Center of Advanced Imaging in Magdeburg

Immer mehr weiße Flecken auf Karte des Gehirns erschließen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmbf) hat entschieden, dass am Standort Magdeburg ein "Center for Advanced Imaging (CAI)" etabliert wird und dieses den Zuschlag für die Einrichtung eines Sieben-Tesla-Kernspintomographen erhält. Ausschlaggebend für beide Entscheidungen war die Befürwortung durch internationale Expertenkommissionen. Kultusminister Dr. Gerd Harms sieht in diesem Doppelerfolg eine Bestätigung der Landespolitik im Hochschulbereich, die gekennzeichnet sei durch ausgeprägte Schwerpunktbildung und Konzentration der Ressourcen. "Wir haben alle beharrlich durch Leistung überzeugen können", unterstrich der Minister.

Vor einen Jahr hatten sich etwa 30 Antragsteller für die Förderung als ein Zentrum für fortgeschrittene Bildgebung beim bmbf beworben. Fünf erhielten den Zuschlag, unter ihnen Magdeburg. An diesem CAI sind Kliniken und Institute unserer Universität, das Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg sowie das Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Bremen gemeinsam beteiligt. Es ist ein zentraler Baustein der kognitiven Neurowissenschaften in Magdeburg und Bremen und integriert Medizin, Biologie, Psychologie, Computer- und Geisteswissenschaften.

Hirnprozesse untersuchen

Der wissenschaftliche und klinische Schwerpunkt des CAI ist die Analyse der neuralen Mechanismen höherer Hirnfunktionen des Menschen. Es soll untersucht werden, welche Hirnprozesse die geistigen Leistungen des Menschen, nämlich Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Gefühle und Vorstellungen, vermitteln. Auf der Basis solcher Grundlagenuntersuchungen hoffen die Wissenschaftler, für die Behandlung von Patienten, die an Störungen dieser geistigen Leistungen leiden, pharmakologische, chirurgische und rehabilitative therapeutische Konzepte entwickeln zu können. Angestrebt wird, mittels moderner Verfahren die natürliche Umgebung eines Menschen so abzubilden, dass sein Verhalten dieser Realität angemessen erfasst werden kann.

Dazu stehen in Magdeburg u.a. mit einem Drei-Tesla- und einem 1,5-Tesla-Kernspintomographen sowie einem Ganzkopf-Magnetencephalographen bereits modernste Geräte der Bildgebung zur Verfügung. Neben der Installation eines weiteren Drei-Tesla-Kernspintomographen ist die Errichtung eines Gerätes mit sieben Tesla Feldstärke vorgesehen. Damit wird Magdeburg der erste Standort in Europa sein, an dem die Möglichkeiten von Technik dieser Größenordnung erkundet werden können, denn bisher existieren erst zwei solcher Geräte in den USA. Europäische Union, Bund und Land stellen für dieses Projekt, für das sich der Kultusminister besonders einsetzte, bis zu zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Die neue Bildgebungstechnologie ermöglicht es, die Arbeit der Nervenzellen und ihre Störungen in jedem Winkel des Gehirns berührungslos und ohne schädliche Nebenwirkungen zu beobachten. Konkret ließe sich jedoch noch nicht sagen, welche Ergebnisse bei diesem Vorstoß ins Ungewisse herauskommen, meint Prof. Dr. Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts Magdeburg. Es sei wie eine Goldgräberzeit für die Kernspintomographie, in der immer mehr weiße Flecken auf der Karte des menschlichen Gehirns erschlossen würden.

Neuroscience School

In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten neurologischen und psychiatrischen Einrichtungen werden Patienten mit diffusen und umschriebenen Hirnläsionen nach Schlaganfall, Hirnverletzung, Entzündungen, Anfallsleiden, Bewegungserkrankungen sowie bei schizophrenen und depressiven Erkrankungen untersucht und behandelt. Gemeinsam mit der Informatik werden Verfahren zur Berechnung bestimmter Hirnfunktionen und deren Integration in natürliche Umgebungssituationen erarbeitet.

Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Direktor der Klinik für Neurologie II und federführend bei der Antragstellung zur Einrichtung eines CAI, weisst noch auf ein weiteres besonderes Merkmal hin: die Verbindung zum ebenfalls vom bmbf geförderten Bildgebungszentrum in Berlin, auf deren Grundlage eine internationale “Neuroscience School" im Bereich der Grundlagenforschung und Klinik etabliert werden soll. Sie eröffnet jungen qualifizierten Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, unter Anleitung eines internationalen Advisory Boards eine effektive spezialisierte Ausbildung zu absolvieren.
Ines Perl