Mit einem Humboldt-Stipendium in Magdeburg

Die Erscheinung eines Königs

Magdeburg kannte Dr. Lu-Qun Zhou von den Versuchen mit den "Magdeburger Halbkugeln". Über Otto von Guericke hatte sie einiges in der Schule im Physikunterricht und während ihres Physikstudiums gelernt. Da Otto von Guericke schon so alt ist, in diesem Jahr feiert man schließlich seinen 400. Geburtstag, hatte sie immer angenommen, die Universität, die seinen Namen trägt sei auch eine sehr alte Universität. Inzwischen weiß die junge Physikerin von der Universität Peking, das Magdeburg eine sehr junge und moderne Universität hat. Immer wieder sei sie begeistert, wieviel in diese Forschungs- und Bildungsstätte investiert werde, wie viel Neues entstehe, wie groß das Engagement ist, um sie auszubauen und sie weiter zu entwickeln. "Die Universität ist ein sehr wichtiger Teil der Stadt", meint die junge Wissenschaftlerin.

Mit einem Humboldt-Stipendium kam sie von China nach Deutschland. "Ich bin der Alexander von Humboldt-Stiftung sehr dankbar, dass mir mit dem Stipendium die Arbeit als Post-doc hier in Magdeburg ermöglicht wird", sagt Dr. Lu-Qun Zhou. Bevor sie ihr Weg jedoch nach Magdeburg führte, lernte sie vier Monate in Dresden die deutsche Sprache, aber mit Englisch ist die Verständigung doch etwas leichter. Zudem trifft sie im Team ihres Host-Professors Dr. Stefan Müller, viele andere internationale Wissenschaftlerkollegen. Professor Müller lernte die junge Frau kennen, als dieser ihre Arbeitsgruppe am Department of Physics an der Universität Peking besuchte. Er übernahm gern die Funktion des Host-Professors, des wissenschaftlichen Gastgebers.

Inzwischen arbeitet die promovierte Physikerin seit zehn Monaten am Institut für Experimentelle Physik in der Arbeitsgruppe Biophysik. Sie untersucht wie sich der Effekt des Rauschens auf die Belousov-Zhabotinsky-Reaktion, ein Modellsystem zur Untersuchung der Strukturbildung in erregbaren Medien, auswirkt. Die Entstehung und Fortpflanzung solcher Wellenfronten zu kontrollieren, ist nicht nur für chemische Systeme wichtig, sondern auch für die Erregungsleitung in der Kardiologie und Neurophysiologie. Dass die auftretenden Wellen durch das Rauschen stabilisiert werden können, hatten bereits andere Forschergruppen herausgefunden. Dr. Lu-Qun Zhou nun beobachtet die Synchronisation des Verhaltens der Wellen durch das Rauschen. Dazu hat sie einen Versuchsaufbau für völlig neuartige Experimente erarbeitet. "Die Kollegen aus der Arbeitsgruppe haben mir sehr bei meiner Arbeit geholfen und mich immer sehr unterstützt", ist die junge Frau voll des Lobes.

Ganz begeistert ist sie auch von der Stadt Magdeburg. Alles sei viel ruhiger, gemütlicher, weniger hecktisch als in der Millionenmetropole Peking. Am liebsten aber mag sie den majestätischen Dom. Seine Erscheinung sei die eines alten Königs. In China würden nur neue, moderne Gebäude so hoch in den Himmel ragen wie der Dom. Alte Tempelanlagen wurden einst zwar sehr großflächig, aber eben auch sehr flach gebaut.
Ines Perl