Junge Pianistin beeindruckte Diplom-Prüfungskommission und Publikum gleichermaßen

Mit Gewandtheit am Klavier

Diplomprüfungen finden in der Regel im Seminarraum, möglicherweise auch im Labor statt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ganz anders hingegen bei den Absolventen der künstlerischen Ausbildung am Institut für Musik. Sie stellen sich in ihren Diplomkonzerten neben der Prüfungskommission auch einem öffentlichen Publikum. So auch Doreen Pichler. Sie hatte zudem liebe Freunde, Bekannte und Verwandte ins Kloster Unser Lieben Frauen eingeladen, ihr in die Zauberwelt des Klavierspiels zu folgen.

Die junge Pianistin begann 1995 am Institut für Musik als eine der Ersten, Musikpädagogik mit dem Hauptfach Klavier zu studieren. Für ihr Diplomkonzert hatte sie gemeinsam mit ihrem Lehrer, Hermann Müller, der sie fachlich durch ihr Studium führte, ein facettenreiches Programm mit Werken aus den verschiedensten Stilepochen zusammengestellt. Von Barock über Romantik bis zur Moderne führte sie das Publikum auf eine musikalische Zeitreise. Ihre Interpretationen im Soloteil reichten von Werken Johann Sebastian Bachs und Ludwig van Beethovens über Stücke von Franz Liszt und Frédéric Chopin bis hin zu einer Sonate von Sergej Prokofjew. Und alles ganz ohne Notenblätter. Sehr sicher und fließend wechselte ihr Spiel zwischen kraftvoll und energisch, flott und lebendig, aber auch gefühlvoll und einfühlsam.

Ein hohes Niveau und ein gutes Stilbewusstsein bescheinigte dem Prüfling Jochen Köhler, Professor für Klavier am hiesigen Institut. Sie spiele mit viel Engagement und Gewandtheit, habe sich ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm mit einem großen Schwierigkeitsgrad für ihre Prüfung ausgewählt. Nicht nur beim Publikum habe Doreen Pichler einen außergewöhnlich starken Eindruck hinterlassen.

Ebenso wunderbar wie ihre Soli gestaltete Doreen Pichler den Ensembleteil ihres Konzertes. Als Begleiterin konnte die Studentin 1995 bereits den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" erreichen. Als Solistin konzertierte sie mit dem Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde unter der Leitung von Helmut Hagedorn. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen Ulrike Huth, Blockflöte, Stefan Lill, Tenor, Stefanie Fels, Sopran, und Walter Kruse, Klarinette, brachte sie im Ambiente eines stimmungsvollen Konzertsaals Werke von Gordon Jacob, Carl Loewe und Franz Schubert zur Aufführung. Einen vollendeten Abschluss ihres fast zweistündigen Diplomkonzerts bot Doreen Pichler gemeinsam mit Christiane Biewald einem begeisterten Publikum in der Aufführung des Concertinos op. 94 für zwei Klaviere von Dimitri Schostakowitsch.

Vor dem immer wieder applaudierenden Publikum hatte Doreen Pichler ihre Prüfung längst mit Bravour bestanden als sich die Prüfungskommission zurückzog, um ihr nach der Beratung sowohl für den Soloteil als auch für den Kammermusikteil eine sehr gute Leistung zu bestätigen.

Ines Perl