Zum Sommerkurs "Japanese Culture, Science and Technology" an der Universität Niigata

Japanischunterricht, Karaoke, Laborbesuch und neue Freunde

15 Studierende aus erstmals mehreren Fakultäten unserer Universität machten sich Ende August 2002 für drei Wochen auf den Weg in eine uns Europäern recht fremdartige Welt. Ziel war es, als Teilnehmer des "Summer School"-Austauschprogramms mit der Universität Niigata, einen Einblick in "Japanese Culture, Science and Technology" zu erhalten. Uns erwartete ein gut organisiertes Programm. Jeder war einzeln bei einer japanischen Gastfamilie untergebracht. Wochentags hatten wir in den Vormittagsstunden Japanischunterricht. Er gestaltete sich abwechslungsreich. Täglich wechselnd wurden insgesamt fünf Lehrkräfte eingesetzt, die wiederum verschiedene Techniken der Lehre verwendeten. Der Hauptschwerpunkt lag jedoch auf dem Sprechen der Sprache, da das Erlernen der Schrift, bestehend aus Hirakana, Katakana und Kanji, nur über einen sehr langen Zeitraum möglich ist.

In den Nachmittagsstunden waren wir, unseren Studienrichtungen entsprechend, auf Labore aufgeteilt. Dort nahmen wir an der kleinen abgeschlossenen Welt forschender japanischer Studenten teil. Diese verbringen auch in den Semesterferien große Teile ihrer Zeit in den Laboren, so daß auch beispielsweise Fitneßgeräte dort nicht fehlen dürfen. Unsere Anwesenheit bot Gelegenheit des Vorstellens ihrer Arbeiten und Arbeitsweisen, eigene "Gehversuche" der Mitarbeit unsererseits und reichhaltige Erfahrungen im Managen von sprachlichen Hürden. Dies alles mündete schließlich in vielen gemeinsamen Unternehmungen zum gegenseitigen Kennenlernen und führte letztlich zu längerfristigen Freundschaftskontakten.

Ergänzt wurde das Programm mit zahlreichen Exkursionen. Einer der Höhepunkte war der dreitägige Ausflug auf die Insel Sado, westlich der Insel Honshu, auf der Niigata liegt. Hier hat die Universität Niigata eine kleine Außenstelle. Dort erlebten wir die Vielfalt der Natur Japans, erkundeten die Insel per Bus, angelten, badeten und genossen einen unbeschreiblichen Sonnenuntergang. Neben diesem Ausflug wurden uns noch eine Menge vielfältiger Ausflüge, teils laborindividuell, geboten, um einen kleinen Einblick in die Arbeitskultur und Technologien der japanischen Gesellschaft zu erlangen. So seien hier stellvertretend das Atomkraftwerk Kashiwazaki, die BSN-Broadcasting Station in Niigata und die Mitsubishi Gas Chemical Company in Niigata genannt, um die Vielfalt anzudeuten. Andere Ausflüge führten uns zu Sehenswürdigkeiten wie die Tempel und Schreine von Nikko, den Berg Fuji und zu interessanten Ecken und Plätzen Tokyos.

Ebenso von der Universität organisiert, erlebten wir ein Fußballspiel im neuen Stadion "Big Swan" von Niigata und fuhren zum Feuerwerk nach Katagai, nach japanischen Angaben das Weltgrößte seiner Art.

An den Wochenenden kamen auch unsere Gastfamilien zu ihrem Recht und entführten uns in diverse Museen, Bowling-Center, Restaurants, zu heißen Quellen und anderen Sehenswürdigkeiten und auch Feiern. Dem Gastfamilienkonzept ist es überhaupt zu verdanken, daß jeder individuell durch die Integration in die japanische Familie einen großen Schatz einzigartiger Erfahrungen sammeln konnte.

Zum Abschied gab es zum einen eine offizielle Feier, auf der wir wie so häufig feststellen konnten, daß Japaner sich Pünktlichkeit auf die Fahne geschrieben haben. Nach genau zwei Stunden war Schluß und das Buffet wurde abgeräumt. Aber im Anschluß entwickelte sich an einem schönen Sommerabend auf der großen Treppe vor dem Gebäudeeingang eine spontane Fortführung mit Lagerfeueratmosphäre bei Gitarrenmusik. Natürlich durfte andererseits auch die landestypische Karaokeparty nicht fehlen, und wir konnten am Tag nach der Abschiedsfeier erleben, daß dabei auch die im Geschäftsleben am konservativsten scheinenden Japaner "die Sau rauslassen".

Das insgesamt rundum gelungene Unterfangen des kulturellen Austausches erfährt derzeit eine Fortsetzung.

Momentan sind einige japanische Studenten für einen längerfristigen Aufenthalt in Magdeburg, die wir in Niigata kennengelernt haben. Somit konnten wir ihnen einen leichteren Start ermöglichen. Und es werden noch einige gemeinsame Unternehmungen folgen. Benjamin Bialluch