DFG-Forschergruppe "Informationsfusion"

Puzzelteile aus weltweiten Datenbeständen

Viele Unternehmungen aus Wirtschaft, Verwaltung und Forschung haben es heute in ihrer Arbeit mit einer zunehmenden Menge und Vielfalt von Informationen zu tun. Diese Informationsflut ergibt sich aus der stark verbreiteten digitalen Verfügbarkeit verschiedenster Daten, die durch Internet-Technologien ortsungebunden verfügbar sind. Vor diesem Hintergrund erweisen sich Möglichkeiten zur Integration, Aufbereitung und Verdichtung dieser heterogenen Datenbestände als ein wesentlicher Vorteil. Das Ziel besteht in der Gewinnung von Informationen einer neuen, höheren Qualität. Hierzu werden sowohl Mechanismen für den effizienten Zugriff auf heterogene Quellen als auch Methoden für verschiedene Fusions- und Analyseaufgaben benötigt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Oktober 1999 der Förderung einer Forschergruppe an der Fakultät für Informatik der Magdeburger Universität zugestimmt. Im Rahmen eines mehrjährigen Vorhabens widmen sich die Wissenschaftler mit ihrem Sprecher Prof. Dr. Gunter Saake einem hochaktuellen Forschungsthema aus dem Bereich der Informatik, der "Informationsfusion". Neben den Mitteln der DFG stehen den Forschern auch Finanzen aus dem Landeshaushalt Sachsen-Anhalts zur Verfügung.

Die Aufgabe der Forschergruppe "Informationsfusion" ist die Entwicklung einer Workbench, also einer Plattform zur Bereitstellung und Anwendung verschiedener Softwarebausteine, für die Realisierung effizienter Informationssysteme mit anwendungsspezifischen Fusionsmethoden. Ausgehend von ausgewählten Anwendungsprofilen sollen eine Bibliothek von Methoden zur Daten- und Dokumentenanalyse, Kriterien für die Anwendung dieser Verfahren sowie Elemente der Infrastruktur von effizienten Informationssystemen entwickelt werden.

Universitätsübergreifende Kooperation

Die Forschergruppe wird gegenwärtig von neun Einzelprojekten sowie einem Koordinierungsprojekt getragen. Darin sind Informatiker, Computervisualisten, Wirtschaftsinformatiker sowie Maschinenbauer vertreten. Weiterhin besteht eine universitätsübergreifende Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg. Die bearbeiteten Themengebiete schließen datenbankspezifische Föderations- und Integrationsdienste ebenso ein wie Methoden zum aktiven maschinellen Lernen. Darüber hinaus sollen Werkzeuge zur Wissensakquisition entwickelt und integriert werden. Weitere Teilprojekte beschäftigen sich mit der betriebssystem- und netzwerktechnischen Optimierung des Systems ebenso wie mit einer interaktiven Gestaltung sowie visuellen Aufbereitung des Fusionsprozesses und seiner Ergebnisse. Mit Hilfe von Data-Mining-Verfahren sollen Datenbestände aus verschiedenen Anwendungsbereichen in Zusammenhang gebracht und ausgewertet werden. Im Rahmen eines weiteren Anwendungsprojektes werden vorhandene heterogene Datensammlungen aufbereitet und Expertenwissen identifiziert und analysiert, um die Arbeitsschritte zum Entwurfsprozeß für Gußteile zu unterstützen. In einem Projekt der Bioinformatik steht die Analyse von DNA-Sequenzen im Mittelpunkt der Anwendung. Dabei sollen die Funktionen von Genen sowie die regulatorische Bedeutung von bestimmten Sequenzabschnitten untersucht werden. Weltweit stehen dazu zahlreiche Datenquellen und Methoden zur Verfügung, welche an das Fusionssystem angekoppelt werden sollen. Schließlich beschäftigt sich ein neues Teilprojekt seit kurzem mit der lebenszyklusübergreifenden Integration umweltrelevanter Stoffinformationen.

Die Forschergruppe wird auf der diesjährigen CeBIT mit einem Prototypen ihrer Workbench für die Informationsfusion vertreten sein (Halle 16, Stand B65).

Sören Balko