Simulation des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen

Diplomaten der Zukunft in Peseckendorf

Eine konzentrierte Stille lag über dem Raum. Keiner der 13 Delegierten wagte, sie zu durchbrechen. Nur der an der Stirnseite des Tisches sitzenden Präsidentschaft oblag es, ihre Stimme wie ein Schwert durch diese Lautlosigkeit schneiden zu lassen. Nach einer kurzen, innigen Ruhe gewährte der Präsident dem Delegierten der Arabischen Republik Syrien das Wort. Es folgte ein scheinbar einstudiertes Erheben vom Stuhl, das freundliche Richten der ersten Worte an den Präsidenten und ...
(Fortsetzung folgt!)

Das Dezemberwochenende im vergangenen Jahr erwies sich für die Magdeburger Model United Nations Gruppe - kurz MadMUN - als eine einschneidende Erfahrung. Erstmals trafen sich die 13 Studenten zu einer mehrtägigen Simulation des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (natürlich nicht im weit entfernten New York, sondern gleich um die Ecke in Peseckendorf). An Ansporn fehlte es den "Diplomaten der Zukunft" dabei wahrlich nicht, konnten sie doch endlich alles theoretisch Erlernte praktisch anwenden.

Aber wer sind nun diese Studenten und was bewegte sie dazu, die Weltorganisation UNO in ihrer Struktur und Tätigkeit nachzuahmen?

Um diese Frage zu beantworten, muss ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit unternommen werden. Das Wintersemester 2000/2001 stellt in der Geschichte von MadMUN einen Meilenstein dar. Erstmals wurde eine Gruppe von Studenten unter der Leitung von Reinhard Wesel vom Institut für Politikwissenschaft in die Verfahrensweisen der UNO eingeführt und bald konsequent und konstruktiv auf die Simulationen der Vereinten Nationen vorbereitet. Die damals ebenfalls 13-köpfige Gruppe (MadMUN I) holte sich auch in Peseckendorf bei ihrer internen Simulation die ersten Erfahrungen auf dem "diplomatischen Parkett", komplettierte diese weitestgehend bei der deutschlandweiten Simulation (GerMUN 2001) und fand ihren krönenden Höhepunkt in New York bei der National Model United Nations (NMUN) Ostern vergangenen Jahres.

Das Sommersemester 2001 folgte. Ein Aufnahmeverfahren, welches über Seminar und Interview die Zusammensetzung der neuen Gruppe - nun natürlich MadMUN II - bestimmen sollte, gestaltete dessen Anfang. Als das MadMUN II-Team feststand, wurde "UNO-Aufbauarbeit" betrieben. Reinhard Wesel und neun der Ehemaligen (Ines, Nicole, Alex, Michael, Kaspar, Steffi, Thomas, Cora und Kai) bereiteten die neue Gruppe auf zukünftige Simulationen vor. Mit Schulungen über Struktur und Aufgabenfeld der UNO und der ersten Simulation in Peseckendorf bauten sie dabei das Grundgerüst, um das Team voller Vorfreude in den sich öffnenden GerMUN- und UNO-Himmel blicken zu lassen - Ende Februar 2002 in Wittenberg und Ostern 2002 in New York.

Weg vom Exkurs, zurück zur Gegenwart: Die 13 Studenten, welche sich in Peseckendorf im "Western Business Dress" erstmals als Vertreter souveräner Staaten gegenüber saßen, sind Alison, Sandy, Florian, Tanja, Antonia, Thomas, Katja, Andreas, Michaela, Paul-Gerhard, Claudia, Angelique und Marcus. Ob aus den Wirtschaftswissenschaften oder dem Bereich der Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften, sie sind sich nach der langen Vorbereitung dessen bewusst, was auf sie zukommen wird. Sie haben es nicht nur aus den Erlebnisberichten der MadMUNI erfahren, sondern schon am eigenen Leibe zu spüren bekommen, welchen Arbeitsaufwand das Projekt Model United Nations in sich birgt. Eines ist gewiss: Das neue Team schaut nach seiner eigenen Sicherheitsratssimulation mutig, einfallsreich und vor allem enthusiastisch in den zukünftigen Himmel.

... und das erste Wortgefecht Syriens mit den USA: Von Erpressung im Sicherheitsrat und von der Unfähigkeit im Nahost-Konflikt ist die Rede. Die Realität schlägt real durch. Der Ring war eröffnet für die "Diplomaten der Zukunft".

Kai Schäfer