Multimedia@LSA - Zukunftsprojekte für Sachsen-Anhalt

Projekt Teledermatologie

Effektiv, patientenfreundlich, kostensparend - insgesamt sehr positiv bewertet wurde das Projekt "Teledermatologie" der Initiative "Multimedia@LSA - Zukunftsprojekte für Sachsen-Anhalt" Mitte Oktober 2002 auf einer Pressekonferenz. Beteiligt waren zwei niedergelassene Hautärztinnen, die Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, das Land, die Deutsche Telekom, Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung.

Telemedizin ist die Übertragung medizinischer Daten, wie Untersuchungsbefunde, klinische Photos, Ultraschallbilder, Befundbeschreibungen u.ä., auf elektronischem Weg. Durch diese Technik wird es örtlich getrennt arbeitenden Ärzten möglich, Befunde im Rahmen von Videokonferenzen zu diskutieren. Im Projekt "Teledermatologie" stehen vor allem Differenzialdiagnosen bei Patienten mit Verdacht auf Schwarzen Krebs (Malignes Melanom) im Vordergrund. Niedergelassene Hautärztinnen aus Burg und Wittenberg senden via ISDN-Verbindung Befunde und Aufnahmen der Patienten an die Universitätsklinik nach Magdeburg, um ihre Diagnosen den Experten direkt vorstellen zu können. In einem Konsil wird dann oft sofort entschieden, ob es sich um ein Malignes Melanom oder eine Vorläuferläsion handelt und in welchem Ausmaß eine Operation des Patienten erforderlich ist oder welche weitere Diagnostik sich gegebenenfalls anschließen muss. Durch die teledermatologische Konferenz kann ebenfalls entschieden werden, ob und wann ein Patient das Kompetenzzentrum, in diesem Falle die Unihautklinik in Magdeburg, aufsuchen sollte.

Positive Resonanz

In dem seit zwei Jahren laufenden Projekt ist es vornehmlich darum gegangen, den qualitätsverbessernden Aspekt der Teledermatologie in Hinsicht auf die technische Qualität der Telediagnostik und unter gesundheitsökonomischen Aspekten der Kosteneinsparung durch Verminderung von Patientenanreisen und Berufsausfallzeiten zu evaluieren. Nur 16 Prozent der betroffenen Patienten mussten nach Magdeburg fahren. Ohne Teledermatologie hätten 76 Prozent in die Universitätsklinik überwiesen werden müssen. "In Anbetracht der steigenden Inzidenz von bösartigen Neubildungen gerade in der Dermatologie sind die im Projekt gezeigten Ergebnisse sehr ermutigend, um mit dem wachsenden Bedarf an Diagnostik besser umgehen zu können", schätzt Prof. Dr. Harald Gollnick von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie ein. Für die Zukunft könne sich Professor Gollnick sogar Online-Bereitschaftsdienste von erfahrenen Oberärzten im Kompetenzzentrum mit festen Zuschaltzeiten der niedergelassenen Fachärzte vorstellen.

"Aus meiner Sicht ist die Möglichkeit, kurzfristig mit Kollegen des Referenzzentrums oder anderen niedergelassenen Fachkollegen über ,unklare' Befunde bei komplizierten Krankheiten zu diskutieren, sehr hilfreich für die eigene medizinische Arbeit", unterstreicht die am Projekt beteiligte Hautärztin aus Burg, Dr. Marlies Arensmeier. Dr. Gabriele Merk, Hautärztin in Wittenberg, schätzt ein: "Die ausnahmslos positive Reaktion auf das Projekt war sehr erfreulich. Ich gewann den Eindruck, dass die Teledermatologie auch dem Patient-Arzt-Vertrauensverhältnis förderlich war. Offenbar ist das Betreutsein- und Geborgenheitsgefühl der Patienten positiv beeinflusst worden."

Zu einem positiven Urteil kommt auch das wissenschaftliche Begleitgutachten des Forschungs- und Entwicklungsinstituts für Sozial- und Gesundheitswesen Sachsen-Anhalt (FEISA), das von der Kassenärztlichen Vereinigung sowie den Landesverbänden der Krankenkassen in Auftrag gegeben wurde. Ein großer Vorteil in der Nutzung der Teledermatologie besteht, so Prof. Dr. Stefan Felder, in der Einsparung von Zeit- und Fahrtkosten für die Patienten. Bei hoher Ausschlussgüte der Verdachtsdiagnosen könne zudem die Zahl der operativen Eingriffe gesenkt und die damit verbundenen Kosten und Unannehmlichkeiten für die Patienten vermieden werden.

Der Gesundheitsminister des Landes, Gerry Kley, würdigte das Projekt "Teledermatologie" als "innovativen Fingerzeig in die Zukunft". Auch von den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung wird das Projekt als für die Patienten positiv angesehen. Und doch kann diese Neuerung nicht in Serie gehen. Denn es fehlt im Augenblick an einer Möglichkeit, teledermatologische Leistungen zu Lasten der Krankenkassen abrechnen zu können, d.h. für den damit verbundenen Mehraufwand erfolgt keine Honorierung. Das könnte sich erst ändern, wenn diese modernen Diagnoseverfahren Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung finden.
Ines Perl