Patronatsfest der Katholischen Studentengemeinde

Wenig neue Gesichter

Alljährlich feiern die Mitglieder und Ehemaligen der Katholischen Studentengemeinde (KSG) mit Freunden im November in Magdeburg ein Fest zu Ehren ihres Namenspatrons St. Augustinus. Den meisten Menschen gilt Augustinus als großer Denker, der Philosophie, Theologie und dem ganzen geistigen Leben eine endgültige Richtung gegeben und die karitativ-soziale Seite im Leben der Kirche stark mitgeprägt hat. Augustinus leistete aber auch einen enormen Beitrag zum Ordensleben der Kirche, nachdem er sich im Alter von 33 Jahren entschieden hatte, seine Lehrtätigkeit als Professor in Mailand aufzugeben und sich Ostern 387 taufen ließ. In seiner Heimat, dem heutigen Algerien, gründete Augustinus eine Gemeinschaft von Leienmönchen. Bis zu seiner letzten Stunde (430) lebte er treu nach seiner klösterlichen Lebensregel.

Ihr diesjähriges Patronatsfest hatte die KSG unter das Motto "Weltgesellschaft, Weltkirche und wir?" gestellt. Höhepunkt des Patronatsfestes war eine Festakademie, während der KSG-Sprecher Martin Hoffmann aufzeigte, was im zurückliegenden Jahr unternommen wurde. Er erinnerte an Friedensgebete, eine Silvesterfeier in Osterwieck, gemeinsam verbrachte Osterfeiertage, eine Wallfahrt nach Rosenthal, die Besichtigung des Wasserstaßenkreuzes nördlich von Magdeburg, an eine Radtour auf dem Darß, die Semestereröffnungsgottesdienste mit der Evangelischen Studentengemeinde und der Studentenmission in Deutschland. Martin Hoffmann stellte aber auch kritisch fest, dass in den zurückliegenden Jahren immer weniger "neue Gesichter" in der KSG zu sehen gewesen seien und fragte, was zu tun sei, um dies zu ändern. Ein Schritt sind erweiterte Öffnungszeiten der KSG-Räume auch an den Nachmittagen in der Woche und die Neuetablierung des Kreises für Glaubensgespräche.

Einen leidenschaftlichen Festvortrag "Zum religiösen Wahn" hielt der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Arnold Angenendt aus Münster. Er konstatierte, dass es religiösen Wahn zu allen Zeiten gegeben hat. Verbunden wird damit Selbsthingabe aus Rache und Hass, beispielsweise von Terroristen. Selbsthingabe kann aber auch aus Liebe erfolgen, wenn im Dritten Reich beispielsweise Juden vor den Nazis versteckt wurden oder aber heute etwas weniger lebensbedrohlich, jedoch nicht weniger hingebungsvoll humanitäre Hilfe geleistet wird. Wie wird eine sekulare Gesellschaft von heute mit dem Phänomen Religion fertig, warf Professor Angenendt die Frage auf, ohne ein Patentrezept parat zu haben. Auf den christlichen Grundsatz ôliebe deinen Feind, aber verabscheue seine Taten" Bezug nehmend, unterstich er, dass diese Differenzierung für die heutige Welt von fundamentaler Bedeutung und der Ursprung der Menschenrechte sei.
Ines Perl