Eike-von-Repgow-Preis

Erinnerung an Vergangenes

Zum fünften Mal verliehen die Landeshauptstadt Magdeburg und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in diesem Jahr den Eike-von-Repgow-Preis. Zum ersten Mal komme der Preisträger aus Sachsen-Anhalt, einem Land, in dem Eike von Repgow, der Verfasser des Sachsenspiegels, seine Wurzeln habe, betonte Rektor Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann. Auf einem Festakt in der Johanniskirche nahm Mitte Oktober 2002 Heiner Lück, Professor für Bürgerliches Recht sowie Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, den Preis entgegen. "Sie befördern eine größere Verbreitung des Wissens um Eike von Repgow, den Sachsenspiegel und das in Sonderheit in Ost- und Mitteleuropa gebrauchte Magdeburger Recht", würdigte Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper den Preisträger. Es sei notwendig, die Erinnerung an die Vergangenheit aufrecht zu erhalten, unterstrich Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz. Zugleich müssten mit der Anerkennung der Leistungen der Vergangenheit aber auch die gemachten Fehler erkannt werden und aus ihnen Erkenntnisse für die Zukunft geschöpft werden.

Mit dem Preis möchten Landeshauptstadt und Universität die verdienstvollen Forschungen von Professor Heiner Lück auf dem Gebiet der mitteldeutschen Rechts-, Universitäts-, Akademie-, Wissenschafts- und Kulturgeschichte würdigen. Seit seiner Promotion beschäftigt er sich mit dem Sächsischen Recht, insbesondere mit Eike von Repgow und dem Sachsenspiegel, sowie der Entwicklung und Ausstrahlung des Magdeburger Rechts. Der Preisträger gilt heute als einer der besten Kenner der rechtsgeschichtlichen und kulturhistorischen Problematik des Magdeburger Rechts und seiner Einflüsse auf den mittel- und osteuropäischen Raum. 1999 veröffentlichte Professor Lück sein Buch Über den Sachsenspiegel - Entstehung, Inhalt und Wirkung des Rechtsbuches. Derzeit beteiligt er sich maßgeblich an der Neuausgabe der Dresdner Bilderhandschrift des Sachsenspiegels, des bedeutendsten deutschen Rechtsbuches des Mittelalters. Seit 2001 ist der Rechtsprofessor Stellvertretender Sekretar der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und Mitglied des Präsidiums.

In seinem Festvortrag "Magdeburger Forschungen zum Magdeburger Recht (1933-1945)" ist Prof. Dr. Heiner Lück auf die Arbeit des Instituts zur Erforschung des Magdeburger Stadtrechts, das vor 60 Jahren in Magdeburg angesiedelt war, eingegangen. Es hatte die Sammlung und Edition aller noch vorhandenen Magdeburger Schöffensprüche und Rechtsmitteilungen zur Aufgabe. Kopien dieser zusammenzutragen war nach der Zerstörung des Archivs des Magdeburger Schöffenstuhls 1631 besonders schwierig.

Mit der gemeinsamen Vergabe des Eike-von-Repgow-Preises - bestehend aus einer Bronze-Statuette des Bildhauers Heinrich Apel, die Eike von Repgow darstellt, einer Ehrenurkunde und 2 500 Euro - würdigen die Landeshauptstadt und die Universität die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte und Kultur Mitteldeutschlands und des Gebietes der mittleren Elbe. Zugleich wird mit der Preisverleihung Eike von Repgow als eine bedeutende Persönlichkeit des Mittelalters geehrt, die auf dem Boden Sachsen-Anhalts gewirkt hat und an die Verbindung des mitteldeutschen Raums mit anderen Teilen Europas erinnert.
Ines Perl