Absolventen trafen sich nach 40 Jahren wieder an der Uni

Der Schweißtechnik treu geblieben

Das Studium begann im August 1956 an der Hochschule für Schwermaschinenbau in Magdeburg. Das Vorpraktikum in einem Schwermaschinenbaubetrieb, die ständigen Ernteeinsätze, die Mitgliedschaft in der FDJ, die Teilnahme an Maidemonstrationen und an den zahlreichen "Subbotniks" waren obligatorisch.

Nach dem äußerst schwierigen dreijährigen Grundstudium bis zum Vordiplom, das für alle Fachrichtungen gleich war, trafen sich 25 Studenten und eine Studentin im Institut für Schweißtechnik, welches damals vom Nestor der Schweißtechnik, Professor Hans Neese geleitet wurde. Als Bedingung für die Aufnahme in der Fachrichtung Schweißtechnik galt der Besitz einer Schweißerprüfung, entweder Lichtbogen- oder Autogenschweißen.

Schweißproben aus Schrott

Mit Begeisterung und großem Enthusiasmus wurde das Studium absolviert. Es war für die angehenden Schweißtechniker selbstverständlich, daß sie tatkräftig mithalfen, die Bautätigkeit am Institut voranzutreiben und die für Lehre und Forschung notwendigen Ausrüstungen zu vervollständigen. Das Material für Schweißproben wurde von den Studenten aus dem Schrott der Großbetriebe selbst beschafft und zugeschnitten.

Zum Leiter, zu den Dozenten und Assistenten des Institutes entwickelte sich durch die enge Zusammenarbeit ein freundschaftliches, kameradschaftliches - wenn auch von Respekt getragenes - Verhältnis. Daraus erwuchs die Kraft für eine hohe fachliche Leistungsfähigkeit, für die Ausbildung hochqualifizierter Fachleute und die Formung eines selbstbewußten, strebsamen Charakters der Studenten.

Zu diesem Ergebnis haben auch die regelmäßigen kulturellen Ereignisse beigetragen, wie z.B. Gestaltung der Feierlichkeiten nach Promotionsverteidigungen der Angehörigen des Lehrkörpers, geschlossene Teilnahme am Hochschulkarneval und an den hochschulspezifischen Rosenmontagsumzügen, Gründung der Schweißerzunft, Durchführung zahlreicher Schweißertreffs mit strengem Reglement usw. All diese Aktivitäten brachten den Schweißtechnikern der Hochschule einen berühmt-berüchtigten Ruf ein.

Ausgezeichnete Ausbildung

Im Jahre 1962 konnten 22 Studenten und eine Studentin ihr Fachstudium mit dem Diplom abschließen. Davon blieben zwei am Institut, zwei gingen zum Zentralinstitut für Schweißtechnik in Halle/Saale und die anderen arbeiteten als Schweißfachingenieure in die Industrie oder in Ministerien. Nach 40 Jahren trafen sie sich im Oktober 2002 am Ursprungsort ihrer akademischen Ausbildung, am Ausgangspunkt für ein mit vielen Schwierigkeiten verbundenen kämpferischen Lebens wieder. Von 23 Absolventen waren 20, teilweise mit ihren Ehepartnern, anwesend.

Die Vorstellungs- und Rückschaurunde ergab, daß alle ihren Platz in der Wirtschaft erfolgreich ausgefüllt haben. Die meisten blieben der Schweißtechnik treu. Je nach Arbeitsstelle und Tätigkeit konnten einige technisch-wissenschaftliche Dissertationen verteidigen, andere wurden zu "Haudegen" der Industrie.

Rückblickend auf die geleistete Arbeit und auf die eigene Karriere wurde in feierlicher Form - im Rahmen des abschließenden Schweißertreffs - allen anwesenden und nicht anwesenden Hochschullehrern für die ausgezeichnete Ausbildung und die menschliche Formung - als Rüstzeug für ein stabiles und erfolgreiches Leben - herzlichst gedankt.
Rolf Schmidt