Ein Konzept: Studiengang “European Studies"

Auf neue Berufsfelder vorbereiten

Binnenmarkt, Wirtschafts- und Währungsunion, Erweiterungsabsichten führen die Europäische Union in den nächsten Jahren zu einer qualitativ neuen Stufe. Auf diese sich verändernde Situation müssen sich öffentliche Verwaltungen, Parteien, Verbände, Wirtschaftsunternehmen, Bildungseinrichtungen und Medien einstellen. "Dazu werden zunehmend akademisch vielseitig qualifizierte Fachleute benötigt, die europarelevante Ausbildungsschwerpunkte nachweisen können", bekräftigt Prof. Dr. Wolfgang Renzsch vom Institut für Politikwissenschaft. Er leitet eine Arbeitsgruppe, die im Oktober 1997 mit der Erarbeitung eines Studienganges "European Studies" an der Universität Magdeburg begann. Zum Wintersemester 2001/2002 sollen die ersten Einschreibungen erfolgen. Eine Anschubfinanzierung ist beim Deutschen Akademischen Austauschdienst beantragt.

Konzipiert wurde je ein grundständiger, transdisziplinärer Bachelor- und Masterstudiengang, im Gegensatz zu vielen anderen Universitäten, die europäische Studien als Aufbaustudiengänge für Postgraduierte anbieten. Die Schwerpunkte des Studiums werden in den Bereichen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwissenschaften liegen. Dafür hat sich die Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften in ganz Europa Partner gesucht und Kooperationen zu den Universitäten in Lyon IV, Frankreich, Sofia, Bulgarien, Bangor/Wales in Großbritannien und in Lodz, Polen, aufgebaut. Für die sprachpraktische Ausbildung ist an eine Kooperation mit der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) gedacht. Regelmäßig sollen Lehraufträge an Praktiker aus verschiedensten Berufsfeldern vergeben werden.

Transdisziplinäre und komplexe Ausbildung

"Der neue Studiengang wendet sich an junge Menschen, die eine problemorientierte, transdisziplinäre und komplexe Ausbildung zum Thema Europa wünschen" hebt Professor Renzsch hervor. Die künftigen Studierenden, 40 sind pro Jahr eingeplant, sollen sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland kommen. Deshalb werden etwa die Hälfte der Lehrveranstaltungen in englischer Sprache angeboten. In den ausländischen Studierenden sieht der Mitinitiator dieses Studienganges künftige "Botschafter" Deutschlands im Ausland. Sie kehren in ihre Heimat mit einem positiven Eindruck von dem Land, in dem sie studiert haben, zurück, werden wichtige Kontanktpersonen.

Mit den "European Studies" sollen Studieninteressierte auf neue Berufsfelder vorbereitet werden, die sich aus der Vertiefung und Erweiterung des Integrationsprozesses in Europa ergeben, und für internationale und grenzüberschreitende Aufgaben in staatlichen und privaten Verwaltungen gerüstet werden. Vermittelt werden wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Kenntnisse, die für eine Analyse und das Verständnis des europäischen Integrationsprozesses erforderlich sind. Im Mittelpunkt steht aber auch die Vermittlung von bildungs- und kulturwissenschaftlichen Kenntnissen, die Studierende in die Lage versetzen, mit der Vielfalt europäischer Kulturen umzugehen.

Auslandssemester sind Pflicht

Jede der beteiligten Partneruniversitäten bietet einen eigenen Studiengang an. Sichergestellt jedoch ist, dass von den Hochschulen Module entwickelt werden, die in den jeweils anderen Studiengang integriert werden können. Mindestens ein Semester für das Bachelor- und zwei für das Masterstudium müssen an einer ausländischen Universität absolviert werden. Hinzu kommt ein sechswöchiges Berufspraktikum, beispielsweise in Wirtschaftsunternehmen, Parteien, Verbänden oder Medien, die grenzüberschreitend oder international orientiert sind. Insgesamt beträgt die Studiendauer für den Bachelorabschluss sieben und für den Masterabschluss drei weitere Semester. Ganz besondere Aufmerksamkeit genießt die Fremdsprachenausbildung. Durch UNIcert-Prüfungen sind bis zum Examen Kenntnisse in zwei europäischen Fremdsprachen nachzuweisen.

"Wir bieten mit unserem neuen Studiengang 'European Studies' Qualifikationsmuster, die nicht mehr von der tradierten Fächerunterteilung geprägt sind, sondern sich auszeichnen durch Vielseitigkeit, Flexibilität und die Fähigkeit zur Vernetzung verschiedener Perspektiven", schätzt Wolfgang Renzsch ein. "Die Nachfrage nach solchen Qualifikationen und das Interesse an einer derartigen Ausbildung dürfte nicht nur bei Studierenden aus den EU-Mitgliedstaaten und den der EU demnächst beitretenden Staaten zu erwarten sein, sondern auch bei jungen Menschen aus den Ländern, die enge Beziehungen mit der Europäischen Union suchen oder bereits pflegen."

Ines Perl