Professoren und Dozenten gehen in die Schule

Werbung für Mathematik

Das Image der Mathematik in der Schule ist nicht das Beste: Die Anzahl der Leistungskurse geht zurück und der Eindruck, ein trockenes Fach ohne jede Anwendung zu sein, das nur dazu gedacht ist, Schülerinnen und Schüler zu ärgern, ist leider weit verbreitet.

Die Magdeburger Fakultät für Mathematik (FMA) ist sich darüber im Klaren, dass sie den Schulen und dort insbesondere den engagierten Mathematiklehrern und -lehrerinnen helfen muss, das Bild der Mathematik zurechtzurücken, um beim Wettbewerb um Studienanfänger nicht ins Hintertreffen zu geraten. Aus diesem Grunde hat die FMA ein interessantes Vortragsangebot erarbeitet, mit dem sie in Schulen präsent ist. Ein besonderes "Highlight" dieser Art war kürzlich die Mitwirkung der Fakultät bei der Gestaltung eines Tages der Mathematik im Gymnasium am Bötschenberg in Helmstedt. Das zeigt, wie weit der gute Ruf der Mathematik in Magdeburg mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinausreicht. Von den Helmstedter Lehrerinnen und Lehrern wurde versichert, dass Magdeburg für viele

Schülerinnen und Schüler ein interessanterer Standort als Braunschweig sei. Hier kann ergänzt werden, dass auch das Marie-Curie-Gymnasium in Ludwigsfelde (Brandenburg) schon bei den Magdeburgern angeklopft hat und wir auch dort bereits vor Ort Werbung gemacht haben, nicht nur für die Mathematik in Magdeburg, sondern für die innovative Otto-von-Guericke-Universität insgesamt.

Ein Experiment

Was haben die Magdeburger nun speziell in Helmstedt gemacht? Dort wurde Mitte Oktober 2002 ein Experiment "Schüler unterrichten Schüler" durchgeführt. Das geschah im Rahmen eines Tages der Mathematik, der ganz von den Fachlehrerinnen und -lehrern des Helmstedter Gymnasiums vorbereitet wurde. Im Anschluss daran haben vier Magdeburger Dozentinnen und Dozenten im Rahmen einstündiger Vorträge über ihre Arbeitsgebiete berichtet. Alle Vortragenden waren sich einig: Die Aufmerksamkeit der Schüler und Schülerinnen war ganz hervorragend (so etwas wünscht sich so mancher Professor in seinen Riesenvorlesungen mit über 500 Zuhörenden ...). Es wurden Fragen gestellt, die zeigten, dass sehr wohl den manchmal etwas schwierigen Ausführungen zu folgen war.

Nach den Vorträgen gab es eine kurze Pause, die von der Zentralen Studienberatung genutzt wurde, um Fragen rund um den Studienbeginn und die Bewerbung um einen Studienplatz zu beantworten. Diese Aufgabe hatte Ulrich Schmidt übernommen.

Eine Podiumsdiskussion

Höhepunkt war dann eine sehr spannende Podiumsdiskussion zu dem Thema "Wieviel Mathematik braucht der Mensch". An dieser Runde nahmen zwei Forscher der Entwicklungsabteilung von VW in Wolfsburg (Dr. Dieter Bischoff und Dr. Karin Spors), die Helmstedter Stadtdirektorin (Elisabeth Heister-Neumann) sowie, als Fachvertreter, der Dekan der Fakultät für Mathematik, Prof. Dr. Alexander Pott, und Dr. Michael Höding, Mitarbeiter am Institut für Optimierung, teil. Es wurde deutlich, dass Mathematik in sehr vielen Fächern eine ganz wesentliche Rolle spielt. Sicher gibt es auch Fächer, z.B. Geschichte, in der die Mathematik nicht benötigt wird. Aber, so die Frage der Stadtdirektorin Heister-Neumann, wer weiss denn heute schon, auf welchem Gebiet er oder sie später einmal arbeiten wird. Und da kann es schnell passieren, dass man in einem Umfeld landet, wo die Mathematik doch eine eher große Rolle spielt. Gerade die Schüler und Schülerinnen, aber auch die Vertreter von VW haben angemahnt, die Ausbildung in Schule und Hochschule praxisorientierter zu gestalten. Naturgemäß sind dem aber Grenzen gesetzt. Im Zuge eines vielleicht sehr modern wirkenden problemorientierten Unterrichts darf die Mathematik nicht verwässert werden.

Der Helmstedter Tag der Mathematik war ein voller Erfolg, auch dank des Einsatzes Magdeburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Neben Professor Pott und Dr. Höding haben sich auch Dr. Eva Schuster und Prof. Friedrich Juhnke beteiligt. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Schulen ähnliche Aktionen durchführen und so das Bild der Mathematik in der Öffentlichkeit verbessert wird, letztlich mit dem Ziel, die Studierendenzahlen in diesem spannenden Studienfach, das nach erfolgreichem Abschluss hervorragende berufliche Perspektiven bietet, zu erhöhen.
Prof. Dr. Alexander Pott