Magdeburger Universitätschor begeisterte mit Benefizkonzert im Dom

Mit "Kleiner Messe" große Musik dargeboten

Im Hintergrund des Domes klickte leise das Foucaultsche Pendel. Es störte nicht. Denn nicht das Pendel, sondern der Magdeburger Universitätschor unter der Leitung von Kichenmusikdirektor Günther Hoff beanspruchte mit vollem Chorklang und den Stimmen der Solisten sowie Instrumente den weiten Kirchenraum. Auf dem Programm stand die Messe "Petit solennelle" von Gioacchino Rossini für Chor, vier Solostimmen, zwei Klaviere und Harmonium. Kirchenmusik, aber weniger feierlich und dunkel als vergleichbare Stücke. Auch in seinem Alterswerk lässt Rossini seinen reichen Einfällen natürlicher schöner Melodien freien Lauf. Die strengen Texte der Messe drücken nicht, sie werden lebensvoll und erheben. Das spürte das Publikum, als Chor und Solisten gefangen von Rossinis lebensvollen Melodien versuchten, die so ernsten Messeworte des christlichen Glaubens und Bekennens in den Kirchenraum und auf die Zuhörer zu übertragen. Höhepunkte setzte der gut gestimmte Uni-Chor vor allem bei den Doppelchören der Messe im Wechselgesang mit den Solisten.

Glänzende Solisten

Das Solistenquartett war glänzend besetzt. Jana Reiner (Dresden) sang souverän mit warmem, sicherem Sopran und vollendete mit dem "O salutaris hostia" ihren hervorragenden Eindruck. Kurzfristig war sie eingesprungen für die vorgesehene, aber erkrankte Sopranistin Marietta Zumbült. Frank Schiller (Weimar) war ebenfalls nur "Ersatzmann" für Mario Hoff, Bariton, ließ das aber in keiner Passage erkennen. Uwe Stickert (Weimar) führte einen hellen klaren Tenor und Britta Schwarz (Dresden) komplettierte mit ihrer schönen weit tragenden Altstimme das überzeugende Solistenquartett. Ihr gelang beim "Agnus Die" im Wechselgesang mit dem sichtlich beeindruckten Chor ein tief anrührender Ausklang der Messe mit der Bitte um Frieden (dona nobis pacem).

Die Begleitung trugen nur ein Harmonium (Stefan Nusser, Leipzig) und zwei Klaviere. Eine zu Rossinis Zeiten moderne Form zu begleiten. Für uns ein eher ungewohnter, etwas herber, aber dennoch sehr perlender Klang zu den Chor- und Solistenstimmen. Martin Hoff (Meiningen) saß schon im Alter von 15 Jahren an einem der Klaviere, als 1980 der Domchor die Rossini-Messe sang. Am zweiten Klavier ihm gegenüber jetzt seine Frau Anne Hoff. Die Notenblätter wendeten ihnen ihre Kinder Maria (13) und Cornelius (11). Sehr aufmerksame und ruhige Assistenten des Konzerts. So konnten die Besucher sehen, was sie wohl selten oder nie erleben: Der Dirigent setzte sich bei einigen Stücken an die Seite und hörte nur zu. Die drei Tasteninstrumente begleiteten so souverän, dass die Solisten eines Dirigenten nicht bedurften.

Der anhaltende Schlussapplaus bezeugte, dass Günther Hoff mit seinem Universitätschor und mit Rossinis "Kleiner Messe" an diesem Abend im Dom große Musik geboten hatten. Rossini hätte es gefreut. Er wollte diese Messe immer in einer Kathedrale hören und erleben.

Der finanzielle Ertrag des Benefizkonzertes übertraf die Erwartungen. 2000 Euro für die vom Hochwasser geschädigten SOS-Kinderdörfer "bene facere", "beißt", "wohltun".
Dr. Wolf-Dieter Wuttke