Grundlagen, Durchführung und Ergebnisse

Bildschirmarbeitsplatzanalysen

Im Zeitraum von Juni 1997 bis Mai 2002 wurden an unserer Universität 1042 Bildschirmarbeitsplätze (BAP) beurteilt. Die Analysen erfolgten aufgrund der umfangreichen Sanierungsarbeiten innerhalb der letzten Jahre etappenweise. In einer vergangenen Ausgabe des Uni-Reports wurden einige Ergebnisse über bereits ca. 400 analysierte BAP veröffentlicht. Hier nun sollen Grundlage, Durchführung sowie Ergebnisse der Analysen zusammenfassend dargelegt werden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen
Die seit dem 20. 12. 1996 gültige Bildschirmarbeitsverordnung verpflichtet den Arbeitgeber, die Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen (Schwerpunkte: mögliche Gefährdungen des Sehvermögens sowie körperliche Probleme und psychische Belastungen) bei der Arbeit an Bildschirmgeräten zu ermitteln und zu beurteilen.

Integration der Gesundheitsförderung
Die Bildschirmarbeitsplatzanalysen wurden über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus in erweiterter Form durchgeführt, um damit parallel einen Beitrag zum Projekt "Gesunde Hochschule" bzw. zur Gesundheitsförderung zu leisten. Im ersten Teil der Analysen kam ein Gesprächsleitfaden (Bildschirmarbeitsplatzgestaltung) zum Einsatz, welcher im wesentlichen die Arbeitsbedingungen an den Arbeitsplätzen erfasste. Während der Arbeitsplatzbegehungen sowie in den Gesprächen lag ein Schwerpunkt in der Vermittlung von Kompetenzen für ein gesundheitsgerechtes Arbeiten der Beschäftigten an den Bildschirmarbeitsplätzen. Damit standen die Beratung, Information und im Bedarfsfall Umgestaltung neben der reinen Dokumentation der Arbeitsplätze im Vordergrund. (Einheit von Analyse und Intervention/Gestaltung)

Beratungsinhalte umfassten beispielsweise die Auswirkungen ungünstiger Bildschirmaufstellungen auf die Augen, Möglichkeiten zur Entlastung der Augen sowie des Körpers bei längerer Bildschirmarbeit, den Erholungswert von Kurzpausen bei längerer Bildschirmarbeit oder die Einstellung der geforderten Bildwiederholfrequenz, wenn technisch möglich, vor Ort. Aber auch Veränderungen unter Einbindung der Mitarbeiter bezüglich der Geräte- und Möbelaufstellung sowie die Beantwortung spezifischer Fragen zur Bildschirmarbeit waren Gegenstand der Gespräche.

Ein zweiter Fragebogen war von den Arbeitsplatzinhabern auf freiwilliger Basis auszufüllen und diente der Einschätzung der Gesamtsituation sowie der Ermittlung psychischer Belastungen/Beanspruchungen.

Auswertung erster Teil der Analysen (1042 BAP)
Die Ausstattung mit Büromöbeln und Geräten entspricht dem derzeit üblichen Standard, wobei jedoch Unterschiede in der technischen Ausstattung der einzelnen Institute zu erkennen sind. Es wurden an den Arbeitsplätzen aber auch einige Mängel festgestellt, die allerdings keine unmittelbare Gefährdung darstellen. Langfristig gesehen können sich diese jedoch negativ auf die Gesundheit auswirken.

Gestaltungsmängel waren beispielsweise ungünstige Bildschirmaufstellung (11% der analysierten BAP), veraltete oder falsche Beleuchtung (10%), Bildschirmgröße der Arbeitsaufgabe nicht angemessen (9%), fehlende geeignete Lichtschutzvorrichtungen (8%) und flimmernder Bildschirm (6%). Eine augenärztliche Untersuchung (G 37) wurde für 8% der Nutzer der analysierten Bildschirmarbeitsplätze empfohlen.

Auswertung Fragebogen 2 (476 Personen)
Aus den Einschätzungen der Mitarbeiter geht hervor, dass überwiegend eine positive Basis für ein gutes Arbeitsklima bzw. eine gute Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen sowie mit deren Vorgesetzten vorhanden ist. Aus den Kategorien "Arbeitsorganisation" und "Arbeitstätigkeit" wurden die Arbeitszeit- und Pausenregelung, die eigenverantwortliche Einteilung der Arbeit, das Nutzen vorhandener Qualifikationen von einem großen Teil der Mitarbeiter als günstig angesehen. Des Weiteren sind an den meisten Arbeitsplätzen ausreichend technische Hilfen vorhanden, welche zuverlässig arbeiten. Eine Vielzahl der Mitarbeiter ist mit der Arbeit insgesamt zufrieden und fühlt sich zu Arbeitsbeginn in der Regel ausreichend erholt. Dennoch sehen sich die Mitarbeiter teilweise oder des Öfteren mit ungünstigen Belastungsfaktoren konfrontiert, welche auf Gestaltungsmängel hinweisen.

Erlebte Gestaltungsmängel bei den Arbeitspersonen sind u.a.
- Beeinträchtigung durch Geräusche (60%)
- störender Zeitdruck (56%)
- Beeinträchtigung durch klimatische Faktoren (55%)
- gesundheitliche Beschwerden (53%)
- Störungen im Arbeitsablauf (45%)
- schwierige Entscheidungen (43%)

Fazit
Die Resonanz auf die durchgeführten Bildschirmarbeitsplatzanalysen war seitens der Mitarbeiter positiv. Viele standen der Thematik aufgeschlossen und interessiert gegenüber, da sich die vermittelten Beratungsinhalte auch auf den privaten Bildschirmarbeitsplatz übertragen lassen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass von 476 befragten Mitarbeitern 28% bis zu vier Jahre und 57% bereits fünf bis zehn Jahre an einem Bildschirmarbeitsplatz arbeiten.

Die Analyseergebnisse bieten eine Grundlage für die weitere Entwicklung eines kontinuierlichen und ganzheitlichen Optimierungsprozesses im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der Integration von Bestandteilen der Gesundheitsförderung. Dies erfordert ein Zusammenspiel und die Einbindung aller Beteiligten (Arbeitsschutzverantwortliche, Vorgesetzte, Beschäftigte, Fachleute), um mögliche Ursachen zu erkennen und realistische Lösungsansätze zur Minimierung vorhandener Defizite anzustreben.
Andreas Pirschel, Mario Thomas