Vortrag des Präsidenten der Leibnizgemeinschaft

Wissenschaft ist Not

Mehr Freiheit für die Wissenschaft mehr Wettbewerb! Forderungen, die Olaf Henkel, Präsident der Leibnizgemeinschaft, kürzlich in einem Vortrag zum Thema "Wissenschaft ist Not" vor Vertretern der Universität und Hochschulen, Forschungsinstituten sowie Wirtschaftsexperten in Magdeburg formulierte. Er forderte ein schnelles Umdenken und einen Kurswechsel in der Wissenschafts- und Forschungsentwicklung Deutschlands.

Es sei einmalig in der Geschichte der Wissenschaften, dass ein früherer Wirtschaftskapitän zum Vorsitzenden einer wissenschaftlichen Gesellschaft gewählt wurde, stellte Prof. Dr. Henning Scheich, Direktor des Institutes für Neurobiologie, eingangs den durch seine Tätigkeit bei IBM, als Präsident des Arbeitgeberverbandes, des BDI und als Ökomanager sowie den durch zahlreiche Rundfunksendungen und Talkshows bekannten Manager, der über außerordentliche Führungsqualitäten verfüge, vor.

Die Forschung brauche mehr Geld, denn Spitzenleistungen würden heute über die Zukunft einer Gesellschaft entscheiden, sagte Henkel. Defizite in der Forschung, wie beispielsweise in der Informatik, wirkten sich auch in der Wirtschaft aus. Heute stehe Deutschland an 5./6. Stelle der führenden Industrienationen, vor einigen Jahren war es noch der 2. Platz. Was pro Kopf in die Forschung investiert werde, reiche bei weitem nicht aus, wenn man Vergleiche mit den großen Wirtschaftsstaaten Japan und USA ziehe. 40 Milliarden D-Mark pro Jahr seien für die Forschung ein "Muss", um den Anschluss an die Weltspitze wieder zu erreichen, so Henkel. An die Politik gewandt, formulierte er sehr klar und direkt, dass sie nur auf Holzhämmer reagiere. Bisher seien Versprechungen nicht eingelöst worden.

Der Wirtschafts- und Wissenschaftsexperte forderte einen Wertewandel in der Gesellschaft, vor allem mehr Investitionen für die Forschung und plädierte für mehr Freiheit für Wissenschaft und Wettbewerb an Schulen und Universitäten, gegen Mittelmaß und für ein exzellentes Niveau, um so Spitzenleistungen zu erreichen. Der langanhaltende Applaus bestätigte, dass er den "Nerv" der Zuhörer getroffen habe, wie Professor Scheich resümierte.
Waltraud Rieß