Studienangebot über Fakultätsgrenzen hinweg

Allgemeine Methodenkompetenz

In dem gerade zu Ende gegangenen Wintersemester konnten sich an der Guericke-Universität erstmals Studierende in den Studiengang "Systemtechnik und Technische Kybernetik" einschreiben. Über dieses neue Studienangebot, das die Fakultäten für Verfahrens- und Systemtechnik sowie für Elektrotechnik und Informationstechnik in enger Kooperation mit dem Max-Planck-Institut in Magdeburg anbieten, und berufliche Aussichten für künftige Absolventen sprach Uni-Report mit Prof. Dr. Kai Sundmacher, der gemeinsam mit Prof. Dr. Jörg Raisch die Studienfachberatung betreut.

 

Was waren die auslösenden Momente, diesen Studiengang einzurichten?
Zunehmend ist in der Industrie, insbesondere der chemischen, die Tendenz zu beobachten, dass technische Systeme immer komplexer, Produktionslinien immer komplizierter werden. Diese müssen effizient und wirtschaftlich geregelt und gesteuert werden. Deshalb benötigen Industrieunternehmen Ingenieure, die sozusagen mit einem allgemeinen methodischen Werkzeugkasten die verschiedensten Fragestellungen bearbeiten können. Wir haben festgestellt, dass diese Art von speziell befähigten Ingenieuren bis dato nur in Stuttgart ausgebildet wurden. Vor dem Hintergrund der langen ingenieurwissenschaftlichen Tradition an unserer Universität und kompetenten Partnern, wie dem Max-Planck-Institut hier vor Ort, wurde dieser interdisziplinäre Studiengang besonders für Interessenten aus dem östlichen Raum Deutschlands ins Leben gerufen. Die Studierenden erhalten Methodenkompetenz vermittelt unabhängig von spezifischen Anwendungsfeldern, um von Problemen in biologischen Regulationsnetzwerken bis hin zu Fragestellungen in Raffineriebetrieben Aufgaben effizient bearbeiten zu können.

 

Wie sieht die Ausbildung im Studiengang "Systemtechnik und Technische Kybernetik" in Magdeburg aus?
Es ist ein eigenständiger Studiengang, der in zehn Semestern zum Diplom führt. Vermittelt werden mathematische und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen sowie kybernetische Analyse- und Synthesemethoden, aber auch fundierte Informatikkenntnisse. Im Hauptstudium kann zwischen den Vertiefungen Stoffwandlungsprozesse und Automatisierungstechnik gewählt werden. Sowohl im Grund- als auch im Hauptstudium sind verschiedene universitäre Fachpraktika vorgesehen. Einen ganz wichtigen Partner in der Ausbildung haben wir im Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg gefunden. Dessen Name ist gewissermaßen Programm für den Studiengang. Wissenschaftler des Instituts sind in die Lehre eingebunden, und diese wiederum beziehen die Studierenden bereits frühzeitig in die Bearbeitung anspruchsvoller Forschungsthemen am MPI ein.

 

Welche Fähigkeiten sollte ein Studienbewerber mitbringen?
Noch mehr als in etablierten ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen sind die Fähigkeit zur Abstraktion, das Denken in komplexen Zusammenhängen losgelöst von spezifischen Merkmalen eines technischen Systems sowie mathematisches Können Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium. Um dies bei Schülern bereits frühzeitig zu trainieren und Interesse zu wecken, beteiligen sich unsere Fakultäten gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut und der Robert-Bosch-Stiftung an dem Modellversuch NaT-Working, der sich an naturwissenschaftlich und technisch begabte Schüler wendet. Gemeinsam mit unseren Studenten werden die Schüler erste Probleme der System- oder Steuerungstechnik lösen. Ohne viel theoretisches Hintergrundwissen sollen die Kreativität angeregt und künftige Studierende an die Universität herangeführt werden.

 

Wie sind denn die Berufsaussichten für die künftigen Absolventen des neuen Studienangebotes?
Da die Ausbildung sehr breit gefächert ist, unterliegen die Absolventen weniger stark den konjunkturellen Schwankungen einer speziellen Branche. Ausgerüstet mit allgemeinem Methodenwissen und interdisziplinären Kenntnissen können sie in ganz verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Das reicht von der Biotech-Branche, der pharmazeutischen und der chemischen Industrie über die Anlagen- und Energietechnik, die Medizin- und Verkehrstechnik bis hin zur Luft- und Raumfahrtindustrie. Kurz: Die Berufsaussichten sind phantastisch.

 

Vielen Dank für das Gespräch.