. Damals begann in Leipzig die Entwicklung eines mathematischen Lehrwerkes, das modular aufgebaut ist und dessen handliche, preiswerte, nutzerfreundliche Bände sich in der mathematischen Grundlagenausbildung ebenso bewähren wie in der Spezialausbildung und in der Weiterbildung. Zweiundzwanzig Erstauflagen erschienen bis 1977. Fünf weitere folgten bis 1981 und 1987 lagen erstmals die auch heute noch überaus erfolgreichen Übungsbände Ü1 bis Ü4 vor. Bis 1988 konnten zwischen Ostsee und Erzgebirge insgesamt mehr als 500000 MINÖL-Bände verkauft werden. Hinzu kamen Lizenzausgaben für die Bundesrepublik Deutschland und für die Schweiz. Mathematiker aus Magdeburg hatten daran entscheidenden Anteil: Karl Manteuffel ist als Autor an drei Bänden und als verantwortlicher Herausgeber an 14 Bänden beteiligt; Otfried Beyer als Autor an zwei Bänden und als verantwortlicher Herausgeber an vier Bänden. Zahlreiche weitere Autoren dieses erfolgreichen Lehrwerkes kommen aus Magdeburg: Horst Hackel, Hans Karl Iben, Volkmar Pieper, Wolfgang Schultz-Piszachich, Egon Seiffart, Dieter Stumpe, Jürgen Tiedge sowie der frühere Magdeburger, heutige Dresdner, Mathematiker Hans-Görg Roos.

Magdeburger Impulse

Nach der deutschen Wiedervereinigung und der Zusammenführung der beiden Teubner-Verlage in Stuttgart und Leipzig stellten sich Herausgeber und Verlag den veränderten Herausforderungen des Buchmarktes der neunziger Jahre. Literatur für Ökonomen/Wirtschaftswissenschaftler wurde aus der MINÖL-Reihe ausgegliedert, und Teubner in Leipzig veröffentlicht seither diverse Einzeltitel zum Themenkreis Mathematik/Finanzmathematik für Wirtschaftswissenschaftler. Folglich lautet der Titel der früheren MINÖL-Reihe seit 1993: Mathematik für Ingenieure und Naturwissenschaftler. Auch in den neunziger Jahren gingen wieder wesentliche Impulse für dieses Lehrwerk von den beiden emeritierten Magdeburger Professoren Otfried Beyer und Karl Manteuffel aus. Heute ist die Reihe auf 44 Bände angewachsen. Das ist ein beachtlicher Posten im Verlagsgeschäft, der seinesgleichen im Bereich mathematischer Hochschullehrbücher für Ingenieure vergeblich sucht. Inzwischen beträgt die Exemplarzahl insgesamt mehr als 850000, so dass der traditionsreiche Wissenschaftsverlag B. G. Teubner Stuttgart/Leipzig/Wiesbaden mit dieser Lehrbuchsammlung auf eine 30-jährige Erfolgsgeschichte verweisen kann. Zur Zeit sind weitere Neuerscheinungen und Nachauflagen im Rahmen der Teubner-Reihe Mathematik für Ingenieure und Naturwissenschaftler in Vorbereitung. Auf der Stiftungs-Homepage (www.stiftung-teubner-leipzig.de) findet man in der Rubrik „Erstveröffentlichung online: Zeitzeugen – Autoren – Herausgeber" insgesamt drei Beiträge von Professor Karl Manteuffel zum Thema „Abenteuer Lehrbuch".

 

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  Während der Frankfurter Buchmesse 2002 präsentierte der Verlag den neuesten Band Schlüsseltechnologie Mathematik, der auf anschauliche Weise Einblicke in mathematische Forschungen und deren Anwendungen ermöglicht. Im Mittelpunkt dieses höchst aktuellen Buches stehen fundierte Antworten auf die Frage: „Warum Mathematik? – Eine Herausforderung für die Gesellschaft."

Auf die fundamentale Bedeutung praxisbezogener Lehre hatte übrigens schon Felix Klein, selbst erfolgreicher Teubner-Autor und langjähriger mathematischer Berater des Leipziger Wissenschaftsverlages, in seinem Vortrag „Universität und technische Hochschule" verwiesen, in dem er 1898 formulierte, „dass der mathematische Unterricht an der technischen Hochschule nicht abstrakt erteilt werden soll, sondern den Bedürfnissen und dem Ideenkreise der Lernenden angepasst werden muss, dann aber, dass die Studien der technischen Hochschule ohne eine breite mathematische Grundlegung unmöglich gedeihen können, und Mathematik niemals ohne Anstrengung gelernt werden kann".

   Jürgen Weiß