Landesrektorenkonferenz

Von PISA-Studie bis Globalhaushalt

Das für das deutsche Bildungssystem mit der PISA-Studie ausgestellte schlechte Zeugnis war für die Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt Anlass, eine Stellungnahme zu erarbeiten und sie der Presse vorzustellen. "Auch wenn wir mit der inhaltlichen Auswertung der PISA-Studie bis zum Vorliegen länderspezifischer Angaben warten möchten, lassen sich doch einige Ergebnisse der Studie verallgemeinern", erläuterte Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann, Präsident der Landesrektorenkonferenz (LRK).

Defizite bestätigt

Das Ergebnis der Studie, dass es eine Spitze von sehr gut ausgebildeten und hochbegabten Studienberechtigten gebe, sei zu bestätigen, heißt es in der Stellungnahme. Dem stehe aber ein großer Prozentsatz von Studienberechtigten gegenüber, die erhebliche Defizite aufweisen. Bestätigen lasse sich, dass die aufgeführten Mängel in der Lesekompetenz bzw. in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten für einen großen Teil der Abiturienten zutreffen. Deshalb schlagen die Rektoren vor, dass Gymnasien und Hochschulen intensiv darüber in den Dialog treten sollten, was Studierfähigkeit bedeutet und wie diese gesichert werden könne. Eine Rückkehr zur zwölfjährigen Schulzeit würde größere Spielräume für beispielsweise Brückenkurse und propädeutische Lehrveranstaltungen ermöglichen. Darunter verstehen die Rektoren z.B. Ferienkurse an den Hochschulen zur Erweiterung der mathematischen oder Sprach-Kenntnisse der Abiturienten oder zur Verbesserung der Fähigkeiten, Texte lesend zu erfassen und zusammenzufassen.

Weiterhin halten es die Hochschulrektoren für notwendig, dass die Studienberatungen intensiviert werden sollten. Des Weiteren wird empfohlen, die Studierfähigkeit für bestimmte Studiengänge, beispielsweise durch Begabungstests zu prüfen und die Studieneingangsphase mit einer Evaluierung zu beenden, die eine Prognose über den zu erwartenden Studienerfolg zulässt.

Die PISA-Studie sollte Anlass geben, das Bildungssystem in Deutschland von Grund auf kritisch zu prüfen heißt es weiter in der Stellungnahme. Die Schulen können nur erfolgreich sein, wenn sie angemessen ausgestattet würden, über motivierte Lehrer verfügten und von den Eltern regelmäßig unterstützt würden.

Untersuchungen des Instituts für Hochschulforschung in Wittenberg zur Studierwilligkeit der sachsen-anhaltischen Abiturienten gaben Anlass, das Image der Hochschulen im Land genauer zu betrachten. Der Studie zufolge sei die Studierwilligkeit zwar gestiegen, jedoch hätten sich immer weniger junge Menschen dazu entschlossen, sich an einer Hochschule oder Universität in Sachsen-Anhalt einzuschreiben. Die Schlussfolgerung, dass die sachsen-anhaltischen Hochschulen weniger gefragt seien, könne durch das tatsächliche Immatrikulierverhalten jedoch überhaupt nicht gestützt werden, informierte Prof. Dr. Marianne Assenmacher, Rektorin der Hochschule Harz und Vizepräsidentin der LRK. Dennoch dürfe nicht nachgelassen werden in den Bemühungen, Schülerinnen und Schüler für ein Studium in Sachsen-Anhalt zu interessieren. Dies sei eine Gemeinschaftsaufgabe von Schulen, Hochschulen, Wirtschaft und Politik.

Finanzielle Ausstattung

Positiv bewertete die Landesrektorenkonferenz deshalb die Entscheidung in der Hochschulpolitik des Landes, 2003 an den Universitäten den Globalhaushalt einzuführen. Sie wertete ihn als deutlichen Gewinn für die Effektivität. Ebenso positive Bedeutung misst die LRK der gegenwärtigen finanziellen Ausstattung der Hochschulen im Land bei. Von den 13 Flächenländern liegt Sachsen-Anhalt an 4. Stelle bei den Ausgaben für diesen Bereich. Gravierende Einschnitte jedoch befürchten die Landesrektoren durch die drohenden globalen Minderausgaben.
Ines Perl